Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Die Abteilung II (Landesfürsorgeverband, Soziale Fürsorge, Gesundheitsfürsorge, 
Gesundheitswesen, Veterinärangelegenheiten) leitete der einzige aus der Reko 
übernommene höhere Beamte, Reg.Dir. Dr. Max Obe18, wo er unter Koßmann als 
Ministerialdirektor in der Abteilung für Volkswohlfahrt, Gesundheitswesen, 
Landwirtschaft und Forsten bereits seine Reichstreue unter Beweis gestellt hatte. 
Mit Koßmann war er auch zuständig gewesen für die Ministerialabteilung für So¬ 
zialversicherung sowie als Präsident für das Aufsichtsamt für Privatversicherung 
in Saarlouis. Seine Verwendung ging nicht zuletzt auf die Empfehlung des 
Reichsaibeitsministers zurück19, der ihn als den bisherigen leitenden Beamten der 
Reko für Angelegenheiten der Volkswohlfahrt und des Versicherungswesens für 
die wichtige Aufgabe der Überleitung der Sozialverwaltung des Saargebietes auf 
die entsprechenden deutschen Einrichtungen beim Reichskommissar vorgeschla¬ 
gen hatte. Um seiner Bitte Nachdruck zu verleihen, übersandte er Bürckel gleich¬ 
zeitig noch einen Kriegsranglistenauszug, eine Aufzeichnung eines Sachbearbei¬ 
ters zu Ob& Verdiensten sowie eine Übersicht zu dessen gegenwärtigem Arbeits¬ 
gebiet. 
Sein Werdegang stellt sich wie folgt dar: Dr. med. Max Ob6, katholisch, geboren 
am 4. Juni 1889 in Saarlouis, von 1909-1914 Medizinstudium an den Universitä¬ 
ten Straßburg, Münster und München; am 20. Juni 1914 Staatsexamen, Approba¬ 
tion als Arzt am 5. August 1914; während des Krieges zum Heeresdienst einberu¬ 
fen (Ass.-Arzt, Oberarzt d. Res.), Militärarzt in Straßburg; von Beendigung des 
Krieges bis 31. Juli 1923 prakt. Arzt und Krankenhausarzt in Neuerburg, Kreis 
Bitburg; ab 1. August 1923 Kreisarzt des Kreises St. Wendel; vom 1. April 1924 
an ORR bei der Reko, als Min.Rat, Abt.-Leiter, Direktor 2. Klasse und ab 1. Okt¬ 
ober 1926 Direktor 1.Klasse; 1927 Min.Dir.. Mitglied der NSDAP seit 1. Novem¬ 
ber 1935 (in d. NSV und RDB ab 1. April 1935, im NSRB ab 1. April 1937); von 
1935-1945 in Bürckels Behörde; im Sommer 1945 kommissarischer Direktor der 
Landesversicherungsanstalt für das Saarland, nach seinem Ausscheiden aus dem 
Staatsdienst prakt. Arzt in Saaibrücken; Initiator für die Errichtung der Ärzte¬ 
kammer und deren erster Präsident, dann Ehrenpräsident; maßgeblich verantwort¬ 
lich für die Gründung der Gemeinschaftshilfe saarländischer Ärzte und Zahnärzte; 
Lehrauftrag an der Med. Fakultät der Universität des Saarlandes; Ernennung 
durch die Regierung des Saarlandes zum Geheimen Sanitätsrat; ausgezeichnet mit 
dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie 1967 durch den Deutschen Ärztetag 
mit der Paracelsus-Medaille; gestorben am 4. Dezember 1969. 
18 LA Saarbrücken, Best Reichsstatthalter in der Westmark, Nr. 50. "Nationale Einstellung - bewußt 
deutsch": Sehr, des Reichsarbeitsministers an Bürckel v. 30.1.1935. AA..betr. Tätigkeit des Vizekanz¬ 
lers von Papea Aufgrund sein«' gemäßigten Haltung in der NS-Zeit wurde Ob6 im Juni 1949 außer 
Verfolgung gesetzt Auskunft der Zentralen Stelle der Landesjustizverw., Ludwigsburg (vgl. das Ver¬ 
fahren 11 Js 71/48 der Gen.Staatsanwaltschaft Saarbrücken). Kurzbiogr. in S.L.Z. Nr. 129 v. 
7./8.6.1969. 
19 Sehr. v. 30.1.1935. AA..betr. Tätigkeit des Vizekanzlers von Papen. 
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