Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

wurde auf Grube Heinitz die elektrische Kraftübertragung zum Betrieb der Pumpen 
im Weiherbachtal und auf Grube König zum Antrieb von Ventilatoren eingerich¬ 
tet39. Ein Jahr später erhielt eine Schiebebühne auf dem Hafenamt Malstatt elektri¬ 
schen Antrieb. 
Während die bislang genannten Einrichtungen alle als Gleichstromanlagen ausgeführt 
wurden, wurde im Jahr 1895 die erste Drehstromkraftübertragung zwischen dem 
Rudolfschacht und der Ventilatorenanlage auf dem Rammelter Schacht des Steinkoh¬ 
lenbergwerks Gerhard durchgeführt40. Die wirtschaftlichen Erfahrungen, aber auch 
die Einfachheit und Sicherheit dieser Anlagen veranlaßten die Berginspektion, die bis 
1897 mit Dampf betriebenen Ventilatoranlagen Seilschacht und Östliches Beustflöz der 
Grube Gerhard für elektrischen Betrieb umzurüsten und zur Erzeugung der Betriebs¬ 
kraft im Luftkompressionsgebäude des Josephaschachtes eine Drehstromzentrale, be¬ 
stehend aus einer Haupt-und einer Reservemaschine, zu erbauen. Noch im selben Jahr 
erhielt ein Capell-Ventilator auf dem Westschacht der Grube König elektrischen 
(Drehstrom-) Antrieb, 1899 auf dem gleichen Schacht ein Rateau-Ventilator und auf 
Göttelborn ein Pelzer-Ventilator41. 
Neben der inzwischen selbstverständlich gewordenen Beleuchtung und dem Telefon- 
und Telegraphenwesen fand die elektrische Energie auf den Gruben der Königlichen 
Bergwerksdirektion in der Hauptsache Verwendung beim Betrieb von Fördereinrich¬ 
tungen und Ventilatoren. Die Wasserhaltung wurde dagegen teilweise noch von ober¬ 
irdisch installierten Dampfmaschinen mit langen, schweren Pumpgestängen, teilweise 
von unterirdischen Dampfmaschinen geleistet. Kurz nach der Jahrhundertwende setz¬ 
te sich dann aber auch auf diesem Gebiet — wie auch bei Pumpenanlagen zur Versor¬ 
gung mit Betriebs- und Trinkwasser — der elektrische Antrieb verstärkt durch42. Der 
Anwendung von Elektromotoren unter Tage blieben wegen der Schlagwettergefahr 
Grenzen gesetzt, auch wenn Versuche mit elektrischen Gesteinsbohrmaschinen und 
elektrischen Förderhaspeln für horizontale und geneigte Streckenförderung positiv 
anliefen43. Die erste große elektrische Schachtfördermaschine wurde 1904 in Alten¬ 
wald installiert, wobei deren Wirtschaftlichkeit erst mit einer gut ausgebauten zentra¬ 
len Stromerzeugung gegenüber der Konkurrenz des Dampfmaschinenantriebes erwie¬ 
sen werden konnte44. 
39 Ebd. und LA Sbr. 564/147, Entwicklung 1896. 
40 BMF 1900, S. 469; vgl. auch LA Sbr. 564/142, S. 143, 146f. und 151. 
41 BMF 1900, S. 469 und LA Sbr. 564/143, S. 39 und 564/142, S. 146f. 
42 Ebd. und SBK 1901, S. 77ff.; Beschreibung Wasserhaltungsmaschine (1908), S. 52ff.; vgl. ebf. 
Slotta (1977),S. 356ff.; Hasslacher (1912),S.62; Grande (1962), S. 37ff.; zur allgemei¬ 
nen Entwicklung: Philippi (1928), S. 25ff; Wolff (1965), S. 140ff. 
43 Ein ausgedehntes Luftdrucknetz unter Tage war meist vorhanden und bedurfte, anders als 
die elektrischen Leitungen, keiner bergbehördlichen Genehmigung. Ab 1912 erleichterten 
einheitliche VDE-Vorschriften für elektrische Maschinen unter Tage deren Einsatz erheb¬ 
lich, vgl. Oesterlein (1953), S. 339ff.; Hoffmann (1906), S. 1399f,; Philippi (1928), 
S. 20; Wenzel (1965), S. 34ff. 
44 Hasslacher (1912), S. 63; Hoffmann (1906), S. 1402f.; Ergebnisse von Untersuchungen 
an Fördermaschinen (1910), S. 1379ff.; wichtigste technische Voraussetzungen waren der 
Ilgner-Umformer und die Leonard-Schaltung, vgl. Philippi (1921), S. 9ff.; ders. (1928), 
S. 30ff.; Matthie/Rehm (1965), S. 25f. 
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