Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

men am Montag und am Donnerstag, auf den Vormittag zu legen war, so daß die 
freien Nachmittage der HJ zur Verfügung standen69. Welche Aufgabe die HJ 
Schule und Elternschaft zumaß, geht aus dem Bericht der BDM-Arbeitsschule 
Kaiserslautern hervor, die im Mai 1937 feststellte, sie solle "ein Gegenpol zur kon¬ 
fessionellen Erziehung" sein70. 
Eine gewisse Zusammenarbeit dürfte auch zwischen HJ und den Justizbehörden 
bestanden haben71, zumindest auf lange Sicht angestrebt worden sein, und zwar in 
Form von Arbeitsgemeinschaften mit Vertretern der Gebietsführung, der Regie¬ 
rung und den Obersten Justizbehörden, auch auf örtlicher Ebene. Dies belegt die 
Denkschrift für die Hitleijugend - Gebiet 25 (Saarpfalz) über "Sexuelle Kriminali¬ 
tät Jugendlicher im Gau Saarpfalz"72 (1935/36), die als Hauptmotiv für die Saar 
den fremdländischen Einfluß durch "die lange französische Besetzungszeit" er¬ 
kannt haben wollte. Solche Aktionen sind besonders im Zusammenhang mit der 
Verleumdungskampagne gegen den Klerus 1936/37 zu sehen, als der "Völkische 
Beobachter" und das "Schwarze Korps" seine Leser mit sensationellen Enthüllun¬ 
gen von sexueller Unmoral unter den Priestern und Ordensleuten fütterte. Sittlich¬ 
keitsprozesse machten in der Folge die Gerichte zur Schaubühne; angeblich sollen 
nicht weniger als 1.000 Priester und Nonnen wegen unmoralischen Verhaltens 
schuldig gesprochen worden sein73. 
NSDStB 
Dem Fehlen einer Universität im Saarland ist es wohl zuzuschreiben, daß es erst 
ein Jahr nach der Rückgliederung zur Bildung des Nationalsozialistischen Studen¬ 
tenbundes kam. Am 17. Februar 1936 fand die Gründungsversammlung des Na¬ 
tionalsozialistischen Deutschen Stundentenbundes im Gau Saarpfalz im Hinden- 
burgsaal der Wartburg in Saarbrücken statt74. Unter der Teilnahme von RR 
Schwitzgebel und Reg.Dir. Wambsganß sprach auch der Reichsführer der deut¬ 
schen Studentenschaft, Pg. Derichsweiler. Nach der SA war der NSD-Studenten- 
bund im Reich die erste Formation, die aus der "Kampfzeit" hervorgegangen war. 
Ziel des Bundes war die Erziehung der deutschen studierenden Jugend im Geiste 
des Nationalsozialismus, was letztlich für den einzelnen Studierenden ein Einge- 
bunden-Bleiben in das NS-Organisationssystems bedeuten sollte mit dem Fernziel 
der Schulung künftiger Führangskräfte und Offiziere; gleichzeitig sollte der Stu¬ 
dent als Bindeglied der Volksgemeinschaft zum deutschen Arbeiter dienen. Träger 
69 Sehr. v. 9.2.1937. Ebd, Nr. 25. Sehr. v. 8.4.1937. Ebd, Kreisschulamt Saarlouis, Nr. 6. 
70 Sehr. v. 19.5.1937. LA Speyer, Best H 38, Nr. 1387. 
71 
Mitteilung über die Bestellung eines HJ-Geriehts im Gebiet 25 bzw. zur Zusammenarbeit Ebd., Best H 
3, Nr. 7326, BI. 47-55. 
72 
Denkschrift o.D., die beiliegende namentliche Auflistung bezieht sich auf Fille zwischen dem 1.4.1935 
und dem 21.3.1936. Ebd, Bl. 6. 
73 "Das Schwarze Korps" v. 15.4.1937. R. Knox, Nazi and Nazarene, London 1940, S. 25. J.S. Conway, 
Die nationalsozialistische Kirchenpolitik 
74 NSZ-Rheinfront Nr. 41 v. 18.2.1936: "Lebendige Gemeinschaft". 
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