Full text: Migration und Urbanisierung (23)

sehen fränkischem und alemannischem Dialekt ohnehin nur aus dem Blickwinkel der 
anderssprachigen Administration, solange dieser Siedlungsraum im französischen 
Staatsverband verweilte. Auch die sozio-ökonomische Einheit war sicherlich nur ansatz¬ 
weise gegeben, schon weil das Elsaß in seiner Orientierung auf die eigenen Zentren und 
vor allem auf Straßburg hin keinen überdurchschnittlichen Bevölkerungsaustausch mit 
Diedenhofen als einem der bedeutendsten Zentralorte Lothringens unterhielt, was diese 
Landschaft in ihren Beziehungen zu Lothringen von anderen Regionen abgehoben hätte. 
Die Bindungen zwischen Lothringen, dem Saargebiet und Luxemburg waren in sozialer 
und wirtschaftlicher Hinsicht bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wesentlich 
ausgeprägter und rechtfertigen den Gebrauch eines subsumierenden strukturellen Raumbe¬ 
griffs für die Regionen Saar-Lothringen-Luxemburg eher als für das Elsaß und Lothrin¬ 
gen. 
Die Bevölkerungen von Pfalz und Hunsrück waren offenbar stark auf das Industriegebiet 
an der Saar hin orientiert. In nur bescheidenem Maße profitierte Diedenhofen von deren 
regionaler Mobilität. Dabei fällt auf, daß die Hunsrückwanderung ins nördliche Lothrin¬ 
gen nahezu ausschließlich von Bewohnern der preußischen Hunsrückkreise getragen 
wurde, während die in Malstatt-Burbach durch ihren besonders beharrlichen Zuzug 
hervorstechenden Birkenfelder sich nicht am Diedenhofener Wanderungsumschlag be¬ 
teiligten.112 Es ist daher zu unterstellen, daß das oldenburgisch-birkenfeldische Migra¬ 
tionspotential innerhalb der Saar-Lor-Lux-Region vollständig vom Saargebiet absorbiert 
werden konnte. 
Unter den Abzugszielen genossen Lothringen und die preußischen Saarkreise annähernd 
den gleichen Vorrang wie unter den Hexkunftslandschaften. 
Prozentual verblieben mit Ausnahme der Zeit nach 1900 allerdings wesentlich weniger 
Personen in Lothringen als von dort nach Diedenhofen zugezogen waren. Dieses Faktum 
untermauert die These von der "Sprungbrettfunktion" des nordlothringischen Zentralortes 
für die Bewohner des im innerregionalen Vergleich ziemlich dünn besiedelten agrarischen 
Hinterlandes. 
Im Verhältnis zwischen Diedenhofen und den lothringischen Kreisen fallt generell auf, 
wie sehr sich das Wanderungsgeschehen auf die beiden Diedenhofener Kreise und den 
Kreis Metz beschränkte. (Tab.30) Nahezu 20 Prozent der Immigranten aus dem Lothrin¬ 
gischen kamen in den 1880er Jahren allein aus dem rein bäuerlichen Kreis Diedenhofen- 
Ost, in den 1890er Jahren kaum weniger als 30 Prozent und nach 1900 gar fast 40 Pro- 
112 Unter der Rubrik Oldenburg finden sich bis auf irrelevante 0,4 Prozent bezüglich der 
Abwanderung aus Diedenhofen in der Phase zwischen 1890 und 1900 keine Migrationsanteile. 
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