Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

menten, so waren es Ende 1941, über ein Jahr nach Abschluß der Räumungsperiode, 
noch immer rund 8,000 Kunden, deren Wohnorte und Wohnungen sich noch im Wie¬ 
deraufbau befanden oder nicht freigegeben worden waren. Instandsetzungs- und Aus¬ 
bauarbeiten zur Wiederingangsetzung der normalen Stromversorgung und zur Bewäl¬ 
tigung der erwarteten Steigerung des Stromabsatzes lagen als Aufgabe vor der durch 
Einberufungen zur Wehrmacht dezimierten Belegschaft der VSE. Gegenüber 291 Per¬ 
sonen am 31,08.1939 war die Zahl der Mitarbeiter am 31.12,1940 auf 244 gesunken (vgl. 
Tab. 26). Durchschnittlich fehlte der VSE rund ein Viertel des Personals pro Jahr bis 
zum Ende des Krieges durch Einberufungen. Als Ausgleich für die notwendigen Ar¬ 
beitskräfte wurden im Laufe der Kriegsjahre bis zu 175 Ostarbeiter (134 Männer, 41 
Frauen) beschäftigt, die in St. Wendel und Geislautern in Lagern untergebracht waren. 
Besonders die umfangreichen Ausbau- und Verbesserungsarbeiten am Netz wären 
ohne diese zusätzlichen Arbeitskräfte nicht zu bewerkstelligen gewesen. 
Karte 5 zeigt die Ausdehnung des VSE-Netzes während des Krieges, die sich aus langfri¬ 
stig geplanten Maßnahmen, wie der Fortführung des 35 kV-Ringes, und aus kriegswirt¬ 
schaftlich bedingtem Leitungsausbau zusammensetzte (vgl. Kapitel VI. 3.). Diese Bau¬ 
maßnahmen erforderten beträchtliche Investitionen, die nicht ohne Auswirkungen 
auf eine Aufstockung des Grundkapitals der VSE bleiben sollten. Am 15. Oktober 
1940 beschloß die Hauptversammlung den Erwerb von 51% der Geschäftsanteile an 
der Kraftwerk Wehrden GmbH im Gesamtbetrag von 2.550.000 RM und eine gleich¬ 
zeitige Erhöhung des Grundkapitals der VSE von 4 Mio auf 8,5 Mio RM durch Ausgabe 
neuer Aktien. Der Versuch, die Beteiligung an Wehrden über eine Anleihe zu finanzie¬ 
ren, scheiterte an der Bedingung des Reichsaufsichtsamtes der Banken, daß die Strom¬ 
lieferungsverträge mit den Großabnehmern eine längere Laufzeit haben sollten als die 
Schuldenanleihe. Da das genehmigte Darlehen in rund 16 1/2 Jahren zurückgezahlt 
werden sollte, hätte die VSE sämtliche Stromlieferungsverträge verlängern müssen. 
Diese schon zu normalen Zeiten fast undurchführbare Auflage war im Krieg erst recht 
nicht zu realisieren, weshalb stattdessen die Kapitalerhöhung vorgenommen werden 
mußte. Den Aktionären kam hierbei die Neubewertung der Bilanz der VSE zum 
01.01.1938 zugute, die eine Erhöhung des Anlagevermögens um knapp 2 Mio RM er¬ 
bracht hatte. In gleicher Höhe wurde zum 01.01.1938 eine freie Rücklage zur Verfü¬ 
gung der Hauptversammlung gebildet. Diese beschloß dann die Auflösung der Rückla¬ 
ge zugunsten der Aktionäre zum Zweck der Leistung von Sacheinlagen auf die Kapital¬ 
erhöhung in Höhe der knapp 2 Mio RM16. Bereits im Herbst 1942 wurde das 
Grundkapital der VSE in der Hauptversammlung vom 30. Oktober um 5,5 auf 14 Mio 
RM durch Ausgabe von 5.500 Namensaktien zu je 1.000 RM erhöht. Die Verteilung 
des Aktienkapitals blieb wie bisher bestehen. Der weiterhin rasch ansteigende Kapital¬ 
bedarf für den erheblichen Netzausbau der VSE hatte diese Erhöhung unumgänglich 
gemacht. Von den 5,5 Mio RM Aufstockung wurden bis Kriegsende 25% = RM 
1.375.000 einberufen, so daß das eingezahlte Kapital der VSE 9.875.000 RM betrug. 
Auch die zunächst versagte Schuldscheinanleihe in Höhe von 3,5 Mio RM wurde Ende 
1940 schließlich vom Reichswirtschaftsminister noch genehmigt, so daß dem Unter¬ 
nehmen genügend finanzielle Möglichkeiten für notwendige Investitionen offenstan¬ 
den. Denn als das Saarland seinen Charakter als Grenzland verloren hatte, erhoffte sich 
16 VSE-AHV, verschiedene Aufsichtsratssitzungen und HV. 
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