Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

zum 31.12. des Jahres 1912. Die ersten 25 % des Aktienkapitals wurden sofort einge¬ 
zahlt. Zum Vorstandsmitglied wurde als Technischer Vorstand der Direktor der Saar¬ 
brücker städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, Hugo Tormin, bestellt6. 
Kaufmännischer Vorstand der SVG wurde Eberhard Wolff, vormals Leiter der AEG- 
Niederlassung Saarbrücken. Der erste Aufsichtsrat der SVG setzte sich wie folgt zu¬ 
sammen: Heinrich Schlosser, erster Beigeordneter der Stadt Saarbrücken als Vorsitzen¬ 
der; Paul Mamroth, Königlicher Kommerzienrat, Direktor der AEG, Berlin, als stell¬ 
vertretender Vorsitzender; Gustav Becker, Bürgermeister der Landbürgermeisterei 
Bischmisheim, Brebach; August Klein, Gutsbesitzer, Beigeordneter der Stadt Saar¬ 
brücken; Heinrich Köhl, Direktor der Burbacher Hütte, Saarbrücken; Karl Stille, Ritt¬ 
meister der Landwehr, Brauereidirektor, Saarbrücken; Ferdinand Metzger, Kauf¬ 
mann, Stadtverordneter Saarbrücken; Prof. Dr. Georg Klingenberg, Direktor der 
AEG; Kurt Loebinger, Direktor der Electricitäts-Lieferungs-Gesellschaft, Berlin und 
Georg Schmitt, Direktor des Bankhauses Grohe-Henrich & Cie., Saarbrücken7. 
Die Hauptaufgabe der jungen Stromversorgungsgesellschaft zur Anfangszeit waren 
der Ausbau der Anlagen zur Verteilung der Elektrizität — Mitte Januar 1913 erfolgte 
die erste Stromabgabe im Ortsnetz Bischmisheim — und vor allem die Sicherung weite¬ 
rer Absatzgebiete. Da der Weg hierzu nach Osten durch die neu entstandenen Pfalz¬ 
werke, die die gesamte bayerische Pfalz für sich beanspruchten, sowie nach Westen 
durch das Kreiselektrizitätswerk Saarlouis begrenzt war und die Kreise Ottweiler und 
St. Wendel — abgesehen von den Städten — wenig Abnehmer versprachen, erfolgte der 
erste Vorstoß nach Süden und Südwesten in das industriereiche Lothringen. 
Bereits am 14./16.08.1912 wurde mit der Bergwerks-Aktiengesellschaft La Houve ein 
Vertrag abgeschlossen, der der SVG die Kantone Forbach, St. Avold und Saargemünd 
des Reichslandes Elsaß-Lothringen zur Stromversorgung übertrug. Voraussetzung war 
allerdings der ausschließliche Bezug von elektrischer Energie für dieses Gebiet vom 
Kraftwerk La Houve8. Damit hatte sich die SVG als reines Stromverteilungsunterneh¬ 
men ohne eigene Erzeugungsanlagen neben dem Bezug von der Bergwerksdirektion 
ein zweites Standbein gesichert. Spätestens bis zum 01.03.1913 sollte die SVG Strom 
von La Houve beziehen, doch verzögerten Schwierigkeiten beim Netzausbau — wie 
damals noch recht häufig — den Beginn der Stromlieferung auf den 24.07.19139. La 
Houve hatte große Probleme bei der Entschädigung von Feldstücken, die für den Bau 
von Leitungsmasten bzw. für die Trassenführung benötigt wurden. Nachdem insbe¬ 
sondere den Hopfenbauern als Ausgleich dafür, daß sie unterhalb der Stromleitungen 
6 Tormin blieb Beigeordneter der Stadt Saarbrücken und erhielt für seine Tätigkeit im Vor¬ 
stand der SVG 3600 M pro Jahr zuzüglich Tantiemen; vgl. Tab. 9. 
7 VSE-AHV, Geschäftsbericht für 1913; vgl. Tab. 8. 
8 Vorausgegangen waren bereits seit 1911 eingehende Erkundigungen des Bezirkspräsidenten 
von Metz über die Bedingungen, unter denen die Konzessionsverträge mit La Houve geneh¬ 
migt werden sollten, vgl. AD Moselle 15 AL 636, 637, Besuch von Schoder (SEWAG, vgl. 
Kap. II.2.) in Metz (14.03.1911), Anforderung der AEG-Verträge von 1911 (vgl. Kap. II.2.) 
vom Landrat des Kreises Saarbrücken (24.05.1911) und von Verträgen des EW Markirch- 
Kapellenmühle, die der Bezirkspräsident des Unterelsaß übersandte (03.07.1911). 
9 Bauerlaubnis für die Leitung Püttlingen (Lothr.) - Saareinsmingen - Remelfingen (AD 
Moselle 15 AL 639, Metz 27.12.1912) und Püttlingen - Forbach - St. Avold (ebd., Metz 
26.11.1913) 
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