Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

Aussichtsreiche Verhandlungen zwischen VSE und Kraftwerk Homburg unter Ver¬ 
mittlung des Wirtschaftsministeriums waren Ende 1949/Anfang 1950 bereits über eine 
Stillegung des Kraftwerkes Homburg geführt worden. Als Ersatz sollte die VSE den 
für die Versorgung der Saar-Pfalz und für den Export in die Pfalz benötigten Strom auf 
Selbstkostenbasis liefern. Die Pfalzwerke als Hauptanteilseigner des Kraftwerkes 
Homburg stimmten diesem Plan aber nicht zu, so daß auch im östlichen Saarland eine 
Bereinigung der Versorgungsgebiete in weite Ferne rückte137. Auch Kompetenzstrei¬ 
tigkeiten auf Regierungsebene waren einer Zusammenfassung der saarländischen Elek¬ 
trizitätswirtschaft nicht besonders förderlich. Nach einer 1951 vereinbarten Aufgaben¬ 
trennung betreute und überwachte das Innenministerium die energiewirtschaftliche 
Betätigung der Gemeinden, während dem Referat für Energiewirtschaft beim Wirt¬ 
schaftsministerium die gesamte Elektrizitätswirtschaft oblag. 1953 richtete das Innen¬ 
ministerium aber zusätzlich eine allgemeine „Beratungsstelle für Energiewirtschaft“ 
ein, die eine weitere organisatorische Zersplitterung bedeutete und vom Wirtschafts¬ 
ministerium entschieden bekämpft wurde138. Denn während das Wirtschaftsministe¬ 
rium vor allem den übergeordneten Gesichtspunkt einer rationellen Vereinheitli¬ 
chung der saarländischen Elektrizitätsversorgung verfolgte, unterstützte die entspre¬ 
chende Abteilung des Innenministeriums eher die Bemühungen der A-Gemeinden um 
Beibehaltung ihrer Funktion als Wiederverkäufer. 
Ein weiterer Hinderungsgrund auf dem Weg zu einer Vereinheitlichung der Elektrizi¬ 
tätsversorgung lag in den historisch begründeten unterschiedlichen Spannungen der 
Verteilungsnetze. Im Laufe der Zeit hatte sich eine Vielfalt von Fortleitungsspannun¬ 
gen in den Versorgungsgebieten der verschiedenen Energieversorgungsunternehmen 
an der Saar herausgebildet. Beginnend mit 2 kV in der örtlichen Versorgung von Wie¬ 
belskirchen und 5 kV als Verteilungsspannung einiger Städte (Homburg, St. Ingbert, 
Blieskastel, Bereich Mittel-Bexbach), lagen über der in den größten Teilen der Kreise 
Merzig und Saarlouis noch benutzten 6 kV-Versorgungsspannung die Standardnetze 
der VSE mit 10 kV und 35 kV, des RWE mit 12,5 kV und 25 kV, des Kraftwerkes Hom¬ 
burg mit 20 kV und der Régie des Mines mit 65 kV, überlagert wiederum von einem 
Hochspannungsnetz von 110 kV, 150 kV und 220 kV. Die in den Kreisen Saarlouis und 
Merzig ehemals einheitliche Spannung von 6 kV wurde im Gebiet der VSE durch 10 
kV und im Versorgungsgebiet der RWE durch 12,5 kV ersetzt. Der Keil, der sich durch 
das Gebiet des Zweckverbandes Weiherzentrale mit 12,5 kV in das einheitliche 10 kV- 
Gebiet der VSE schob, bedeutete schließlich den letzten Auswuchs eines — auf die Ge¬ 
samtversorgung bezogen — unwirtschaftlichen Nebeneinanders verschiedener Span¬ 
nungen, das an die Anfänge der saarländischen Elektrizitätsversorgung durch die kö¬ 
nigliche Bergwerksdirektion vor dem Ersten Weltkrieg erinnerte. Die Verbindung mit 
der Bundesrepublik Deutschland bzw. Frankreich bestand durch drei 110 kV-Leitun- 
gen zwischen RWE und VSE bzw. RWE und Pfalzwerke, verschiedenen 25 kV-Leitun- 
gen sowie zwei 65 kV-Leitungen (später 150 kV), die den Anschluß an die lothringi¬ 
schen Kraftwerke herstellten. Von der wichtigen 220 kV-Leitung, die das RWE-Netz 
mit den Großkraftwerken des lothringischen Hüttenreviers in Landres verband, 
wurde das Saarland lediglich berührt, hatte aber keinen Anschluß an diese Verbin- 
137 Ebd. MW 611, Vorschläge über die Vereinheitlichung der Elektrizitätswirtschaft (o.D.). 
138 Ebd. MW 612, 23./31.07.1953, MW 593, 12.08.1954. 
278
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.