Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

sehen Regierung und der Reko des Saargebietes vorgenommen werden. Die dies¬ 
bezüglichen Absprachen erfolgten in der ersten Februarhälfte 1935. Das Baseler 
Verhandlungsergebnis vom 6. Februar15 wurde in einem von der deutschen und 
französischen Delegation im Einvernehmen mit der Delegation der Reko an Baron 
Aloisi gerichteten Schreiben zusammengefaßt, dem in mehr als 20 Anlagen die in 
Basel paraphierten Texte der verschiedenen Vereinbarungen und Erklärungen bei¬ 
gefügt waren. Das gesamte Schreiben sollte dem Dreierausschuß als Entschei¬ 
dungshilfe für die Rückgliederung des Saargebietes an Deutschland und für die 
Durchführung der aufgrund früherer Ratsbeschlüsse von den beteiligten Regierun¬ 
gen übernommenen Verpflichtungen dienen. 
Im Anschluß an das Schlußkommunique begaben sich die Führer der deutschen 
und französischen Delegation nach Rom, um dem Ausschuß mündlich Bericht zu 
erstatten. Vom 5. bis 15. Februar traf das Ratskomitee sodann in Rom Vorberei¬ 
tungen für die Unterzeichnung durch die jeweiligen Regierungen, verstärkt durch 
drei Mitglieder des Finanzausschusses des Völkerbundes16. Zwischenzeitlich wur¬ 
de im Saargebiet bereits die Währungsverordnung veröffentlicht. Vorbehaltlich der 
endgültigen Entscheidung in Rom am 18. Februar fielen unter diese Abmachungen 
auch die Zollbestimmungen zwischen dem Saarland und Frankreich. 
Bereits im Verlaufe der Baseler Verhandlungen wurde deutlich, daß von französi¬ 
scher Seite aus die Verhandlungen taktisch so verzögert werden sollten, bis die 
französisch-deutschen Wirtschaftsverhandlungen, die Beamtenpensionsfrage, die 
privaten französischen Forderungen (französische Saarkredite) bzw. die Gegenpo¬ 
sten (saarländische Auslandsguthaben und deutsche Sachleistungsforderungen aus 
dem Lausanner Abkommen) zufriedenstellend gelöst seien17. Gleichzeitig glaubte 
man auf deutscher Seite, daß es auch die Absicht der Franzosen sei, die Aufmerk¬ 
samkeit gerade des Dreierkomitees auf solche Fragen zu lenken, für die der Völ¬ 
kerbund eventuell unmittelbar Interesse zeigte. 
Die Wirtschaftsverhandlungen18 zwischen Frankreich und Deutschland, mit denen 
das Reich vor allem dem Saarland den französischen Markt erhalten wollte, schei¬ 
terten allerdings. Frankreich war lediglich zu einer festen Kontingentierung der 
Eisen- und Stahlerzeugnisse bereit, so daß die deutschen Wirtschaftsführer die 
Verhandlungen abbrachen. Nur bis zum 30. September 1935 funktionierte auf¬ 
grund früherer Abmachungen, die zwei Mal verlängert wurden, die Versorgung 
15 Vgl. Die Saarverhandlungen in Basel: Deutsche Allgemeine Zeitung v. 7.2.1935. AA...betr. Die 
Rückgliederung des Saargebietes 1935, Bd. 3. 
16 Mlynarski, Pospisil, Tumedei. 
17 Verschiedene Telegramme v. 4.2.1935 durch Berger mit Stellungnahme Rueffs zum Transferproblem. 
AA...betr. Die Rückgliederung des Saargebietes 1935, Bd. 2. 
18 DGFP, Ser. C, Bd. 3, Nr. 412. Wirtschaftsverhandlungen bei E. Poensgen (Verein Deutscher Eisen- und 
Stahlindustrieller), Bericht v. 10.1., 23.1. und 8.2.1935 an Min.Dir. Ritter. AA..betr. Die Rückgliede¬ 
rung des Saargebietes 1935, Bd. 1-3. Vgl. G. Passe, Le Plébiscite, S. 102f., B. Seiht, Die Rückkehr, S. 
8ff. 
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