Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

Folkold 
Reginard 
Everhelm 
Nithard/Nizo III. 
Opertus 
Libo 
? - vor 1046 (Todestag 14. 6.) 
um 1046-18. 7. 1061 
1061-? 
? — nach 1081 (Todestag 11. 12.) 
? (Todestag 19. 7.) 
1095 
1.1.2. Die Zeit der ersten Regularäbte 
Erster Abt von „Mediolacum“12 nach Auflösung der Personalunion mit dem Trierer Bi¬ 
schofsamt war Ruotwich, der ehedem Mönch zu Klingenmünster war. Seine monastische 
Ausprägung hat er jedoch in St. Maximin erfahren, wie das dortige Nekrolog ausweist.13 
Der Anonymus paraphrasiert in diesem Zusammenhang eine sonst unbekannte Urkunde 
König Ottos I. aus dem Jahr 941, in der dieser die Abtei in Schutz genommen sowie einige 
Besitzrestitutionen und das Abtswahlprivileg bestätigt habe.14 Damit war ein vorläufiger 
Schlußstrich unter eine Zeit der Bedrängnis gezogen, die-wahrscheinlich nur einige Jahre 
zuvor - mit einem Plünderungszug der Ungarn ihren traurigen Höhepunkt erlebt hatte.15 
In der langen Amtszeit Ruotwichs (sie soll 33 Jahre betragen haben) fand die Abtei Zeit 
zum Atemholen. Über der verfassungsrechtlichen und wirtschaftlichen Sicherstellung 
vergaß Ruotwich keinesfalls die Schulung seiner Mönche; voller Stolz berichten die Mira- 
cula von der Einrichtung eines Skriptoriums und einer Klosterschule: 
12 Die Lagebeschreibung in Galliarum finibus (MGH SS XV,2, S. 1263, Z. 27) meint hier das links¬ 
rheinische Deutschland bzw. Lothringen. Dieselbe Sprachregelung findet sich auch verschiedent¬ 
lich bei Gerbert von Aurillac und bei der berühmten Huldigungsszene der Frauengestalten Italia, 
Germania, Gallia und Slavania vor Otto III., vgl. Lugge, Gallia, S. 125. Die noch im 10. jh. ent¬ 
standene Vita I Liutwini bemüht sich, für den Klosternamen „Mediolacum“ eine etymologische 
Erklärung zu bieten (s. Kap. 2.2.1.), vgl. aber Buchmüller/Haubrichs/Spang, Namenskontinuität, 
S. 53, Nr. 34 
15 Ruzzo abbas nostrae congregationis (zum 23. 11.) u. Riutwinus presbyter abbas S. Liutwini im 
Echternacher Nekrolog (Steffen, Obituar, S. 92); vgl. Raach, Mettlach, S. 42, Anm. 28, der seiner 
zutreffenden Darstellung leider auf S. 50, Anm. 78, selbst widerspricht. 
14 MGH SS XV,2, S. 1264, Z. 23-30; das - in den Miracula nicht genannte - Ausstellungsjahr 
stammt von Brower, Antiquitates, I, S. 556, der als Quelle „ex ms. Mediolac.“ angibt. Diese Da¬ 
tierung (ein schönes Beispiel für verlorene Mettlacher Überlieferung einerseits und die Informiert¬ 
heit Browers andererseits) ist von Böhmer-Ottenthal in den Regesten Ottos I., S. 57, übernommen 
worden. 
15 MGH SS XV,2, S. 1262, Z. 45ff.: Et ecce, multi Hunorum, qui iam Galliarum provincias occi¬ 
dendo, incidendo, depredando vastaverant, monasterium inierunt. . . Schließlich werden sie 
durch die gütige Intervention des Mettlacher Schutzpatrons vertrieben, und zwei von ihnen be¬ 
schließen gar „im Dienst der Mitbürger“ ihr Leben im Kloster. Daß der Anonymus danach die 
schwere Zeit unter Erzbischof Ratbodo (gest. 915) schildert, ist kein Hindernis für eine Datierung 
auf Ostern [ad summam festivitatem) 937, da er auch sonst nicht streng chronologisch verfährt. 
Für 937 berichten mehrere lothringische Quellen von „Hun(g)ri“, z.B. Folcuin in den Gesta Ab¬ 
batum Lobbiensium, MGH SS IV, S. 66, vgl. auch Lüttich, Ungarnzüge, S. 90. Der Umweg über 
die „Hunnen“ (Nolte, Raubzüge) erübrigt sich ebenso wie die Bemühung der Normannen, von 
denen ein Stoßtrupp 882, im Gefolge der Plünderung Triers, auch nach Mettlach gelangt sei 
(Schautafeln im Kreisheimatmuseum Merzig, Feilenbergschlößchen). Topos ist die harte Bestra¬ 
fung der heidnischen Eindringlinge durch die Ortsheiligen, vgl. Kortüm, Richer von Saint-Remi, 
S. 82. 
14
	        

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