Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

der Reko am Sitz des "Notrings" vorgenommene Nachprüfung hatte allerdings er¬ 
geben, daß die eingesammelten Beträge keineswegs zu Wohltätigkeitszwecken 
verwendet wurden, sondern, von sehr hohen Verwaltungskosten abgesehen, in die 
Parteikasse flössen; ähnlich dürfte mit den Geldern des "WHW" größtenteils ver¬ 
fahren worden sein15. 
Dietrich veröffentlichte sofort für die Saar in einer größeren Übersicht die Reihen¬ 
folge der Errichtung der Hoheitsgebiete im Bereich der NSDAP bzw. die Reihen¬ 
folge in der Ernennung der Hoheitsträger der Partei und ihrer Stellvertreter sowie 
der Kassenleiter, der Leiter von Zellen und Blocks der NSDAP, der Zellen- und 
Blockwalter der DAF, ebenso der Kreis- und Ortsgruppen-Amtswalter16. Der Gau¬ 
organisationsleiter vertrat die Auffassung, daß der Aufbau der NSDAP im Saar¬ 
gebiet planmäßig und systematisch, d.h. in einer vorgegebenen Reihenfolge und in 
einem festgelegten Tempo, vorgenommen werden müsse, - die Reihenfolge zwar 
von vornherein festgelegt werden könne, das Tempo jedoch erst während des 
Aufbaus nach Maßgabe der organisatorischen und personellen Möglichkeiten be¬ 
stimmt werden könne. Für die einzelnen Etappen (in dem in der Tagespresse ver¬ 
öffentlichten Schema an der rechten und linken Seite gekennzeichnet), sah er 
einen Zeitraum von 8-14 Tagen vor, da jegliche Überstürzung (und dies war be¬ 
reits ein atemberaubendes Tempo) zu späteren Verwicklungen führen könne. 
Flächendeckend sollte die Errichtung eines Hoheitsgebietes bzw. eines Bereiches 
oder einer Amtsleitung der NSDAP mit der Ernennung des betreffenden Hoheits¬ 
trägers oder Amtsleiters erfolgen; Reihenfolge und Zeitraum des gesamten Auf¬ 
baues bestimmte der Gauorganisationsleiter. Als vollkommen neuer Grundsatz 
sollte im Saargebiet die Regelung eingeführt werden, daß der Hoheitsträger (Kreis- 
bzw. Ortsgruppenleiter) gleichzeitig (d.h. in Personalunion) Walter (also Kreis- 
bzw. Ortsgruppenwalter) der Deutschen Arbeitsfront wurde. Damit fiel dem Stell¬ 
vertreter nicht nur die Aufgabe zu, den Hoheitsträger innerhalb seines Gebietes zu 
vertreten, sondern auch den technischen und verwaltungsmäßigen Aufbau der 
DAF im entsprechenden Arbeitsgebiet zu tätigen sowie die fachliche Führung zu 
übernehmen; von dieser Regelung nahm jedoch schon Ende März die Parteileitung 
wieder Abstand; nur auf Kreis- bzw. Ortsebene blieb der stellvertretende Kreis- 
bzw. Ortsgruppenleiter Kreis- bzw. Ortsgruppenwalter der DAF. 
Ein weiterer neuer Grundsatz sollte beim Aufbau der Parteiorganisation zur An¬ 
wendung kommen, indem nämlich zuerst die Bildung der kleineren Einheiten der 
Blocks und dann erst ihre Zusammenfassung zu der größeren Einheit der Zellen (1 
Block mindestens 35 Haushaltungen, ca. 150 Pg., 5-8 Block als eine Zelle) 
erfolgte, womit der Aufbau von oben nach unten unterbrochen wurde; bleibt noch 
festzuhalten, daß auf eine Zelle bzw. einen Block der NSDAP mehrere Zellen bzw. 
15 Gegendarstellung der Reko v. 5.1,1934 an den Generalsekretär des Völkerbundes zur Denkschrift der 
Deutschen Front v. 18.12. 1933. LA Speyer, Best. Bez.Amt Kusel, Nr. 1.416 II, Bl. 348f. u. 351. Fer¬ 
ner die Bürgermeisterkonferenzen, u.a. das Sehr, des Landrats von Saarbrücken v. 12.11.1932. LA 
Saarbrücken, Best. Landratsamt Saarbrücken/Riegelsberg, Nr. 120/10. 
16 NSZ-Rheinfront Nr. 51 v. 1.3.1935: "Der Aufbau der NSDAP im Saarland". 
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