Full text: NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel

man argumentierte, die deutsche Seite habe stets angenommen, daß das Saargebiet 
zur entmilitarisierten Zone gehöre10, so daß dem früheren Termin (15. Februar 
1935) nichts im Wege stünde. 
Zur Vereinigung des Saargebietes mit dem Deutschen Reich wurden in den auf 
den Ratsbeschluß folgenden vier Wochen zahlreiche Verhandlungen gemäß dem 
an den Ratsausschuß ergangenen Auftrag in Basel, Rom und Neapel geführt. Am 
22. Januar 1935 teilte der deutsche Delegierte in Genf (Krauel) dem Auswärtigen 
Amt (Voigt) mit, daß die Rückgliederungsverhandlungen am 26. Januar in Basel 
beginnen, am 29. Januar in Rom weitergefuhrt und anschließend in Neapel zu En¬ 
de geführt werden sollten1 *. Von der Reko des Saargebietes lag bereits eine Tages¬ 
ordnung vor, die im wesentlichen die Beamtenfrage, den Übergabeakt, den Trup¬ 
penabzug und die Kosten der Abstimmung zum Inhalt hatte; das Problem der Ver¬ 
haftungen von stimmberechtigten Saargebietsbewohnem im Reich12 war inzwi¬ 
schen ad acta gelegt worden. Am 25. Januar wurden dann offiziell in Basel die 
Verhandlungen zwischen Vertretern der Deutschen und Französischen Regierung 
und der Reko eröffnet. Das Dreierkomitee verfolgte die Verhandlungen durch ein 
Mitglied des Finanzausschusses des Völkerbundes sowie durch ein Mitglied des 
Völkerbundssekretariats; weitere Teilnehmer waren zeitweilig die Bank für Inter¬ 
nationalen Zahlungsausgleich, die Reichsbank bzw. die Bank von Frankreich. Die 
behandelten Probleme betrafen die Regelung der sich aus der Rückgliederung er¬ 
gebenden allgemeinen und fmanztechnischen Fragen, wie Frankenumtausch, Zoll¬ 
bestimmungen, Handhabung von Privatverträgen, Gruben- und Eisenbahnfragen, 
Verpflichtungen der Reko usw.13. 
Bereits in der ersten Sitzung wurde festgestellt, "daß die Übergabe der einzelnen 
Verwaltungszweige des Saarlandes an die deutschen Behörden außerhalb des Auf¬ 
gabenkreises der in Basel begonnenen Besprechungen"14 liege. Die entsprechen¬ 
den Vorbereitungen sollten durch unmittelbare Fühlungnahme zwischen der Deut¬ 
10 Aktennotiz Voigts v. 16.1.1935, schriftl. Fixierung der deutschen mdl. Erklärung durch die italienische 
Delegation, AA.. betr. Die Rückkehr des Saargebietes 1935, Bd 1: "Le gouvernement allemand déclare 
qu'il n' a jamais contesté et qu'il a aujourd’hui aussi l'opinion que le Territoire de la Sarre est compris 
dans la zone démilitarisée prévue par le Traité." 
11 Tel. Mitteilung Krauels an Voigt v, 22.1.1935. AA...betr. Die Rückgliederung des Saargebietes, Bd. 1. 
Als Vertreter für die Obergabeverhandlungen benannte Berlin Min.Rat u. Geh. Finanzrat Wapenhensch 
und MR Dr. Zschaler. W. nahm bereits in Basel an den Verhandlungen teil und begab sich dann noch 
vor dem 5.2. nach Saarbrücken wegen der Zollverhandlungen; dort kam Zschaler dann hinzu, ebenso 
Min.Rat Groth. BA Koblenz, R 2, Nr. 12.236, Bl. 45ff. 
12 
Telegramm aus Genfan das AA v. 22,1.1935. AA..betr. Die Rückgliederung des Saargebietes 1935, 
Bd. 1, 
13 
Hierzu im einzelnen das Schreiben des deutschen Konsulats in Genf an das AA v. 24.1.1935 (A: Que¬ 
stions interéss. le Gouvernement français, B: Questions intéress. la Commission de Gouvernement). 
AA..betr. Die Rückgliederung des Saargebietes, Bd. 2. 
Berliner Börsenzeitung v. 25.1.1935: "Saarverhandlungen am 25.1. unter dem Vorsitz von Jacques Ru- 
effals Chef der franz. Abordnung". AA..betr. Die Rückgliederung des Saargebietes 1935, Bd. 1. 
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