Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

Lebensmonate überschatteten. In seiner anschließenden Trierer Zeit weilte Remigius im 
St. Eucharius-Kloster, wo er für Erzbischof Egbert literarisch tätig war. Die Miracula 
sprechen ihm folgende Schriften zu (tabellarische Auflistung unter Beibehaltung der Rei¬ 
henfolge): 
- Sermo de proprio patrono Liutwino 
- Cantus de S.Bavone 
- Historia de confessoribus Christi Euchario, Valerio et Materno 
- Omelia de evangelio: Designavit Dominus in illo die 
- Regulae de divisionibus abaci 
- Excerptio Prisciani super octo partes Donati 
In Erweiterung dieses Kanons finden sich bei Trithemius:30 
- Commentarii in quinque libros Moysi et in Evangelium non 
inutiles commentarios 
- multi sermones, cantusque et legendae in honore Sanctorum 
- Letaniae et antiphonae 
- (sed et alia multa edidit, quae ad manus nostras non venerunt) 
Bei dem angeführten Genesiskommentar handelt es sich um das bekannte Werk des Remi¬ 
gius von Auxerre. 
Es ist aufschlußreich, daß Remigius erst unter Erzbischof Liudolf (amt. 994-1008} die 
Mettlacher Abtswürde erlangte. Einer gewissen Wertschätzung erfreute sich Remigius 
auch am Hof des jungen Kaisers Otto III.: Illi autem Remigio abbati Ottho Imperator ca- 
menam misit gracilis avene munus ob suavitatem musice artis in illo iam probate. Bei der 
Formulierung stand wohl eine Stelle aus Priscians weit verbreiteten Institutionen Pate.31 
Für eine Datierung auf etwa 997 sprechen neben der Kaiserkrönung Ottos vom Mai 996 
vor allem der Eintritt Gerberts von Aurillac in den Hofdienst im Frühjahr 997 und die Mo¬ 
tivation Ottos: Remigius wird vom Kaiser mit einem kleinen Gedicht und einer Hirten¬ 
flöte bedacht, ausdrücklich in Anerkennung seiner musikalischen Fertigkeiten.32 Auf Ger- 
bert, der selbst mit dem Epitheton „musicus“ versehen ist, wird der Kontakt zurückzu¬ 
führen sein, weniger auf Liudolf, der vor 994 als Hofkapellan fungierte.33 Mit letzterem 
30 zum viel diskutierten Problem der Zuverlässigkeit des Trithemius s. zuletzt Staubach, Fiktionen, 
v.a. S. 278; bei der Würdigung des Remigius ist sowohl die lokalpatriotische Komponente (Tri¬ 
themius spricht in einem Brief - Opera Pia, S.972 - von dem Plan, das heimatliche Moselland hi- 
storiographisch zu bearbeiten) als auch der allgemeine Stolz auf die Leistungen seines Ordens zu 
berücksichtigen. Deswegen das Zeugnis des Sponheimer Abtes gänzlich zu negieren, hieße aber 
das Kind mit dem Bade auszuschütten: Auf seiner Visitationsreise von 1493 (Volk, Generalkapi- 
tels-Rezesse I, S.268) konnte sich Trithemius vor Ort mit den Mettlacher und Trierer Klosterar¬ 
chiven vertrautmachen. 
31 Aeneislla: illeegoquiquondamgracilimodulatusavenalcarmen;vg\. Glück,Partitiones, S. 132 
32 Trithemius, Annales Hirsaugienses I, S. 122, spitzt diese Aussage weiter zu: „. . .designans eum 
omnium suo tempore musicorum principem, ob artis simul et vocis elegantiam. “ Eine - zumindest 
marginale - musikgeschichtliche Bedeutung wird dem Remigius zugesprochen bei Gerbert, Scrip- 
tores, Praefatio, S.c2. Otto III., dessen Bibliothek u.a. Hucbalds „De musica“ enthielt (Müthe- 
rich, Library, S. 20), hat sich nachweislich an kleinen Dichtungen versucht, s. Uhlirz, Jahrbücher, 
S. 409. 
33 Zu Gerbert: Uhlirz, Jahrbücher, S. 239; Fleckenstein, Hofkapelle II, S.93 ff.; Sachs, Gerbertus, Zu 
Liudolf: Böhmer-Uhlirz, Regesta Imperii 11,3, Nr. 1111b; Fleckenstein, Hofkapelle II, S. 81 
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