Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

hatte10, - und letztlich stand Biirckel in der Gunst Hitlers, wobei der Abstim¬ 
mungssieg an der Saar für ihn weiterhin positiv zu Buche schlug. 
Die Deutsche Front, die mehr oder weniger unter überparteilicher Tarnung laufen¬ 
de nationalsozialistische Vereinigung, wurde nach der Rückgliederung aufgelöst 
und der Neuaufbau der NSDAP in die Wege geleitet. Erklärtes "Endziel" war "die 
restlose Verschmelzung des bisherigen Gaues Rheinpfalz mit dem Saargebiet zu 
einem vollkommen neuen Gau "Saar-Pfalz" und "die gründliche Vermischung die¬ 
ser beiden Gaue der NSDAP zu einer neuen partei- und staatspolitischen Einheit 
durch gegenseitigen Austausch von Pfälzern und Saarländern in den Führerstel¬ 
len"11. Der Führerrat der Deutschen Front (mit Nietmann und Levacher) beschloß 
daher am 20. März 1935 die Organisation aufzulösen und sämtliche Aktiva und 
Passiva der NSDAP Gau Pfalz-Saar zu übereignen12. Die Grundsteinlegung für die 
Neuorganisation der NSDAP im Saarland erfolgte am 20. März 1935 im histori¬ 
schen Saal der "Wartburg" mit einer Großkundgebung13, auf der Gauleiter Bürckel 
die Grundsätze und Richtlinien für den etappenweisen Aufbau der NSDAP darleg¬ 
te. Die Gründung der NSDAP im Saarland wollte er keinesfalls als eine qualitative 
Auslese unter den Deutschen an der Saar verstanden wissen; doch was die Partei 
unter "Qualität" verstand, sollte sich gerade in der Aufbauphase bei alten Parteige¬ 
nossen, aber auch Neubewerbem zeigen. 
Doch war zwischen dem 1. und 20. März die Führung der NSDAP keineswegs un¬ 
tätig geblieben. Die Neuorganisation durch Parteifünktionäre des Gaues Rhein¬ 
pfalz, die im Saarkampf bereits mehr oder weniger in Erscheinung getreten waren, 
hatte nahtlos nach der Übernahme der Macht an der Saar eingesetzt14. Am 1. 
März 1935 teilte Gauorganisationsleiter Dietrich im "Völkischen Beobachter" der 
Öffentlichkeit mit: "Die NSDAP besteht mit dem heutigen Tage auch im Saarge¬ 
biet". Natürlich war dies nur ein amtliches Eingeständnis vor der Öffentlichkeit, 
denn für die Partei war die Saar schließlich kein Neuland und die von der Reko 
früher verbotenen Versammlungen für alle politischen Parteien hatte die NSDAP 
umgangen, indem sie unter Ankündigungen wie "Heimatabend", "Elternabend" 
sowie unter dem Deckmantel der "Hitler-Jugend" und des "Winterhilfswerks" Ver¬ 
sammlungen veranstaltet hatte. Beauftragte der NSDAP hatten sogar Sammlungen 
für den sogenannten "Notring" durchgeführt, nach NSDAP-Angaben gegenüber 
der Reko zum Zwecke, armen und bedrängten Mitgliedern zu helfen. Eine von 
10 Zum "Gau Rheinpfalz": NSZ-Rheinfront Nr. 51 v. 1.3.1935. Vgl. K.-H. Rothenberger, Aus der natio¬ 
nalsozialistischen Zeit der Pfalz, S. 350-369. O. Domröse, Der NS-Staat in Bayern von der Machter¬ 
greifung bis zum Röhm-Putsch. 
11 Gauorganisationsamt des Gaues Pfalz-Saar (Hg.), Dienstvorschrift, S. 3f. Ebenso der Gestapo-Bericht 
v. 4.4.1935 für März zur Auflösung der DF am 20.3.1935 und zur Wiederherstellung der NSDAP. LA 
Saarbrücken, Best. Gestapo Saarbrücken, Nr. 28. 
^ NSZ-Rheinffont Nr. 68 v. 21.3.1935: "Letzte Abrechnung an der Saar"; ebd. Bürckels Rede. 
Weitere Redner - Kreisleiter Dürrfeld sowie an Stelle des erkrankten Landesführers der Deutschen 
Front, Nietmann, der stellv. Gauleiter Leyser: S.Z. Nr. 78 v. 21.3.1935. 
14 
Vgl. G. Paul, Der Neuaufbau der Partei 1935, S. 76ff. 
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