Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

gesehen von den gescheiterten Bemühungen des preußischen Bergfiskus um die öffent¬ 
liche Elektrizitätsversorgung. 
5. Mit dem Beginn der Völkerbundszeit begann eine saarländische Sonderentwicklung, 
deren Folgen auch für die Energiewirtschaft noch Jahrzehnte später spürbar blieben. 
Verschont wurde das Saargebiet zunächst sowohl von der Diskussion um eine Soziali¬ 
sierung der Elektrizitätswirtschaft, wie sie die Nachkriegsjahre in Deutschland be¬ 
stimmte, als auch vom großen Kohlenmangel jener Zeit. Der Wegfall des süddeutschen 
Marktes bedeutete zwar langfristig Absatzverluste, kam aber im genannten Zeitraum 
der Versorgung der einheimischen Bevölkerung und Industrie zugute. Die Folgen des 
verlorenen Krieges lagen für die SVG in einer Mehrheitsbeteiligung französischer Ak¬ 
tionäre sowie im Verlust des lothringischen Versorgungsgebietes. Die Übernahme der 
Saargruben durch die Mines Domaniales Françaises als Konsequenz des Versailler Ver¬ 
trages bedeutete eine erhebliche Verschärfung der Abhängigkeit der öffentlichen Elek¬ 
trizitätsversorgung. Diese Abhängigkeit von der immer im Staatsbesitz befindlichen 
Bergverwaltung des Saarreviers kennzeichnete die Entwicklung bis zu Beginn der 60er 
Jahre. 
Seit Mitte der 20er Jahre wurde das Saargebiet im sogenannten Elektrokampf Austra¬ 
gungsstätte der grundsätzlichen Auseinandersetzungen zwischen gemischtwirtschaft¬ 
lichem RWE und staatlicher Preußischer Elektrizitäts-AG. Die Auswirkungen auf die 
saarländische Elektrizitätsversorgung waren zwiespältig. Einerseits festigte sich die 
elektrizitätswirtschaftliche Abtrennung der westlichen und nördlichen Landesteile, 
auf der anderen Seite symbolisierte die Umbenennung des Unternehmens Saarland- 
Lothringen Elektrizitäts-AG in Vereinigte Saar-Elektrizitäts-AG und deren Vergröße¬ 
rung die erfolgreichen Bemühungen um einen Zusammenschluß der zersplitterten 
Elektrizitätsversorgung. Ohne Beteiligung der Preußenelektra hätte die VSE allerdings 
kaum dem RWE standhalten können. Weitere Bemühungen um eine Vergrößerung 
des Versorgungsgebietes nach Osten hin scheiterten an der eigenwilligen Persönlich¬ 
keit des Aufsichtsratsvorsitzenden der VSE und Saarbrücker Oberbürgermeisters Nei- 
kes, am Einfluß des RWE bei den Pfalzwerken und am Mißtrauen der bayerischen 
Staatsregierung vor unitaristischen Bestrebungen Preußens. Das verspätete Eingreifen 
der Regierungskommission des Saargebietes in den Elektrokampf kennzeichnet die 
schwache Rolle, die diese Einrichtung während des Zeitraumes 1920-1935 auf fast allen 
Gebieten spielte. 
Die politische Abtrennung des Saargebietes von Deutschland zeitigte weitere Folgen: 
Als im Deutschen Reich aus der Stufe der Landesversorgungsunternehmen das Ver¬ 
bundnetz aufgebaut wurde, lag das Saargebiet politisch abseits und wurde deshalb nicht 
mit einbezogen, obwohl die Kohlengruben damals durchaus eine ausreichende Voraus¬ 
setzung für den Aufbau eines Energieexportzentrums boten. Schuld an dieser Entwick¬ 
lung trug auch die französische Grubenverwaltung, die es angesichts ihrer vorüberge¬ 
henden Herrschaft versäumte, entsprechende Kraftwerkskapazitäten zu errichten. 
Auf dem Gebiet der Anwendung elektrischer Energie waren die Jahre nach dem Ersten 
Weltkrieg gekennzeichnet durch den Einsatz des elektrischen Stromes auf breiter 
Front. Hiervon profitierten zahlreiche Unternehmen, die sich aus zollpolitischen 
Gründen im Saargebiet niederließen und in modernen Produktionsbetrieben beginnen 
konnten. Den Bedürfnissen des Kleingewerbes kamen mehrere Tarifsenkungen des 
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