Full text: Die monastische Schriftkultur der Saargegend im Mittelalter

Zahlreiche Urkunden dokumentieren sein Bemühen um die wirtschaftliche Gesundung 
des Klosters, wobei der Kontakt zu Rode bis zu dessen Tod 1439 nicht abriß. Auch der 
neue Abt kam nicht um Güterverkäufe herum, um wenigstens Mittel zur Bestreitung der 
drängendsten Kosten hereinzubekommen.10 ln der Reform tritt er nur noch vereinzelt als 
Visitator auf.11 Von seinen Schriften haben sich zwei Visitationsansprachen und eine 
Rede vor einem Provinzialkapitel erhalten.12 
6.2. Zeugnisse der spezifischen Kartäuserspiritualität des 15. Jahrhunderts 
6.2.1. Adolf von Essen, Dominikus von Preußen und Heinrich Birnbaum 
Das Wirken des Johannes Rode blieb nicht auf den Benediktinerorden beschränkt. Bereits 
1416 war er in die Kartause St. Alban/Trier eingetreten, und in der Folge hat er sich von 
der besonderen geistigen Formung dieses Ordens stark beeinflußt gezeigt (hierin seinem 
Zeitgenossen Jean Gerson ähnelnd).131431 hatte er denn auch namhaften Anteil an der 
Umwandlung der alten Benediktinerabtei St. Sixtus in Rettel (bei Sierck) in eine Kar¬ 
tause.14 
Bereits 1415 war dort ganz in der Nähe auf Betreiben des lothringischen Herzogs Karl 11. 
und seiner Gemahlin Margarete von Bayern die Zisterzienserinnenabtei Marienfloss bei 
Bruch von Kartäusern besetzt worden. Erster Prior der Neugründung war bis 1421 Adolf 
von Essen (de Assindia; etwa 1372-1439),15 der sich später in mehreren Briefen an seine 
Ordensoberen scharf gegen die Verlegung der Kartause nach Rettel wandte. Die durch die 
gleichzeitige Auflösung der Benediktinerabtei höchst komplizierte Transaktion hielt er 
für juristisch ungenügend vorbereitet.16 Adolf, der sich besondere Verdienste um die Aus¬ 
formung des Rosenkranzgebets erworben hat, war ein fruchtbarer Autor. Seine zum Teil 
10 Redlich, Johann Rode, S. 69-71 ; größter Einzelposten ist der Verkauf des Klosterbesitzes in Ost¬ 
hofen an das Wormser Domkapitel für 8500 Gulden (Neubauer, Regesten Hornbach, Nr. 384f.). 
Insgesamt belief sich die Schuldenlast der Abtei auf etwa 30. 000 Gulden. Typische Beispiele für 
die Wirtschaftsführung Reyners sind der teilweise Erlaß des Schirmgelds auf Burg Trifels durch 
Pfalzgraf Stephan und der Teilverkauf der jährlichen Korngülte des Stiftes St. Philipp zu Zell an 
Hornbach (Neubauer, Regesten Hornbach, Nr. 388 u. 393). 
11 Becker, Abwanderung, S. 417: 1436 in St. Marien/Trier, 1443 in Echternach 
12 Cod. Trier Stadtbibi. 1733/1178, f. 33-44v: Sermo „Multa habeo vobis dicere“, Sermo „Appre- 
hendite disciplinant“ (im Prolog bezeichnet sich Reyner als Autor), Sermo „Pax huic domui et om¬ 
nibus“; Zuschreibung auch der beiden anderen Sermones nach Becker, Abwanderung, S. 415- 
418. Die ältere Literatur (Berbère, Redlich) tritt für Johannes Rode als Verfasser ein. 
13 So finden Gedanken Ludolfs von Sachsen Niederschlag in seinen Consuetudines (Becker, Jo¬ 
hannes Rode, S. 41, 48, 64 u. 141). Exzerpte aus Ludolfs Schriften in der Retteier Handschrift 
Metz Bibi. Munie. 632 (s. Kap. 6. 2. 2.). Zu Gerson s. die Einleitung von Glorieux in den Œuvres 
complètes, Bd. I, S. 105-139, v. a. S. 135 u. 137. 
14 Am 2. Juni weilte er persönlich in Rettel, s. Ph. Diel, Beiträge zur Vita des Abtes Johann Rode von 
St. Matthias bei Trier, in: SM 6 (1885), S. 280-303, vor allem S. 294-299 
15 grundlegend zu Leben und Werk die beiden Arbeiten Klinkhammers, Adolf von Essen 
16 Klinkhammer, Adolf von Essen (I), S. 63-69; von der einschlägigen Literatur über Rettel (Hoff¬ 
mann, Kloster Rettel; Müller, Quellen) sind diese ordensinternen Vorgänge nicht berücksichtigt. 
Adolf wurde für diese Opposition gemaßregelt, sein Mitstreiter Johann Apothecarius nach Rettel 
„strafversetzt“, s. Kap. 6. 2. 2., Cod. Nr. 353 u. 632 
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