Der Malstatter Wohnbezirk Alleestraße mitsamt der St.Johanner- und partiell auch der
Breitestraße teilte darüber hinaus in seiner exponierten Lage am äußersten östlichen
Stadtrand mit den Nachbarstädten St.Johann und Saarbrücken ein Stück (klein-)bür-
gerlicher Urbanität, deren Flair dort in größerem Umfang als in der Hüttenstadt gegen¬
wärtig war.
3) Die Arbeiterwohnbezirke
Einen deutlichen Kontrast zu diesen beiden kleinbürgerlich bis bürgerlich strukturierten
Wohnbereichen bildeten die 35 Straßenzüge, in welchen die Arbeiterschaft eindeutig den
Ton angab. Jene verteilten sich mit gewissen Siedlungsschwerpunkten über das ganze
Stadtgebiet. Sie berührten die alten Ortskeme von Burbach und Malstatt rechts und links
der Hüttenanlagen, in denen die Straßen noch in ihrer ursprünglichen dörflichen
Anordnung verschachtelt waren, ebenso wie die städtischen Randbezirke mit den
langgezogenen Ausfallstraßen nach Völklingen, Von-der-Heydt, Lebach und über den
Stadtteil Rußhütte ins Sulzbachtal hinein.
Gemeinsam war diesen Straßen, daß nahezu alle Berufstätigen, die hier ihren Wohnsitz
nahmen, einer Lohnarbeit nachgingen. Zwei Drittel von diesen waren ungelernte Arbeiter,
ein Drittel gelernte Arbeiter (Industriefacharbeiter, Industriehandwerker).13 Angestellte
und Beamte bezogen ein Domizil in diesen Siedlungszonen nur zu sehr bescheidenen
Prozentsätzen, andere Berufsgruppen fielen so gut wie nicht ins Gewicht.14
Die Herkunftsgebiete der Anwohner dieser Straßen schlüsselten sich aufgrund der
zahlenmäßigen Vormachtstellung der Arbeiterschaft im Gesamtwanderungsaufkommen
der allgemeinen Tendenz entsprechend auf, so daß nach der Saarregion, welche zirka
60 Prozent der Zuzügler stellte, anteilsmäßig Immigranten aus dem Hunsrück (8,8%),
Westdeutschland (6,8%), Lothringen (6,4%), der Pfalz (6,1%) und Italien (2,4%)
folgten.15
Ebenfalls im allgemeinen Trend lag die Zahlenrelation zwischen den beiden großen
christlichen Konfessionen, indem etwas mehr als zwei Drittel der Anwohner katholisch
13 Ungefähr 45 Prozent der Ankömmlinge waren berufstätig, davon betrafen knapp 40 Prozent¬
punkte den Arbeiterstand.
‘4 Von den etwa 45 Prozent der Berufstätigen unter der Zuwandererschaft in diese Straßen
entfielen jeweüs zirka 3 Prozentpunkte auf mittlere Beamte und Angestellte bzw. auf untere Be¬
amte und Angestellte (einschließlich der Dienstboten).
15 Vgl. Kapitel D, S.146ff.
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