Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

henen Dr. Dellbrügge (Reg.Präs. bei Gauleiter u, Staatskommissar Terboven in 
Norwegen) beauftragt wurde, zunächst für die Zeit der Verhinderung des beurlaub¬ 
ten Bürgermeisters Hermann Neubacher und ab Dezember 1940 endgültig. RMdl 
Frick ernannte ihn in seiner Funktion als Regierungspräsident in (Saarbrücken 
und) Kaiserslautern mit Wirkung vom 1. Mai 1940 noch zum Regierungspräsiden¬ 
ten in Speyer, wobei der ebenfalls von Frick erteilte Auftrag (auf Bürckels beson¬ 
deren Wunsch hin) zur vorübergehenden Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des 
Bürgermeisters in Wien (als höchster Gemeindebeamter, da die Stelle eines OB 
nicht existierte) davon unberührt blieb. Von Mai bis September 1940 führte er 
ebenfalls die Geschäfte des Regierungspräsidenten im staatlichen Sektor. Nach 
dem späteren Übertritt Neubachers zum Auswärtigen Dienst wurde Jung endgülüg 
Bürgermeister der Stadt Wien (10, April 1941 bis 1945)7; nach dem Kriege lebte 
Jung als Rechtsanwalt in Unterscharbach im Odenwald. 
Jung war mit Bürckel seit 1926 persönlich bekannt, war er doch Verteidiger in al¬ 
len seinen Strafsachen seit 1926, ohne ihm jemals Kosten berechnet zu haben8, 
und seine bisherigen Leistungen versprachen für das Saarland eine fachlich und 
politisch hervorragende Kompetenz. Trotzdem stellte diese Stellenbesetzung eine 
Notlösung dar, war doch von Bürckel selbst der Trierer Regierungspräsident, Kon- 
rad Saassen, der auch mit der verwaltungstechnischen Überleitung des Saargebie¬ 
tes ins Reich betraut worden war, ursprünglich für dieses Amt vorgesehen gewe¬ 
sen. Offenbar war er im letzten Moment (Februar 1935) wegen seiner katholischen 
Glaubenshaltung durch Interventionen des Gauleiters Simon (Koblenz-Trier) und 
des Koblenzer Oberbürgermeisters ausgebootet worden9; letztlich war dann 
Reichsinnenminister Frick mit Bürckels Entscheidung nicht einverstanden, so daß 
nach Jungs eigenen Darlegungen nach dem Kriege Bürckel ihn aufgrund seiner 
früher geäußerten Wünsche zu einer anderen Verwendung im Flughafenrestaurant 
von Frankfurt um die Zustimmung zur Bestellung als Regierungspräsident in 
Saarbrücken gebeten habe. Aufgrund von Jungs Ernennung konnte aber auch 
gleichzeitig in Hessen der Gauleiter des Gaues Hessen-Nassau, Jakob Sprenger, die 
Führung der hessischen Landesregierung übernehmen. Der Stellenplan der Be¬ 
hörde des Reichskommissars benennt demgemäß von Anfang an Jung als Regie¬ 
rungspräsidenten. Mit dieser Besetzung war Frick einverstanden, ja er habe sogar 
7 Hess. StaatsA Darmstadt, Abt. 0 31 (Nachlaß Jung). S.L.Z. Nr. 61 v. 4.3.1935. 
8 Die Verteidigung führte er in allen pol. Prozessen kostenlos u. schoß zum Teil aus eigenen Mitteln 
Zeugengebühren u. Gerichtskosten für die Angeklagten vor; er unterstützte finanziell auch die Parteizei¬ 
tung, "Eisenhammer”, die "NSZ" in der Pfalz u. die "Faust" in Worms. LA Saarbrücken, Best. Einzel¬ 
stücke, Nr. 100. So auch in dem Großen Prozeß gegen den OB von Landau Forthuber vor dem 
Schwurgericht in Frankenthal, das Bürckel schuldig sprach, den Beweis für F.'s "separatistisches Ver¬ 
halten" nicht erbracht zu haben. Hess. StaatsA Darmstadt, Abt. O 31 (Pak, unverz.), "Meine pol. 
Erlebnisse", S. lf. 
9 F. Jacoby, Herrschaftsübemahme, S. 164, Anm. 27 sowie F. Pauly, Zur Kirchenpolitik, S. 418. Zur Be¬ 
hauptung, Saassen habe für kurze Zeit die Stelle innegehabt, vgl. W. Hofmann, Vier Jahrzehnte, S, 16. 
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