Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

Bei der Planung der Kraftwerke setzte sich innerhalb der Bergwerksdirektion Saar¬ 
brücken die ab etwa 1900 allgemein aufkommende technische Erkenntnis durch, daß 
beim Betrieb von Kokereien am wirtschaftlichsten die Erzielung eines möglichst gro¬ 
ßen Gasüberschusses und die Verwendung des Gases unmittelbar in Gaskraftmaschi¬ 
nen zur Elektrizitätserzeugung war. Zunächst wurde in den Jahren 1904/05 auf Grube 
Heinitz eine Kokerei von 30 Koppers-Öfen mit Gewinnung von Nebenprodukten 
errichtet54. Da vorerst lediglich eine 600 PS-Gasmaschine zur Verfügung stand, konn¬ 
te der Gasüberschuß nur zu einem kleinen Teil direkt in elektrische Energie umgewan¬ 
delt werden. 1906 folgten eine zweite, 1907 und 1908 eine dritte und vierte Koksofen¬ 
gruppe mit zusammen 90 Koppers-Öfen. Die Gasmaschinenzentrale wurde parallel 
dazu von etwa 500 auf knapp 7.000 kW bis einschließlich 1909 erweitert. Der ursprüng¬ 
liche Plan, von der Heinitzer Gaszentrale aus nur die östlichen Gruben des Reviers mit 
elektrischer Energie zu versorgen, mußte allerdings rasch dahingehend erweitert wer¬ 
den, daß die Bergwerksdirektion „eine allgemeine Versorgung der bergfiskalischen 
Steinkohlenbergwerke an der Saar mit Elektrizität aus großen, modern angelegten 
Zentralen ins Auge faßte“55. 
Für das zweite Kraftwerk der Bergwerksdirektion wurde der Standort Luisenthal an 
der Saar gewählt, da zum einen ein erhöhter Bedarf an elektrischer Energie auch im 
westlichen Teil des Reviers vorauszusehen war; zum anderen bot der Platz an der Lui- 
senthaler Kanalhalde den Vorteil, daß die Kühlwasserzufuhr und die Ableitung des 
warmen Wassers wegen der unmittelbaren Nähe der Saar denkbar einfach wurden; fer¬ 
ner konnte der Maschinenflur des Kraftwerkes so zum Saar Wasserspiegel gelegt wer¬ 
den, daß die Hebung des Kondensationswassers nur wenig Kraftaufwand erforderte. 
Auch Kohlenzufuhr von der nahegelegenen Grube Gerhard und Aschenabfuhr ließen 
sich hier, teilweise unter Mitbenutzung der bestehenden Fördereinrichtungen der Ka¬ 
nalhalde, leicht bewerkstelligen56. Zudem war genügend Platz für eine Erweiterung 
der zunächst auf 9.000 kW geplanten Dampfturbinen-Aggregate vorhanden. Durch¬ 
schlagende Erfolge des Einsatzes der Dampfturbine zur Stromproduktion und damit 
verbundene deutliche Kostensenkungen hatten die Bergwerksdirektion von ihren ur¬ 
sprünglichen Plänen abgebracht, auch in Luisenthal eine Gaszentrale zu errichten57. 
Eine größere Reserveleistung für die beiden Kraftwerke wurde zunächst nicht vorgese¬ 
hen, da in den zahlreichen kleinen Zentralen auf den Gruben im ganzen 19 Generato¬ 
ren mit einer Kapazität von rund 6.000 kW für Notfälle zur Verfügung standen. 
Die Ausführung des Stromverteilungsnetzes wurde noch während der Planungen dem 
wachsenden Bedarf angepaßt und statt mit 5 in 10 kV Spannung ausgeführt (vgl. Karte 
1). Aus heutiger Sicht mutet es erstaunlich an, daß die Bergwerksdirektion „bei dem 
54 Vgl. im folgenden Mengelber g/Peucker (1910),S. 1332ff. und: Die Elektrizitätswerke 
der Königlichen Bergwerksdirektion (1910), S. 29ff.; zum Kokereibetrieb vgl. Kipper 
(1909),S. 329ff.; Schroeder (1965), S. 63ff.; Simmersbach (1905), S. 1347ff.; allgemein 
zur Kokereitechnik vgl. Johannsen (1939), S. 14ff. 
55 Mengelberg/Peucker (1910), S. 1334. 
56 Saarbrücker Bergmannkalender 1910, S. 31. 
57 Vgl. Schult (1941), S. 20ff.; Spennemann (1967), S. 20ff.; im Ruhrbergbau wurde die 
erste Dampfturbine (BBC, Baden/Schweiz) im Jahre 1903 von der Bergwerksgesellschaft 
Hibernia aufgestellt, Le nt (1955), S. 15; allg. vgl. Riedler (1906), S. 415ff.; Mauel 
(1975), S. 229ff.; Strobel (1977), S. 442ff.; aus der Sicht der AEG Loy (1965), S. 14ff.; 
Utikat (1965), S. 198ff. 
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