Full text: Geschichte der Elektrizitätsversorgung des Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG

grenze bei Saargemünd bis zum Weiher von Gondrexange ausgebaut war, die elektri¬ 
sche Treidelei einzuführen; den hierfür notwendigen Strom sollte die SVG liefern22. 
Die genannten Pläne zerschlugen sich allerdings aufgrund der unsicheren politischen 
Zukunft des Saargebiets. Die Versorgung des Erzbeckens von Briey mit elektrischer 
Energie wurde beispielsweise statt aus den Kraftwerken der MDF durch den Bau einer 
Hochspannungsleitung von den schweizerischen Wasserkraftwerken an der Aare über 
Basel-Mulhouse-Saverne-Nancy verstärkt23. 
Um die Investitionen in Lothringen in Höhe von rund einer Million Mark für die SVG 
zu retten, sollte die Stadt Saargemünd nach dem Scheitern der Beteiligung von Pariser 
Firmen mit einem bestimmten Kapitalanteil in die SVG aufgenommen werden. Auf 
diesem Wege hofften die Aktionäre, daß ihre Ansprüche als lothringisch-saarländische 
Gruppe anerkannt würden24. In weiteren Verhandlungen forderte die französische 
Gruppe dann allerdings 74 % des Aktienkapitals der SVG, mußte sich aber schließlich 
nach zähem Ringen mit 70 % zufriedengeben. Direktor Tormin hatte inzwischen sein 
Amt als Vorstandsmitglied vorübergehend niedergelegt und war von der Stadt Saar¬ 
brücken und der Stadtverordnetenversammlung als am besten mit der Sachlage Ver¬ 
trauter beauftragt worden, die komplizierte Aktienneuverteilung durchzuführen. 
Mit der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau-AG, die 1915 die Hälfte ihrer Aktien (15 
Stück) an die Stettiner Chamotte Fabrik, vormals Didier, veräußert hatte25, war Tor¬ 
min relativ schnell übereingekommen. Anfang 1920 wechselten 30 Aktien ihren Besit¬ 
zer und gingen zum Nennwert (zuzüglich Dividende für 1919 und pro rata temporis 
für 1920) an die Städtischen Betriebswerke Saarbrücken über26. Diese veräußerten sie 
sofort für denselben Betrag an die Stadt Saargemünd zur Wahrung der SVG-Interessen 
weiter27. Die AEG dagegen wollte ihre Aktien nicht so günstig hergeben und forderte 
zunächst 7.000,- M pro Stück, da sie den Wert der SVG trotz der Verluste in Lothringen 
erheblich höher schätzte. Im Dezember 1920 erfolgte schließlich der Verkauf von 310 
AEG-Aktien zu je 3.000,- M an die Städtischen Betriebswerke als Treuhänder der saar¬ 
ländischen Interessen. 70 Aktien davon gingen noch Ende des Jahres an die Stadt Saar¬ 
gemünd, allerdings nur zum Nominalwert von je 1.000,- M28. Der Kauf der Berliner 
Aktienanteile gelang nach Angaben von Tormin aus der Vordividende für 1920 so gut, 
daß „kein Mitglied der Saargruppe für diese 340 Aktien irgend etwas bezahlt“ hatte29. 
Begünstigt wurden die aufgeführten Transaktionen auch durch den zunehmenden Ver¬ 
fall der deutschen Währung; beispielsweise konnten die Verluste beim Verkauf des 
22 Ebd. BG 2559,23.03.1920. Auch für das Projekt der elektrischen Treidelei durch den Tunnel 
von Archviller des Canal de la Marne-au-Rhin war die SVG zur Stromlieferung vorgesehen 
(vgl. AD Moselle 15 AL 638-11, Präfektur Straßburg v. 02.04.1919). 
23 StadtA Sbr. BG 2630, 03.04.1924. 
24 Der Sequester über die Forces Electriques Lorraines S.A., Metz, wurde beispielsweise am 
01.12.1920 aufgehoben, nachdem der bisherige Hauptaktionär, die Motor AG für angewand¬ 
te Elektrizität, Baden/Schweiz, den größten Teil seines Aktienanteiles an die SALEC ver¬ 
kauft hatte (AD Moselle 10 S 236, Metz 03.01.1921). 
25 StadtA Sbr. BG 2607, 4/1915. 
26 Ebd. BG 2630, Übersicht über Aktientausch, o.D. 
27 VSE-AHV, Ordner „Übernahme 70% Kapital auf französische Gruppe“. 
28 StadtA Sbr. BG 2609, Erläuterungsbericht zum Aktienübergang, o.D. 
29 Tormin in einem Schreiben an Neikes, StadtA Sbr. BG 2630, 03.04.1924. 
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