Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

ses Merzig) und als Restkreis Baumholder (des Stammkreises St. Wendel) beim 
Regierungsbezirk Trier. 
Betroffen von der Trennung waren vor allem die Saargrenzgänger in den Restkrei¬ 
sen, besonders nach den Stillegungen im saarländischen Steinkohlenbergbau mit 
Auswirkungen auf andere Industriezweige 1932/33; geringe wirtschaftliche Hilfe 
versprach die Reichswesthilfe der Reichsregierung. Doch erhoffte sich die Bevöl¬ 
kerung nach der Rückgliederung des Saargebietes eine Besserung ihrer Lage vor 
allem durch einen leichteren Zugang zum saarländischen Arbeitsmarkt. Die wirt¬ 
schaftlichen Probleme der Grenzregion wurden durch die Rückkehr des Saargebie¬ 
tes ins Reich zwar geringer, doch letztlich nicht ganz beseitigt20; vor allem be¬ 
grenzte Bürckel zur Behebung der Arbeitslosigkeit im Saarland selbst die Arbeits¬ 
vermittlung für die Saargrenzgänger. 
Zu dem Problem der Abtrennung kam noch hinzu, daß beide Restkreise kein zu¬ 
sammenhängendes Gebiet bildeten, sondern geteilt waren durch ein 
"Mittelteilstück", Kreisgebiet Trier-Land und oldenburgischer Landesteil Birken¬ 
feld. Der Plan einiger Parteigenossen aus dem oldenburgischen Birkenfeld, dieses 
zum NSDAP-Gau Trier-Koblenz (Gauleiter: Gustav Simon) gehörende Gebiet un¬ 
ter Umständen aus dem Gaugebiet herauszulösen, um es dem neuen Reichsgau 
Saar-Pfalz zuzuordnen, scheiterte. 
Als zu Anfang des Jahres 1935 in Berlin über die Eingliederung der Saar beraten 
wurde, fehlte der entsprechende Taktiker für eine allseits zufriedenstellende Lö¬ 
sung. Der Oberpräsident der Rheinprovinz, Freiherr von Lüninck, rechnete bereits 
mit seiner Ablösung (s.o.); der Trierer Regierungspräsident, Dr. Konrad Saassen, 
vertrat zum einen seinen Regierungsbezirk, zum anderen war er gerade von 
Bürckel zum Regierungspräsidenten an der Saar ausersehen worden, für das Amt, 
das dann allerdings Philipp Wilhelm Jung antrat. Zu diesen Problemen auf staatli¬ 
cher Ebene kamen die Parteiquerelen aus den Jahren 1933/34 zwischen dem Gau¬ 
leiter Gustav Simon und Gauleiter Bürckel hinzu. 
Nach Lösung der personellen Fragen, Saassen war Regierungspräsident geblieben, 
die Stelle des Oberpräsidenten der Rheinprovinz hatte Josef Terboven eingenom¬ 
men, vertraten beide, verstärkt durch die Partei, nur noch rheinpreußische Interes¬ 
sen, was ihr Verhältnis zu Bürckel über ein Jahr lang belastete. Dieser plädierte 
weiterhin aufgrund des Gesetzes von 1922 für einen automatischen Anschluß der 
Restkreise an die Stammkreise aufgrund der vollzogenen Rückgliederung der Saar. 
Dabei berief er sich auf den bereits eingerichteten Gau Saarpfalz, der eine Einheit 
bilde, sowie auf die für die Saar und die Pfalz gemeinsam zuständige Gauwirt¬ 
schaftskammer, die Landesbauemschaft und die Arbeitsfront. Und letztlich konnte 
er sich auf die Entscheidung Hitlers berufen, die dahin lautete, das Saarland unge¬ 
20 
Vgl. K. Saassen, Grenzlandnot. Zur Klage der Bewohner der Restkreise noch 1939 siehe die zahlreichen 
Belege im BA Koblenz, Best. R 18, Nr. 391, Bl. 44-71 (mit Stellungnahme von Gauleiter Simon), Bl. 
79-90 u. 1 lOf. 
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