Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

Bereits im Juni 1934 verzichtete Bürckel wieder auf das Amt eines politischen Be¬ 
auftragten, verlangte doch der Reichsinnenminister, der das Primat der staatlichen 
Ordnung gegenüber den Parteistellen forderte, die Annahme des Amtes des Regie¬ 
rungspräsidenten. Infolgedessen blieb dieses Amt in der Pfalz verwaist (Imbt war 
im Juni 1934 wieder ausgeschieden), und die Leitung der Kreisregierung oblag bis 
April 1940 Regierungsdirektor Friedrich Wenner2. 
Mit der Übernahme der Stellung eines Reichskommissars, im Gefolge seiner Er¬ 
nennung zum Saarkommissar der NSDAP und zum Sonderbevollmächtigten der 
Reichsregierung im Juli 1934, dürfte Bürckel von Anfang an die Bildung eines ei¬ 
genen Reichsgaues im südwestdeutschen Raum vor Augen gehabt haben. Die neue 
Konstellation des Amtes der Gauleitung Saarpfalz und der staatlichen Position des 
Reichskommissars kam seinen Ambitionen bei der zu erwartenden Neuordnung 
des Reiches sehr entgegen; und als diese Neuordnung vorerst sich aufgrund ande¬ 
rer Ereignisse hinausschob, versuchte er seinen Machtbereich zumindest gegen¬ 
über den Nachbargauen auszuweiten oder die Bevormundung durch das Reichsin¬ 
nenministerium abzustreifen. 
Sein Einflußgebiet übernahm Bürckel als Ganzes, da die früheren Zugehörigkeiten 
nicht mehr hergestellt worden waren; die Vorläufigkeit der neuen Ordnung ließ 
sich neben dem Gesetz über die vorläufige Verwaltung des Saarlandes auch an der 
Kommissarbezeichnung für Bürckel ablesen, die am 17. Juni 1936 lediglich in 
"Reichskommissar für das Saarland" geändert wurde. Die Verwaltungsorganisati¬ 
on der neuen Behörde entsprach durchaus der Gliederung eines Regierungspräsi¬ 
diums, allerdings ohne die von Bürckel angestrebte "volksverbundene Verwal¬ 
tungsorganisation"3 mit einem ihm durch den nationalsozialistischen Treuebegriff 
verbundenen Mitarbeiterstab. Trotzdem war es Bürckel gelungen, die einzelnen 
Abteilungen mit fachkundigen, politisch zuverlässigen und ihm ergebenen Beam¬ 
ten zu besetzen. Die "Erste Durchführungsverordnung zum Gesetz über die vor¬ 
2 Vgl. V. Rödel, Die Behörde S. 292f. K.-H. Rothenberger, Aus der nationalsozialistischen Zeit, S. 354f. 
H. Prantl, RPB, S. XXXI u. Anm. 31. H. Fenske, Josef Bürckel und die Verwaltung der Pfalz (1933- 
1940), in: D. Rebentisch, Karl Teppe (Hg.), Verwaltung contra Menschenführung, S. 157. NSZ- 
Rheinffont, Nr. 156 v. 8.7.1933. Nach dem bayer. Ministerratsprotokoll v, 12.6.1934 hatte die Bayer. 
Regierung die im März 1933 nicht ins Kabinett berufenen Gauleiter (Bürckel u. auch den frank. Gau¬ 
leiter Streicher) vor die Entscheidung gestellt, das Amt des Reg.Präs. zu übernehmen oder ihren Auftrag 
zurückzugeben', beide lehnten ab. Reg.Präs. Osthelder bis Ende Juli 1933; ab 1.9.1933 der bisherige 
Vorstand der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Unterffanken, Reg.Dir. Röder, als komm. Lei¬ 
ter der Regierung, nachdem es Bürckel nicht gelungen war, seinen Vorschlag, den ihm bestens bekann¬ 
ten Volksschulreferenten, Dr. Emst Alexander, gegenüber der bayerischen Staatsregierung durchzuset¬ 
zen; Röder Anfang Mai 1934 von Bürckel kaltgestellt; nach Imbt, Reg.Dir. Wenner ab 1.8.1934 als 
Stellvertreter des Reg.Präs. u. ab 1.1.1939 als Reg Vizepräs.; ab September 1939 Barth als pfälz. 
Reg.Präs. berufen, jedoch ohne Amtsantritt in der Speyerer Behörde; ab April 1940 bis September 1940 
Reg.Dir. Born als Leiter der Dienststelle. 
3 F. Jacoby, Herrschaftsübemahme, S. 163. 
214
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.