Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

die günstige Primärenergiebasis der einheimischen Steinkohle entstand größeren Indu¬ 
strieunternehmen hieraus dank Eigenstromerzeugung kein Nachteil. Leidtragende der 
Entwicklung waren Kleingewerbetreibende und Handwerker, die lange Zeit auf die 
Annehmlichkeiten des ihrer Betriebsgröße und -Struktur adäquaten Antriebsmittels, 
des Elektromotors, verzichten mußten. Auch die fortgeschrittene Gasversorgung im 
engeren Saarrevier bedeutete eine große Konkurrenz für das Aufkommen der Elektri¬ 
zität. In zahlreichen Gemeinden standen der Einführung elektrischer Beleuchtung 
langfristige Verträge mit bestehenden Gaswerken entgegen, andere Kommunen wie¬ 
derum befürchteten Einnahmeverluste für den Gemeindehaushalt durch die neue Kon¬ 
kurrenz. Bis auf wenige größere Städte wie Alt-Saarbrücken, St. Johann oder Homburg 
verdankte die Mehrzahl der saarländischen Gemeinden die Einführung des elektri¬ 
schen Lichtes der privaten Initiative. Industrie- und Gewerbeunternehmen, wie bei¬ 
spielsweise Mühlen, waren bei der anfangs durchaus geringen Nachfrage nach Strom 
oft in der Lage, im Nebenbetrieb die Öffentlichkeit zu versorgen. Häufig gründeten 
auch private Unternehmer kleine Elektrizitätswerke. Die Kommunalvertreter verhiel¬ 
ten sich zunächst abwartend, ehe sie, überzeugt von den Einnahmen, die aus der Elek¬ 
trizitätsversorgung flössen, selbst an die Errichtung von Elektrizitätswerken oder die 
Übernahme entsprechender vorhandener Einrichtungen gingen. 
3. Der Einstieg der Königlichen Bergwerksdirektion Saarbrücken in die öffentliche 
Elektrizitätsversorgung bedeutete Initiative und Hindernis zugleich. Einerseits weck¬ 
ten die Ankündigungen der Abgabe von billigem Strom hohe Erwartungen und riefen 
ein „Elektrizitätsfieber“ hervor; auf der anderen Seite konnte die Bergwerksdirektion 
ihre Versprechungen in erster Linie aufgrund der bürokratischen Schwerfälligkeit 
ihres Betriebes nicht einhalten. Die Monopolstellung der Erzeugung elektrischen Stro¬ 
mes und der bewußte Verzicht auf die Weiterverteilung, verbunden mit einem aus 
staatlichem Machtgefühl herrührenden Anspruch auf die Versorgung weiter Teile der 
südlichen Rheinprovinz, waren ungünstige Voraussetzungen für ein Privatunterneh¬ 
men, sich zusammen mit der Bergwerksdirektion in der Elektrizitätsversorgung zu en¬ 
gagieren. Erst die Verbindung von privatem und kommunalem Kapital konnte den 
späten Ausweg aus der verfahrenen Situation weisen und führte zur Gründung der 
SVG. Deren ursprünglich vorgesehenes Betätigungsfeld war in der Phase des Ausbaus 
der Überlandversorgung allerdings inzwischen von allen Seiten durch Konkurrenzun¬ 
ternehmen eingeschränkt worden, so daß eine erste Ausdehnung des Versorgungsge¬ 
bietes nur nach Lothringen erfolgen konnte. 
4. Nach einer vorübergehenden Stagnation der Anschlußtätigkeit bewirkte die Petro¬ 
leumnot während des Ersten Weltkrieges verstärkte Bemühungen um den Ausbau der 
öffentlichen Elektrizitätsversorgung. Wenn diese nicht sogleich im erhofften Umfang 
erfolgreich war, so war hierfür der Mangel an Arbeitskräften und Materialien aller Art 
verantwortlich. Die seitens des Staates ausdrücklich befürwortete und angestrebte Ver¬ 
wendung der elektrischen Energie erleichterte die teilweise umständlichen Konzes¬ 
sionsverfahren (Wegerecht) und stellte damit die Weichen für die Ausbreitung nach 
dem Krieg. Bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges zeigten die Entwicklungsstufen der 
Anwendung und Ausbreitung der elektrischen Energie in der Saarregion keine auffal¬ 
lenden Abweichungen zu den entsprechenden Phasen im übrigen Deutschen Reich, ab- 
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