Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

Unter ihnen nimmt das Maius in mehrerer Hinsicht eine Sonderstellung ein. Es ist nur in 
einer einzigen Handschrift überliefert (Cod. Trier Stadtbibi. 1081/29 (11./12. Jh.), f. 75r- 
80r)152, und bei keinem Publizisten des Investiturstreits lassen sich Spuren seiner Benut¬ 
zung nachweisen. Formal sprengt es sehr bald den Rahmen einer Urkunde und nimmt 
eher den Charakter eines weit ausholenden theologischen Traktats an, in dem die Raven- 
nater Bezüge nur mehr abgeschwächt erscheinen. Der Akzent liegt auf den Passagen der 
Heiligen Schrift und auf denjenigen Autoren, welche die königliche Investitur im beson¬ 
deren und die Unterordnung der Priester unter die weltliche Macht im allgemeinen be¬ 
tonen.153 Robinson postuliert nun die Vermittlung der übrigen drei in Ravenna entstan¬ 
denen Privilegien nach Trier durch jene Mission Theodenchs 1084/85; auf der Grundlage 
derselben Quellen etwa in Form von Sentenzensammlungen, die Theoderich nachweislich 
auch für die Vita Konradi herangezogen habe und die in St. Eucharius und St. Maximin 
Ende des 11. Jahrhunderts auch vorhanden gewesen seien,154 habe er dann zur Rechtfer¬ 
tigung der auch 1084 noch umstrittenen Ansprüche Egilberts auf das Erzbistum das 
Maius gefälscht. 
Diesem Ansatz stimmte Erkens155 vorsichtig zu, während Märtl, die Bearbeiterin der 
neuen kritischen Edition der falschen Investiturprivilegien, eine Reihe von Gegenargu¬ 
menten entwickelte.156 Auf ihre Ablehnung der italienischen Herkunft Theoderichs bin 
ich bereits eingegangen. Des weiteren führt sie an, daß die von Robinson konstatierten 
Übereinstimmungen mit Quellen aus dem Trierer Raum nicht zwingend seien; die Mehr¬ 
zahl von ihnen sei auch in Italien bekannt gewesen. Zu der „Gemengelage“ des Privile¬ 
gium Maius innerhalb von Cod. 1081/29 bemerkt sie: „Anhand der Materialzusammen¬ 
stellung ließe sich mit derselben Schlüssigkeit behaupten, daß das Maius von Köln nach 
Trier gekommen sei, da es inmitten von Texten zur Kirchengeschichte Kölns — vor allem 
von Briefen an und von Kölner Persönlichkeiten — überliefert ist.“157 Das ist zutreffend, 
allerdings in einem anderen als von der Autorin beabsichtigten Sinne. Die zahlreichen 
Briefe an Erzbischöfe von Köln (f. 47v-75r) lassen gerade eher an einen Zusammenhang 
mit Theoderich denken. Verwiesen sei hier inbesondere auf den Briefwechsel Erzbischof 
Annos mit Erzbischof Adalbert von Bremen und Papst Alexander II. z.T. in der Angele¬ 
genheit seines Neffen Kuno von Pfullingen, der dem Privilegium Maius unmittelbar vor¬ 
ausgeht. 
152 maßgebliche Edition bei Märtl, Investiturprivilegien, S. 178-205 (alte Ausgabe in MGH Const. 
I, Nr. 449) 
153 z.B. in cap. 30: Rm 13, 1-7; 1 Pt 2, 17; in cap. 32: Io 19, 11; Mt 17, 24 u. 22, 21; ausführliche 
inhaltliche Analyse des Maius bei Heidrich, Ravenna, S. 128-132 
154 Robinson, Privilegium Maius, S. 55-58 u. S. 63f. 
155 Erkens, Trierer Kirchenprovinz, S .139f., 142u.v.a. 147f.: „Will man eine Vermutung über den 
Fälscher des „Maius“ wagen, so kommt am ehesten . . . Theoderich in Frage . . .“ u. „Man 
braucht sich nicht auf den Mönch aus Tholey und Abt von St. Martin zu versteifen - auch wenn 
sich kein anderer als Fälscher so wahrscheinlich machen läßt wie Theoderich.“ Demgegenüber 
unterstützt Heidrich, Ravenna, S. 120 zwar die Lokalisierung nach Trier und die Loslösung vom 
Ravennater Kontext, bezeichnet aber Robinsons Verfasservorschlag als „ganz hypothetisch“. 
156 Märtl, Investiturprivilegien, S. 84-89 
157 ebd., S. 86; detaillierte Beschreibung der Handschrift bei Robinson, Privilegium Maius, S. 34-36, 
vgl. auch Lück, Miszellen, S. 182-186; zu literarischem Austausch zwischen Köln und Trier im 
II. Jh. s. Thomas, Studien, S. 119-133 
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