Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

gen. Auch war schon frühzeitig erkannt worden, daß durch die Verbindung von Bahn¬ 
stromerzeugung mit der allgemeinen Licht- und Kraftstromproduktion die Geste¬ 
hungskosten eines Elektrizitätswerkes pro kWh aufgrund der besseren Auslastung er¬ 
heblich gesenkt werden konnten253. 
Die erste Straßenbahn des Saarreviers fuhr — noch durch Dampfkraft angetrieben — 
seit dem Jahre 1890 von St. Johann (Uhlandstraße) nach Malstatt-Burbach und 
Luisenthal254. Wie beim Bau von Elektrizitätswerken in der frühen Zeit der Strom¬ 
versorgung wurden auch beim Bahnbetrieb zunächst überwiegend private Kapitalge¬ 
sellschaften im Gründungsgeschäft aktiv255. Die dichtbesiedelte Saarregion mit auf¬ 
strebender Industrie und florierendem Bergbau bot gute Voraussetzungen für die Anle¬ 
gung eines ausgedehnten Straßenbahnnetzes. Auch der preußische Bergfiskus erhoffte 
sich hiervon die Möglichkeit der Ausbildung eines leistungsfähigen Arbeiterverkehrs¬ 
mittels256. Im Jahr 1896 übernahm die AEG, Berlin, sämtliche Aktien der 1892 ge¬ 
gründeten Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal AG durch eine Tochtergesell¬ 
schaft257. Kurze Zeit nach diesem Erwerb, im Jahre 1899, begann der großzügige Auf¬ 
bau eines weitverzweigten elektrischen Straßenbahnnetzes, in den neben zahlreichen 
neuen Linien nach und nach auch die vorhandenen Strecken einbezogen wurden258. 
Die Stromversorgung für den elektrischen Betrieb der Saarbrücker Bahnen erfolgte 
lange Zeit in den beiden Kraftwerken am Betriebsbahnhof sowie in Jägersfreude. Erst 
der Bau der Kraftwerke Heinitz und Luisenthal durch die preußische Bergwerksdirek¬ 
tion ermöglichte günstigere Stromerzeugungsbedingungen und führte zu teilweisem 
Fremdstrombezug der Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal. Im Zuge der rasch 
fortschreitenden Streckenausweitungen stießen deren Kraftwerke bald an ihre 
Leistungsgrenzen259. 
Die Zusammenlegung der drei Saarstädte zur Großstadt Saarbrücken brachte einen er¬ 
neuten Schub für die Entwicklung des öffentlichen elektrischen Nahverkehrs, da einer¬ 
seits die Verkehrseinrichtungen der drei Städte aufeinander abgestimmt werden mu߬ 
ten, zum anderen der Urbanisierungsprozeß mit seiner Ausweitung der Siedlungen in 
die Umgebung und das Hinterland der Stadt eine Ausdehnung und Verbesserung der 
Verkehrslinien erforderte. Noch vor dem Ersten Weltkrieg nahm im Juli 1913 die Saar- 
253 Kall mann (1895), S. 793ff.; Thierbach (1909); ders. (1913); Büggeln (1914), S. 354ff. 
254 Ruppert (1929), S. 7; ausführlich: Sommerfeld (1979), S. 245f.; 75 Jahre Gesellschaft 
für Straßenbahnen im Saartal (1967), S. 30ff.; Lengerke (1934), S. 116ff. 
255 Bechtel (1931), S. 231ff. 
256 Her big, Arbeiterersatz (1910), S. 1383ff.; Merz (1958), S. 705; zu den Anfahrpunkten 
der Bergarbeiter vgl. Karte 2. 
257 Allgemeine Local- und Straßenbahngesellschaft in Berlin, vgl. Sommerfeld (1979), 
S. 247. 
258 Ruppert (1929), S. 7: 10.02.1899 Luisenbrücke-Markt St. Arnual (elektrisch Neubau); 
15.02.1899 Saarbrücker Straße-Alte Brücke (elektrisch Neubau); 16.03.1899 Trierer Straße- 
Luisenthal (elektrisch Umbau); 25.09.1899 Trierer Straße-Halberg (elektrisch Umbau); 
elektrisch Neubau: 01.11.1900 Halberg-Brebach; 01.12.1900 Reichsstraße-Hauptbahnhof; 
08.09.1901 Luisenbrücke-Hauptbahnhof; 08.09.1901 Alte Brücke-Markt St. Johann; 
18.11.1901 Discontobank-Sulzbach; 21.12.1901 Sulzbach-Friedrichsthal; 22.06.1907 Bur¬ 
bacher Straße-Burbacher Brücke; 01.08.1907 Halberg-Schafbrücke; 01.05.1908 Burbacher 
Brücke-Gersweiler; 06.06.1908 Markt St. Arnual-Forsthaus St. Arnual; 15.11.1908 
Vorstadtstraße-Schanzenberg; 08.12.1913 Hauptpost-Parkstraße. 
259 Vgl. LA Sbr. 564/1369, S. 1, 4, 14, 41, 58, 67f. 
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