Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

2.4. Die Grundstrukturen der Inneren Verwaltung und ihre Auswirkun¬ 
gen auf die Landratsämter, die Polizeibehörden und sonstigen Ämter 
Im Sommer 1935 wurde die Pfälzische Verwaltungsakademie, Zweiganstalt der 
Verwaltungsakademie in Ludwigshafen, vom Führer des Reichsverbandes deut¬ 
scher Verwaltungsakademien, Dr. Lammers, mit der Zweigstelle der Verwaltungs¬ 
akademie Frankfurt a.M., die in Saarbrücken ihren Sitz hatte, vereinigt; die Frank¬ 
furter Unterstellung wurde allerdings beibehalten1. Der künftige Wirkungskreis 
der neuen Akademie erstreckte sich auf das Saarland und die Rheinpfalz. Damit 
schied die Pfälzische Verwaltungsakademie aus der Obhut der Verwaltungsaka¬ 
demie München aus. Leiter der neuen Hauptanstalt mit dem Namen 
"Verwaltungsakademie Pfalz-Saar" (später Verwaltungsakademie Westmark e.V.) 
wurde Regierungspräsident Jung, ihr Sitz war Saarbrücken; für die Pfalz wurde je¬ 
doch eine Zweiganstalt in Ludwigshafen (Geschäftsführer: Verwaltungsoberin¬ 
spektor Hermann Schäfer) beibehalten. Die Akademie übernahm sowohl die Fach¬ 
ais auch die Persönlichkeitsbildung der jeweiligen Verwaltungsbeamten des Gebie¬ 
tes. Dies bedeutete, wie der Hauptamtsleiter H. Neff anläßlich der Saarbrücker 
Kundgebung der Beamtenschaft am 4. August 1935 betonte, "die Erziehung der 
Beamten zu vorbildlichen Nationalsozialisten und die Durchdringung der gesam¬ 
ten Beamtenschaft mit dem nationalsozialistischen Gedankengut"2. 
Das erste Wintersemester begann am 3. November 1935. Bereits in den Eröff¬ 
nungsreden war vom Geist der neuen Zeit ("Das Wesen der Volksgemeinschaft") 
und von der Aufgabe der Akademie als "Bindeglied für die Zusammenfassung des 
Landstriches am Rhein und an der Saar" (Reg.Präs. Jung) die Rede. Jung stellte 
klar das Primat der Partei vor dem Staat heraus, d.h. die Partei befahl dem Staate 
dadurch, daß sie Parteigenossen in die Staatsämter berief, die dann in ihrem Sinne 
ihre Amtsgeschäfte ausüben sollten. Dies bedeutete eindeutig eine Bürokratie, die 
die vorgegebenen Richtlinien der Partei genauestens befolgte; demgemäß mußte 
der Beamte Parteimitglied und Führer des Volkes im nationalsozialistischen Sinne 
sein, ohne Überheblichkeit gegenüber dem Volksgenossen (wie es in einer speziel¬ 
len Verhaltensanweisung des OB für die Beamten der Stadt Saarbrücken hieß); er 
1 Unterstellung wie bereits seit ihrer Gründung am 21.3.1927 (Gründung in der Pfalz am 1.4.1926): 
NSZ-Rheinfront Nr. 257 v. 4.11.1935. Zur Einrichtung der Verwaltungsschule für die pfälzischen Saar- 
Gebietsteile (1924, Leiter: RR Barth) in Blieskastel s. die Vorgänge im LA Saarbrücken, Best. LRA 
Stlngbert, Nr. 1796, zur Kommunalverwaltungsschule Saarbrücken u. die Verwaltungsschule des 
Kreises in Saarlouis, ebd, Nr. 1795. 
2 NSZ-Rheinfront Nr. 219 v. 19.9.1935: "Der Beamte muß lernen ...!" Vgl. "Stundenplan SS 1941, 
Vorlesungsverzeichnis für das Frühjahrssemester 1942: LA Saarbrücken, Best. Landeskulturverw., Nr. 
315. Eröffnung einer Zweigstelle in Metz am 10.5.1941. Lehrbetrieb im WS 1941/42 aufgenommen. 
Leiter 1942 in Saarbr.: RegPräs. Barth, Studienleiter: Prof. Dr. Schuster (Heidelberg); Gesch.Fhr. der 
Hauptanstalt Saarbr.: Reg.Insp. N. Mayer, der Zweiganstalt Ludwigshafen: Stadtinsp. H. Schäfer, der 
Zweiganst. Kaiserslautern: E. Dick, der Zweiganstalt Metz: Reg.Insp. Heß. Vorlesungsverzeichnis 
1942. Ebd. 
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