Full text: Geschichte der saarländischen Steinkohlengrube Sulzbach-Altenwald

bei ihren Kollegen auf größere Sorgfalt zu dringen, widrigenfalls man zu noch schärferen 
Maßnahmen greifen müsse.55 Die Vertrauensleute dagegen suchten das Verhalten ihrer 
Kollegen zu entschuldigen und brachten zu deren Entlastung vor: 
1. würden die Bergewagen häufig nicht ganz ausgeleert, so daß die Kohle, die anschlie¬ 
ßend hineingeladen werde, notwendigerweise unrein, mit Bergen vermischt sei; 
2. fielen teils auch Berge vom Hangenden in die Wagen; 
3. würden nicht immer die Nummern der Bergewagen ausgelöscht, so daß diese dann den 
betreffenden Kameradschaften als Kohlewagen angerechnet werden; 
4. verhindere manchmal auch der Pulverdampf, wenn er nur langsam abziehe, ein sorg¬ 
fältiges Reinhalten der Förderung. 
Der Werksdirektor erwiderte, das alles könne in Einzelfällen eine Rolle spielen, erkläre 
aber nicht die große Zahl unreiner Wagen, wie sie in letzter Zeit zu Tage geschickt 
würden. Dahinter stecke, wenn schon nicht Absicht, dann jedenfalls eine „unerhörte 
Gleichgüktigkeit und Unachtsamkeit“. Daran änderte sich jedoch nichts, das Problem 
stand fast in jeder Sitzung des Ausschusses auf der Tagesordnung. 
Die Vertrauensleute hingegen dürften wenig Neigung verspürt haben, sich für die Inter¬ 
essen der Werksleitung einspannen zu lassen, so lange ihnen eine echte Mitwirkung oder 
gar Mitentscheidung in allen wirklich wichtigen Angelegenheiten versagt blieb. So 
machten sie denn auch aus ihrer Enttäuschung über ihre mißliche Lage kein Hehl und 
trugen in der Sitzung vom 16. Januar 1894 vor, daß die ganze Einrichtung im Grunde 
wenig zu bedeuten hätte, da auf ihre Wünsche und Anregungen zu wenig Rücksicht ge¬ 
nommen werde, das zeige sich beispielsweise in der Frage der Wiederanlegung gemaßre- 
gelter Bergleute ebenso wie in der Lohnfrage.56 
Deshalb sei auch, wie die Vertrauensmänner in der nächsten Sitzung vom 12. April 1894 
deutlich machten, das Interesse der Belegschaft an der Einrichtung „nicht mehr so leb¬ 
haft“ wie früher, zumal feststehe, daß Vertrauensleute unter Umständen wegen ihrer Tä¬ 
tigkeit in dieser Eigenschaft entlassen würden, wie es im Falle eines gewissen Peter Klein 
geschehen sein soll. Zudem habe man ihnen untersagt, Versammlungen abzuhalten, um 
die Kollegen über die Ergebnisse in den Ausschußsitzungen zu unterrichten. Wenn aber 
gesagt werde, an der Arbeitsordnung werde sich schon deshalb vorläufig nichts ändern, 
weil sie ja unter Mitwirkung der Arbeiter-Auschüsse zustande gekommen sei, so sei dies 
zwar formell richtig, aber nicht materiell, denn wenn die Wünsche der Vertrauensleute be¬ 
rücksichtigt worden wären, dann hätte die Arbeitsordnung ganz anders ausgesehen.57 
Der Werksdirektor entgegnete, daß die Belegschaft, wenn sie tatsächlich geringes Inter¬ 
esse an der Arbeit der Vertrauensleute zeige, die Bedeutung der zu ihrem Vorteil geschaf¬ 
fenen Ausschüsse verkenne. Es werde auch kein Vertrauensmann wegen seiner Tätigkeit 
ss ebenda, p. 125. 
56 ebenda, p. 131 f. 
57 ebenda, p. 143 ff. 
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