Full text: Geschichte der saarländischen Steinkohlengrube Sulzbach-Altenwald

Gleichwohl brachten die Vertrauensleute das Thema immer wieder zur Sprache, doch sie 
erhielten sinngemäß immer wieder die gleiche Antwort: die Bergleute würden nicht nach 
ihren Familienverhältnissen, sondern nach ihrer Leistung bezahlt. Man beschäftige über¬ 
dies die alten Leute so lange wie möglich, und der ihnen gewährte Schichtlohn sei ange¬ 
sichts der meist nur noch geringen Leistung schon ein Ausdruck des Wohlwollens der 
Bergverwaltung.60 
Eine ebenfalls immer wieder vorgebrachte Beschwerde betraf den Lohn der jüngeren 
Bergleute, der Schlepper und Lehrhauer, die nach Ansicht der Vertrauensleute zu wenig 
verdienten, so daß sie sich kaum selbst durchschlagen, viel weniger die Eltern unterstützen 
oder gar sparen könnten.61 Darüber hinaus wurde von den Vertrauensleuten wiederholt 
angeregt, die Ausbildungszeit - 6 Jahre Schlepper, 2 Jahre Lehrhauer - zu verkürzen, 
damit die jungen Leute früher zu ihrem vollen Lohn kämen. Die Werksdirektion hingegen 
war der Meinung, daß eine Abkürzung der Lehrzeit nicht angängig sei, „da sonst der 
Zweck, die Leute zu tüchtigen Bergleuten heranzubilden, nicht erreicht werde, und dann 
durch den Mangel an Ausbildung die Unglücksfälle sich vermehren würden“.62 
Die Bezahlung aber sei im ganzen ausreichend, und schließlich könnten die noch in der 
Ausbildung befindlichen jungen Leute nicht den gleichen Verdienst beanspruchen wie die 
älteren, erfahrenen Arbeiter. Auch sei es aus wirtschaftlichen Gründen nicht richtig, den 
jungen Leuten schon ebenso viel Geld in die Hand zu geben, wie sie später in der Ehe be¬ 
nötigten, und 24 Jahre - das Alter, in welchem die Lehrzeit eines Bergmannes im allge¬ 
meinen zu Ende war - sei ein Lebensalter, unter welchem niemand heiraten sollte. Wenn 
aber gesagt werde, der Schlepperlohn sei so niedrig, daß die Eltern an ihrem Sohn nicht 
nur keine Stütze hätten, sondern im Gegenteil ihn noch unterstützen müßten, so sei das 
für den Anfang zwar richtig, könne aber im ganzen so schlimm nicht sein, sonst würden 
die Eltern sich nicht so sehr bemühen, ihre Söhne auf der Grube unterzubringen. 
Auch in diesem Falle setzten sich die Vertrauensleute mit ihren Wünschen und Vorstel¬ 
lungen nicht durch, wie überhaupt ihre Wirkungsmöglichkeiten begrenzt waren, denn 
selbst in den oben angeführten Angelegenheiten, in denen ihre Mitwirkung laut Arbeits¬ 
ordnung ausdrücklich vorgeschrieben war, lag doch die Entscheidung letztlich bei der 
Werksdirektion, die dabei natürlich in allen wichtigen Fragen den Gesichtspunkt der 
Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund rückte und zu Konzessionen nur bereit war, wenn 
diese nicht gefährdet erschien. 
In den Ausschußsitzungen bestimmte, wie schon gesagt, allein der Werksdirektor als Vor¬ 
sitzender die Tagesordnung, und es lag ganz in seinem Ermessen, ob Gegenstände, deren 
Diskussion die Vertrauensleute wünschten, auf die Tagesordnung kamen oder nicht. In 
der Sitzung vom 3. August 1900 hatten beispielsweise die Vertrauensleute Lohnprobleme 
zur Sprache bringen wollen, doch der Werksdirektor hatte den Punkt von der Tagesord¬ 
nung gestrichen mit der Begründung, daß die Schichtlöhne - gemeint waren die Zeitlöhne 
60 LAS, Best. 564, Nr. 808, p. 197f. 
61 So in der Sitzung vom 26. September 1894: ebenda, p. 163. 
62 ebenda, p. 302. 
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