Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

kung des Unternehmens. So waren auch weiterhin Konfliktmöglichkeiten aufgrund 
der unterschiedlich gearteten Interessen von Stadt- und Landgebiet gegeben, auch 
wenn das Ausscheiden von Dr. Neikes aus dem Aufsichtsrat eine deutliche Entschär¬ 
fung der Lage gebracht hatte. 
c) Die „Gefolgschaft“ der VSE 
Aus politischen Gründen hatte das Unternehmen vor der Abstimmung über die Rück¬ 
gliederung am 13.01.1935 keine Entlassungen mehr vorgenommen (vgl. Tab. 26, Kap. 
IV.lO.b) und allein im Jahre 1934 an Löhnen und Gehältern rund 650.000 FF für die 
sogenannten „überzähligen Beschäftigten“ gezahlt43. Nach der Rückgliederung 
schien es ebenfalls aus politischer Rücksichtnahme nicht opportun, die 45 Monteure 
und 18 Angestellten sofort zu entlassen, da der Saarbevölkerung für die Zeit nach dem 
13.01.1935 wirtschaftlicher Aufschwung versprochen worden war. Als Ausweg boten 
sich Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen an. Mit Hilfe eines von der Preußenelektra ver¬ 
mittelten günstigen Kredites wurden die Unterabnahmestellen der Grubenverwaltung 
in Heinitz, König und Luisenthal ausgeschaltet und die Abnahme von Strom auf das 
Kraftwerk Fenne konzentriert sowie der Netzausbau vorangetrieben. Als die bereitge¬ 
stellten Geldmittel verbraucht waren, entließ der Vorstand eine Anzahl von Arbeitern 
im Jahre 1936. Soweit es sich hierbei um ehemalige Beschäftigte der Kravag, Saarlouis, 
handelte, konnten alle ihre Arbeitsplätze auf dem Gerichtswege wieder einklagen, da 
ihre „beamtenähnlichen“ Arbeitsverträge von der VSE im Pacht- und Konzessionsver¬ 
trag mit dem Kreis Saarlouis 1930 in ihrem uneingeschränkten Fortbestand garantiert 
worden waren44. Auch die Pensionsansprüche der ehemaligen Saarlouiser Arbeiter 
und Angestellten mußten von der VSE in vollem Umfang befriedigt werden. Dies führ¬ 
te zu Unstimmigkeiten in der VSE-Belegschaft, da eine solche Versorgungseinrichtung 
hier noch nicht bestand. Ein Auftrag des Aufsichtsrates an den Vorstand sah vor, daß 
spätestens zum 25jährigen Bestehen des Unternehmens im Jahre 1937 als Jubiläumsge¬ 
schenk eine entsprechende Vergünstigung für die „Gefolgschaft“ bereitstehen sollte. 
Verhandlungen mit verschiedenen Versicherungsgesellschaften und diverse Gutachten 
zur Gleichbehandlung aller Mitarbeiter verzögerten den Abschluß eines Rückversi¬ 
cherungsvertrages allerdings bis 1940, ehe der Vorstand verkünden konnte, daß „nun 
im Rahmen der Ruhegehaltsbestimmungen allen Gefolgschaftsmitgliedern sowie 
deren Angehörigen ein sorgenfreier Lebensabend gesichert ist“45. 
Am 30.09.1936 erhielt die VSE eine Betriebsordnung in Anpassung an die reichsgesetz¬ 
lichen Bestimmungen46. „Der Zusammenhalt aller im Betriebe Tätigen in Arbeit und 
Freizeit wurde weiterhin gefördert, durch Gemeinschaftsveranstaltungen des Betrie¬ 
bes wurde die kameradschaftliche Verbundenheit vertieft“, verkündete der Geschäfts- 
43 VSE-AHV, Aufsichtsratssitzungen v. 29.05. u. 10.08.1935. 
44 StadtA Sbr. BG 7198, 10./11.01., 19.05. 1933, ebd. BG 7219, 30.09., 02.10. 1937. 
45 VSE-AHV, Geschäftsbericht für 1938; der Vertrag galt rückwirkend ab 01.01.1938; zur Ent¬ 
wicklung ebd., Aufsichtsratssitzungen vom 12.12.1935, 08.04.1936; ASV Sbr. GS-29, 
03.10.1936. 
46 Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 20.01.1934 (RGBl I, S. 45) und 5. Verord¬ 
nung zur Überleitung des Arbeitsrechtes im Saarland vom 17.04.1936 (RGBl I, S. 373). 
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