Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

grubenverwaltung beantragte die VSE deshalb die im Stromlieferungsvenrag von 1942 
vereinbarte gesicherte Leistung von 57 MW (zusätzlich 15 MW ungesicherter Hilfslei¬ 
stung) und bemühte sich ferner darum, daß das unter den Einwirkungen des Krieges 
stark in Mitleidenschaft gezogene Kraftwerk Wehrden bald wieder in Ordnung ge¬ 
bracht wurde. In Wehrden war bereits die amerikanische Besatzungsmacht um Unter¬ 
stützung zur Wiederbeschaffung von „certain essential parts of the electric generators 
of the Wehrden power plant“ gebeten worden, die deutsche Truppen vor Ankunft der 
Amerikaner über den Rhein geschafft hatten19. Mit Hilfe eines außerordentlichen 
Passierscheins vom 01. Mai 1945 konnten sich zwei Mitarbeiter des Kraftwerkes auf 
die erfolgreiche Suche nach den demontierten Teilen machen, so daß das Kraftwerk 
bald wieder seinen Betrieb aufnehmen konnte (vgl. Tab. 47). 
Tabelle 47 Stromabgabe Kraftwerk Wehrden Mai - Dezember 1945 
Geeaet- !1/4 h - Spitie ! 
Abgabe 
Abgabe 
Monat ! 
abgabe ! 
der ! 
an 
an 
Erzeugung ! 
Röchling 
VSE 
kWh ! 
kWh ! 
kWh ! 
* ! 
kWh ! 
* ! 
Mai ! 
271.600 ! 
3.000 ! 
271.600 ! 
100,0 ! 
Juni ! 
580.100 ! 
11.800 ! 
374.470 ! 
64,6 ! 
205.600 ! 
35,4 ! 
Juli ! 
573.508 ! 
3.000 ! 
572.675 ! 
99,9 ! 
Au«. ! 
5.355.082 ! 
14.200 ! 
1.053.320 ! 
19,7 ! 
4.301.295 ! 
80,3 ! 
Sept. ! 
5.808.830 ! 
15.000 ! 
1.386.583 ! 
23,9 ! 
4.421.617 ! 
76,1 ! 
Okt. ! 
9.309.829 ! 
26.000 ! 
1.636.670 ! 
17,6 ! 
7.672.474 ! 
82,4 ! 
Nov. ! 
16.541.839 ! 
38.000 ! 
2.083.588 ! 
12,6 ! 
14.457.839 ! 
87,4 ! 
Dez. ! 
17.397.195 ! 
41.300 ! 
4.270.840 ! 
24,5 ! 
13.126.099 ! 
75,4 ! 
Quelle: VSE-Aufsichtsratssitzung vom 23.5.1946 (VSE-AHV) 
Auch die französische Sequesterverwaltung der Saargruben AG sicherte ihre rasche 
Unterstützung zu. Ihre Kraftwerke konnten aber wegen der Nachwirkungen der for¬ 
cierten Kriegsarbeit anfangs selbst nur mit insgesamt 50 MW arbeiten. Sowohl ameri¬ 
kanische wie französische Militärregierung sahen in der Ingangsetzung der Elektrizi¬ 
tätsversorgung neben der Wiederherstellung der Verkehrsinfrastruktur die entschei¬ 
denden Grundlagen für die Aufnahme wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens. Die 
geringen Liefermöglichkeiten der Grubenkraftwerke konnten zum damaligen Zeit¬ 
punkt dadurch kompensiert werden, daß die Großabnehmer der VSE, wie Dillinger 
Hütte, Schaufelfabrik Dillingen, Mannesmann-Röhrenwerke in Bous, Blechwalzwerk 
Hostenbach, Eisenbahnhauptwerkstätte Saarbrücken, Haibergerhütte, Hadir St. Ing¬ 
bert und das Reichsbahnausbesserungswerk St. Wendel gar keinen oder nur geringen 
Krafteinsatz benötigten. Wann die saarländische Industrie wieder zur vollen Arbeit ge¬ 
langen würde, war im Sommer 1945 noch nicht abzusehen, so daß die freie Leistung 
dem Export zur Verfügung stand. Ab 19.10.1945 lieferte die VSE zunächst 5 MW am 
Tag, etwa 60.000 kWh, über die mit 65 kV betriebene 110 kV-Leitung ab Umspann¬ 
werk Geislautern nach Carling (Lothringen) zur SALEC. Keßler strich in seinem Vor¬ 
trag vor der Handelskammer besonders die positiven Auswirkungen heraus, die dieser 
19 Saarstahl Völklingen-Werksarchiv, unsigniert (01.05.1945); der Hinweis von Boll (1969), 
S. 104, über einige im Saarland demontierte, nach Lothringen transportierte und später zu¬ 
rückgebrachte Turboaggregate konnte anhand der Quellen nicht nachvoilzogen werden. 
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