Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

mußte "seine" Parteizeitung beziehen und sich im Alltag und im Dienst entspre¬ 
chend der Parteinorm bewähren3. 
Welche Rolle der Verwaltungsakademie Saarpfalz in der Bedeutung des Saar- 
Pfalz-Raumes zufallen sollte, legte OB Dürrfeld in seinem Vortrag, "Unsere politi¬ 
sche Richtung in der Grenzmark Saarpfalz und ihre Einwirkung auf die Verwal¬ 
tung", vor Beamten in Saarbrücken dar. "Deutschlands Schicksalsgrenze ist im 
Westen"4, demnach bedeute die Grenzlage eine Verpflichtung; diese Aufgabe habe 
die Beamtenschaft bzw. die Verwaltung zu übernehmen, deren Befehlsgeber im¬ 
mer die Partei sei. Abgesehen davon, daß das RMdl für das gesamte Reich das 
zentrale Verfassungs-, Verwaltungs- und Beamtenministerium darstellte, liefen bei 
ihm infolge der besonderen Verwaltungsstruktur des Saarlandes die Fäden seiner 
öffentlichen Verwaltung stärker zusammen, als es bei anderen deutschen Land¬ 
schaften der Fall war5. Deshalb widmete es auch der Verwaltungsakademie in 
Saarbrücken seine besondere Aufmerksamkeit. 
Grundlage des staatlichen Aufbaus und der Verwaltung bildete demgemäß das Zu¬ 
sammenwirken von Partei und Staat, was in der Personalunion von Reichsstatthal¬ 
ter (in Preußen des Oberpräsidenten) und Gauleiter, im Saargebiet also von 
Reichskommissar und Gauleiter Bürckel deutlich wurde; diese Praxis galt natür¬ 
lich für alle herausgehobenen Dienststellungen, so daß der jeweilige Staatsposten 
in der Regel mit einem Hoheitsträger der Partei besetzt war. 
Interessant im Zusammenhang mit verwaltungstechnischen Grundfragen des NS- 
Staates und Bürckels Saarvorstellungen dürfte folgender Vorgang sein: Auf Einla¬ 
dung von Reg.Präs. Jung hatte Pfundtner am 14. Oktober 1937 seine Teilnahme an 
der Zehnjahresfeier der Saarbrücker Verwaltungsakademie zugesagt, hatte er sich 
doch durch Vorträge im gesamten Reich gerade für den Neuaufbau der deutschen 
Verwaltung einen Namen gemacht. Pfundtner ging es besonders um das Verhält¬ 
nis zwischen Parteiorganisation und Staatsverwaltung, wobei er auf die inneren 
Zusammenhänge und die Sicherung der Einheit zwischen beiden, die doch ge¬ 
meinsam dem Volke dienten, großen Wert legte. Am 28. Oktober 1937 teilte je¬ 
doch die Saarbrücker Akademie mit, daß die Feier am 31. Oktober nicht stattfinde, 
da Bürckel glaube, auf die zur Zeit im Gau Saarpfalz stark verbreitete Maul- und 
Klauenseuche (!) Rücksicht nehmen zu müssen. Wahrscheinlicher scheint jedoch, 
daß die Ideen Pfundtners Bürckels Planung für seinen Gau zuwiderliefen, waren 
doch gerade an der Saar erstmalig nach der Machtübernahme Hitlers praktische 
Verwaltungsfragen besonderer Art zu lösen gewesen, - Verwaltungsfragen, die, 
3 
Zur fachlichen Fortbildung bzw. zur Schulung der Beamten im nationalsozialistischen Geiste an der 
Verwaltungsakademie vgl. Amtsblatt des Reichskommissars für die Rückgliederung des Saarlandes, 
Bekanntmachung v. 28.9.1935, Nr. 36, S. 329f. Zum Schrifttumsbezug für Beamte vgl. verschiedene 
Vorgänge im LA Saarbrücken, Best. Min.d.Inn., Nr. 86. 
4 NSZ-Rheinfront Nr. 290 v. 12.12.1936 u. Nr. 9 v. 11.1.1936. 
Vgl. die Fassung der Festrede zum 10. Jahrestag der Gründung am 31.10.1937 durch Staatssekretär 
Pfundtner. BA Koblenz, Best. R 18, Nr. 5.343, Bl. 263-323. 
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