Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

zierung und bio-bibliographische Erfassung einiger mittelalterlicher Autoren sowie mög¬ 
liche landesgeschichtliche Aufschlüsse.6 Zwei methodische Zugangswege haben sich 
dabei besonders bewährt: die Prüfung der lothringischen Memorialüberlieferung und die 
Heranziehung der oft verfemten frühneuzeitlichen Historiographie. Ihr Einsatz ist dort 
gerechtfertigt, wo sie mit originärer mittelalterlicher Quellenaussage kombiniert werden 
kann. 
Die Darstellung setzt ein mit der Vorstellung der für die Geschichte der Abtei Mettlach 
unentbehrlichen „Miracula S. Liutwini“ und konzentriert sich sodann auf die Werkana¬ 
lyse dreier „Schriftsteller“ dieses Klosters. Ihnen gemeinsam ist ihr Wirken in den - wenig¬ 
stens für den Trierer Raum - alkyonischen Jahren Ende des 10. Jahrhunderts, für die sich 
in der wissenschaftlichen Diskussion mehr und mehr die Bezeichnung als „Renaissance 
des 10. Jahrhunderts“ einbürgert.7 Hier fußen auch noch einige Mönche aus St. Nabor 
(St. Avold) und Eberwin von Tholey, während die Schriften des Theoderich von Tholey 
nur aus dem Kontext der bewegten Zeit des Investiturstreits zu verstehen sind. Ähnlich 
wie ein weiteres Kapitel der umfangreichen Überlieferung der Abtei Hornbach gilt, 
werden die „notitiae fundationis“, Gründungsberichte und Gründungslegenden aus fünf 
Klöstern, zusammenfassend untersucht. Bei der Betrachtung der im 15. Jahrhundert, im 
Zeitalter monastischer Reform, nochmals verstärkt einsetzenden Schriftlichkeit stehen 
die Kartause Rettel und die über Bursfeld reformierte Abtei Tholey im Mittelpunkt. Einzig 
hier gelingt es, Einblicke in die spätestens seit der Französischen Revolution hoffnungslos 
zerstreuten Klosterbibliotheken des Untersuchungsraumes zu gewinnen.8 Reizvoll er¬ 
scheint es am Schluß, gewissermaßen die umgekehrte Warte einzunehmen und einige 
Werke „auswärtiger“ Autoren zu betrachten, die für oder über Klöster der Saargegend ge¬ 
schrieben haben. Auch die in die Neuzeit übergreifenden Traditionslinien literarischer 
Überlieferung seien in diesem Zusammenhang wenigstens kurz angesprochen. - 
6 vgl. hierzu Graus, Hagiographische Schriften 
7 Das barsche Urteil des Kirchenhistorikers Baronius über das „saeculum ferreum“ ist teilweise 
hymnischen Lobpreisungen gewichen. Zur Diskussion: Lopez, Renaissance; Riehe, Renaissance; 
Lutz, Schoolmasters. Bezeichnenderweise stand der Erste Internationale Mittellateinerkongreß, 
der im September 1988 in Heidelberg abgehalten wurde, unter dem Generalthema „Lateinische 
Kultur im X. Jahrhundert“. 
8 Wie gelangte beispielsweise eine Handschrift des 15. Jahrhunderts (Inhalt: Marsilius Ficinus, Liber 
Trismegisti [Pimander]) mit dem ursprünglichen Besitzvermerk Pertinetmagistro Johanni Gungen 
de Herbetzheym canonico ecclesie Sancti Arnualis nach Zürich, wo sie heute unter der Signatur 
C 122 aufbewahrt wird (vgl. Mohlberg, Katalog, Nr. 150)? Das Stift St.Arnual wurde 1569 aufge¬ 
löst. 
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