Full text: Geschichte der saarländischen Steinkohlengrube Sulzbach-Altenwald

Kurz vor Ausbruch des Streiks, am 13. Dezember 1892, führten die Vertrauensleute aber¬ 
mals Klage über die Herabsetzung der Gedinge, dem der Werksdirektor entgegenhielt, 
daß der Verdienst immer noch „recht gut“ sei, womit er objektiv nicht unrecht hatte, und 
die Belegschaft könne zufrieden sein, wenn nicht weitere Herabsetzungen notwendig 
würden. Im übrigen warnte er vor der Teilnahme an Streiks, die für jeden Bergmann selbst 
und seine Familie „schlimme Folgen“ haben könnten.53 
Der große Streik fand gleichwohl statt, in dessen Gefolge auch etliche Vertrauensmänner 
abgelegt worden waren, so daß Ersatzwahlen notwendig wurden, auch auf Sulzbach- 
Altenwald. Am 11. Juli 1893 versammelte sich der Ausschuß in seiner neuen Zusammen¬ 
setzung. Inzwischen war auch die neue Arbeitsordnung in Kraft getreten, in der die Mit¬ 
wirkung der Vertrauensleute in folgenden Angelegenheiten ausdrücklich vorgeschrieben 
war:54 
1. die Zulassung von Ausnahmen bei der Verpflichtung minderjähriger, einheimischer 
Bergleute, bei den Eltern zu wohnen; 
2. das Verbot unsittlicher oder ungesunder Quartiere für Minderjährige; 
3. das Verbot der Schlepperzeit über 6 Jahre hinaus; 
4. das Aufrücken von Lehrhauern zu Vollhauern; 
5. die Festlegung der An- und Abfahrt vor und nach Sonn- und Feiertagen; 
6. die Anordnung von Über- und Nebenschichten; 
7. die Wahl eines Wiegekontrolleurs. Dabei wurde festgestellt, daß die Belegschaft bis 
dahin von dem Recht der Anstellung eines eigenen Wiegekontrolleurs über Tage 
keinen Gebrauch gemacht hatte; 
8. die Auszahlung des Lohnes an Minderjährige, was nach der neuen Arbeitsordnung nur 
noch auf Antrag des Vaters, des Vormundes oder der Polizei zulässig war. 
Dagegen blieb den Vertrauensleuten bei der An- oder Ablegung von Bergleuten jede Mit¬ 
wirkung versagt, vor allem dann, wenn es sich dabei um Maßregelungen handelte. So er¬ 
klärte ihnen der Bergwerksdirektor, daß die Bestimmung darüber, „ob und welche aus 
Anlaß des Streiks entlassenen Leute zur Arbeit wieder zuzulassen seien, wie über den Zeit¬ 
punkt einer Wiederanlegung lediglich Sache der Verwaltung sei“. Dem Wunsche der Ver¬ 
trauensleute, alle wieder anzulegen, entgegnete der Direktor, daß alle, die sich beim Streik 
in irgendeiner Weise „hervorgetan“ hätten, jedenfalls von einer Wiederanlegung ausge¬ 
schlossen seien. Bei den Übrigen richte sich Umfang und Zeitpunkt der Wiederanlegung 
nach den Absatzverhältnissen. 
In der Sitzung vom 17. Oktober 1893 stand abermals die Frage der unreinen Förderung 
im Mittelpunkt der Debatte. Der Werksdirektor stellte fest, daß trotz strenger Bestrafung 
die Förderung unreiner Kohlen nicht nachlasse, und er ermahnte die Vertrauensmänner, 
53 ebenda, p. 87. 
54 ebenda, p. 91 ff. 
80
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.