Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

Im Landkreis Saarlouis war der Aufbau der Elektrizitätsversorgung eng mit dem Pro¬ 
jekt eines öffentlichen elektrischen Nahverkehrssystems gekoppelt266. Die Stadt war 
durch die Trassenführung des staatlichen Eisenbahnbaus im 19. Jahrhundert in eine 
verkehrsungünstige Randlage versetzt worden, deren negative wirtschaftliche Auswir¬ 
kungen mit Hilfe einer Erschließung des engeren Kreisgebietes durch elektrische 
Kleinbahnen abgeschwächt werden sollten267. Die Kombination aus Bahnstrom- 
sowie Licht- und Kraftstromerzeugung konnte auch dem Kraftwerk Saarlouis zu¬ 
nächst eine gute Auslastung der Anlagenkapazität und damit zufriedenstellende wirt¬ 
schaftliche Ergebnisse bringen. Erster Weltkrieg sowie politisch und wirtschaftlich 
schwierige Nachkriegsjahre ließen jedoch alle vor 1914 ausgearbeiteten Planungen zu 
Makulatur werden268. Das elektrische Straßen- und Kleinbahnnetz der gesamten Saar¬ 
region wurde in den 20er und teilweise auch noch 30er Jahren weiter ausgebaut. Auf 
Eigenstromerzeugung verzichteten im Laufe der Zeit alle Betriebsgesellschaften, da 
sich der Bezug aus zentralen Großkraftwerken als wesentlich kostengünstiger erwies. 
Die preußisch-hessischen Staatsbahnen des Saarreviers profitierten ebenfalls von der 
Stromerzeugung der bergfiskalischen Kraftwerke. Zwar bestanden von Seiten des Mili¬ 
tärs damals nicht auszuräumende strategische Bedenken gegenüber Elektrifizierungs¬ 
plänen für Vollbahnen, wie etwa der Verbindung Saarbrücken-Köln über die Eifel269. 
Bahnhöfe und andere Diensteinrichtungen der Königlichen Eisenbahndirektion Saar¬ 
brücken wurden jedoch nach und nach mit elektrischer Energie, in der Regel zunächst 
nur zu Beleuchtungszwecken, versorgt270. Die Lieferung von preisgünstigem elektri¬ 
schem Strom bedeutete seitens der Bergwerksdirektion ein Entgegenkommen gegen¬ 
über der Eisenbahnverwaltung, das diese durch die Überlassung von bahnfiskalischem 
Gelände zur Verbindung der verschiedenen Gruben mit elektrischen Kabeln 
ausglich271. Die elektrische Beleuchtung wurde zunächst streng auf Diensträume und 
Bahnanlagen beschränkt, Privaträume der Bahnbediensteten waren zum größten Teil 
weiterhin auf Petroleumlicht angewiesen272. Von der Versorgung aus dem bergfiskali¬ 
schen Stromnetz ausgenommen blieben die Bahnanlagen in der Nähe des im Jahre 1905 
erbauten Bahnkraftwerkes am Rodenhof in Saarbrücken. In diesem ersten Heizkraft¬ 
werk der Stadt wurden sowohl elektrische Energie als auch Wärme zur Gebäude- und 
Zugvorheizung erzeugt. 
266 Ipsen/Sommerfeld (1984), S. 97ff. 
267 Latz (1930), S. 107f. 
268 Vgl. Kap. IV.7.a. 
269 Tille (1907), S. 32f.; LA Sbr. 564/446, S. 112; die preußische Staatsbahn nahm lediglich Ver¬ 
suche mit Akkumulatoren-Triebwagen, unter anderem im Raum Saarbrücken-Dillingen, 
vor, vgl. Triebwagenverkehr auf den preußisch-hessischen Staatsbahnen, in: EKB 7 (1909), 
S. 261rf., v.a. S. 264. Auch zu Untersuchungen in Tunnels, die im Bereich der Eisenbahn¬ 
direktion Saarbrücken verbreitet waren, wurde elektrische Energie mit Erfolg zur Beleuch¬ 
tung und zum Antrieb der Untersuchungswagen eingesetzt, Spiro (1909), S. 249ff. 
270 Vgl. „Vereinbarung betr. die Lieferung elektrischer Energie zu Beleuchtungs- und Kraft¬ 
übertragungszwecken für die Bahnhöfe des Saarreviers“ zwischen Königlicher Bergwerks¬ 
und Eisenbahndirektion Saarbrücken vom Mai 1907 (Entwurf; vgl. LA Sbr. 564/1368, 
S. lOff.) und endgültige Fassung vom Oktober 1907 (LA Sbr. 564/446, S. 133ff.). 
271 LA Sbr. 564/446, S. 53, passim. 
272 Freundliche Mitteilung von Herrn Dipl.-Ing. Behmann, Bundesbahndirektion Saar¬ 
brücken, v. 10.07.1986. 
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