Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

SVG erfolgen sollte. Zunächst schloß die Stadt Saarbrücken mit der Bürgermeisterei 
Bischmisheim einen Gesellschaftsvertrag, der — unter Benutzung der erwähnten Ver¬ 
träge mit dem Bergfiskus und der Provinzialverwaltung — „zur wirtschaftlichen Aus¬ 
nutzung der vom Bergfiskus gelieferten Energie in dem Gebiete der Bürgermeisterei 
Bischmisheim und deren weiterer Umgebung“ folgenden Beschluß enthielt: Es sollte 
eine Gesellschaft gegründet werden, die es sich zur Aufgabe machte, die vom Bergfis¬ 
kus gelieferte elektrische Energie sowie von anderer Seite bezogenes Leucht- und Kraft¬ 
gas im Gebiet der Bürgermeisterei Bischmisheim abzusetzen56. Bischmisheim war in 
die SVG einbezogen worden, da die Gemeinde höheren Stromabsatz versprach und als 
letzte größere Bürgermeisterei des Landkreises noch nicht durch Energielieferungsver¬ 
träge gebunden war. § 2 des Vertrages legte die Beteiligung von Bischmisheim mit 10% 
am Aktienkapital fest, während sich die Stadt Saarbrücken 49 % vorbehielt, gleichzei¬ 
tig aber ausdrücklich auf die absolute Majorität im Aufsichtsrat verzichtete. Als Gegen¬ 
leistung wurde ihr der erste Vorsitzende des Aufsichtsrates zugestanden. Wichtig war 
auch der Passus, daß „bei der Verteilung und Erhöhung des Aktienbesitzes den öffentli¬ 
chen Körperschaften stets die Majorität gewahrt werden“ mußte57. Durch Übernah¬ 
me von Aktien sollte es sowohl anderen Gemeinden, öffentlichen Körperschaften, 
aber auch gewerblichen Unternehmungen der verschiedensten Art ermöglicht wer¬ 
den, in die neu zu gründende Gesellschaft einzutreten. Zunächst war für die Bürgermei¬ 
sterei Bischmisheim die Versorgung mit elektrischer Energie vorgesehen, wobei die 
Stadt Saarbrücken ausdrücklich auf die Belieferung dort verzichtete. Nach § 13 brachte 
die Stadt Saarbrücken die ihr durch den Vertrag vom 13.03. d. Js. mit dem preußischen 
Bergfiskus übertragenen Rechte zum Bezug und Vertrieb des von diesem gelieferten 
elektrischen Stromes in die SVG ein. In § 6 verpflichtete sich die Stadt, einerseits dafür 
zu sorgen, daß die SVG mit der AEG einen bereits fertig vorliegenden Betriebsvertrag 
und einen ebenfalls formulierten Bau- und Lieferungsvertrag abschloß, andererseits 
selbst mit der SVG Verträge über die Stromlieferung an die Wasserwerksanlagen der 
Stadt im Scheidtertal und an die Saarbrücker Klein- und Straßenbahn AG zu vollzie¬ 
hen. Mit dem Bau- und Lieferungsvertrag war es der AEG gelungen, den Zuschlag für 
die betriebsfertige Herstellung sämtlicher Versorgungseinrichtungen, soweit sie für die 
Zwecke der SVG erforderlich waren, für den Zeitraum bis zum 30.09.1922 zu erhalten. 
Der Betriebsvertrag, der der SVG die Erfahrungen der AEG auf dem Gebiete der Ein¬ 
richtung, des Betriebes und der Verwaltung von Elektrizitätsanlagen nutzbar machen 
sollte, hatte sogar eine Laufzeit bis zum 30.09.194258. Damit hatte die AEG letztlich 
auch hier wieder ein Material- und Installationsmonopol erhalten, gegen das etwa ein 
Jahr zuvor die Öffentlichkeit Sturm gelaufen war59. 
Allen gegen die neuen Verträge zu erwartenden Protesten hatte die Stadt Saarbrücken 
durch geschickte Terminierung der Vertragsunterzeichnungen jetzt konsequent und 
56 VSE-AHV, ebf. StadtA Sbr. BG 7156. 
57 Ebd. 
58 Ebd. 
59 LA Sbr. 564/1735, S. 76f.; der Bezirksverein Saar und Mosel des Verbandes der elektrotechni¬ 
schen Installationsfirmen Deutschlands versuchte vergebens durch eine Eingabe beim Regie¬ 
rungspräsidenten in Trier, den Vertrag mit der AEG zu Fall zu bringen (LHA Koblenz 
442/9961, p. 253). Im Mai 1912 hatten 31 Firmen der Elektrobranche aus Saarbrücken eben¬ 
falls vergeblich eine Resolution gegen das Monopol der AEG vorgelegt (vgl. ebd., p. 333). 
97
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.