Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Schluß des Artikels u.a. auch von der Sache selbst ablenken. Es erscheint jedoch 
fraglich, ob tatsächlich hier eine reine pfälzische Bevormundung gewollt war oder 
ob nicht doch, der "Not" gehorchend und im Sinne nationalsozialistischer Bedürf¬ 
nisse, fachlich geschultes und gleichzeitig linientreues Personal von außerhalb die 
NS-Herrschaft an der Saar ausüben mußte, denn auch in der Folgezeit wurden die 
"Pfälzer" nicht ausgebootet, sondern weiteres Reichspersonal trat in der Verwal¬ 
tung hinzu. 
Die neu errichtete Behörde arbeitete durchaus zufriedenstellend, wie sich auch der 
Übergang von der Reko-Behörde zum Reichskommissariat reibungslos vollzog; da¬ 
für sorgte nicht zuletzt das neue dirigistische Prinzip sowie der Erfolgszwang nach 
einem so überwältigenden Votum für das Reich bei der zurückliegenden Abstim¬ 
mung. Konfrontationen ergaben sich lediglich zeitweilig mit einigen Reichsres¬ 
sorts, die sich jedoch auf die innersaarländischen Verhältnisse kaum auswirkten26. 
Im übrigen konnten nun die seit Jahren bestehenden Verbindungen von Saarge¬ 
bietsbeamten mit Reichsstellen offiziell voll genutzt werden27. 
Interessant dürfte in diesem Zusammenhang die Anfrage zur Weiterexistenz des 
Reichskommissariats von Reg.Präs. Jung am 3. Mai 1935 auf einer Besprechung 
im Reichsministerium des Innern über die Fragen sein, die mit der Rückgliederung 
des Saarlandes zusammenhingen. Jung entsprach mit dieser Anfrage dem Wun¬ 
sche aller Teilnehmer (von Saarseite noch ORR Dohm und Reg.Dir. Nietmann), 
da sich dieses Problem offenbar wie ein roter Faden durch alle Saarangelegenhei¬ 
ten zog. Unklarheit bestand darüber, was mit dem Reichskommissariat geschehen 
würde, wenn die Rückgliederung beendet sei. Ministerialrat Dr. Vollen vertrat die 
Ansicht, "daß es sich bei dem Reichskommissariat um eine interimistische Be¬ 
hörde handele, die keineswegs als Vorbild für die Verwaltung der zukünftigen 
Reichsgaue angesehen werden könne"28, wogegen Jung im Reichskommissariat 
einen "Vorläufer der zukünftigen 'Gauregierung' eines Reichsgaues"29 sah. Diese 
Auffassung vertrete auch Bürckel, der deshalb "verschiedenen höheren Beamten 
ausdrücklich mitgeteilt habe, es sei nicht erwünscht, daß sie ihren Wohnsitz nach 
Saarbrücken verlegten, da die zukünftige Gauregierung jedenfalls in eine andere 
Stadt verlegt würde. Er, Jung, wohne noch in Darmstadt, Barth und Dohm wohn¬ 
ten in Speyer und würden auch vorläufig nicht umziehen"30. Reg.Dir. Nietmann 
26 Ebenso bei V. Rödel, Die Behörde, S. 297. M. Broszat, Der Staat Hitlers, S. 614. D. Wolfanger, Die 
nationalsozialistische Politik, S. 26f, 
27 
Zum Eingeständnis dieser unzulässigen Verbindungen vgl. das Sehr. Binders an die Staatskanzlei des 
Freistaates Bayern von 8.1.1934, betr. Denkschrift der Deutschen Front im Saargebiet an den Völker¬ 
bund (v. Baltes, Röchling, Levacher) v. 18.12.1933. LA Speyer, Best Bez.Amt Kusel, Nr. 1.416 II, Bl. 
340. Die Verbindung zu Binders verläßlichen Beamten im Saargebiet bereits Jahre vor der Abstim¬ 
mung, in: Sehr. Binders an das Pfalzkommissariat in München v. 24.9.1937. Ebd. Bl. 114ff. 
28 Aufzeichnung der Besprechung v. 3.5.1935. BA Koblenz, Best R 18, Nr. 5.410, Bl. 317. 
29 Ebd. Bl. 317. 
30 Ebd. Bl. 317. Vgl. S.Z. v. 5.3.1935. Ebenso: StadtA Saarbrücken, Best Amt des OB 1938-1945, Nr. 
3.364. 
223
	        

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