Full text: Geschichte der saarländischen Steinkohlengrube Sulzbach-Altenwald

fanden übrigens nicht in einem regelmäßigen Turnus statt, sondern entweder auf Antrag 
der Mitglieder, oder auf Initiative des Bergwerksdirektors; gewöhnlich tagte der Aus¬ 
schuß 3-4 mal im Jahr. 
Gleich zu Beginn der Sitzung des neu gewählten Ausschusses, am 17. März 1892, bean¬ 
tragten die bergmännischen Mitglieder, der § 7 der Instruktion möge dahingehend geän¬ 
dert werden, daß sie auch Beschwerden einzelner Leute oder Kameradschaften zur 
Sprache bringen dürften, nicht nur Gegenstände allgemeiner Natur. „Die jetzigen Befug¬ 
nisse seien so gering“, heißt es im Protokoll, „daß die Stellung der Vertrauensleute der Be¬ 
legschaft gegenüber keine angenehme sei, und die Einrichtung sich keines großen An¬ 
sehens bei derselben erfreue“. Der Werksdirektor aber ließ sich auf keine Diskussionen 
in diesem Punkt ein, übergab stattdessen jedem Mitglied ein Exemplar der Bestimmungen 
mit dem Bemerken, es sei noch nicht zu übersehen, ob diese künftig zu ändern sein 
würden.50 
In der Sitzung vom 13. Mai 1892 erhoben die Vertrauensleute Einspruch gegen die Her¬ 
absetzung der Gedinge, eine zweifellos in ihre Kompetenz fallende Angelegenheit, worauf 
der Werksdirektor erklärte, es handele sich lediglich darum, „an Stellen, wo das Gedinge 
unverhältnismäßig hoch stehe, im Vergleich zur Leichtigkeit der Arbeit, Ermäßigungen 
eintreten zu lassen. Die Löhne seien auf der hiesigen Berginspektion, und speziell auf Al¬ 
tenwald, im Vergleich zu den übrigen Gruben des Reviers besonders hoch“, daher be¬ 
stünde kein Grund zur Klage.51 Nun standen die Löhne im Frühjahr 1892 in der Tat noch 
ziemlich hoch, nur hatten sie zuvor in den beiden Jahren des Booms noch höher gelegen, 
wodurch die Kürzungen für den Bergmann schmerzlich fühlbar wurden. 
Die Vertrauensleute wiederholten am 7. Juli und am 25. August ihre Beschwerde über die 
Reduktion der Gedinge und fügten hinzu, daß bei einer weiteren Herabsetzung der Ge¬ 
dinge „die Unzufriedenheit in der Belegschaft voraussichtlich zu einem unerwünschten 
Ausbruch führen würde“, wie es dann ja auch wirklich geschah, wiewohl die Lohnfrage, 
wie früher gezeigt, nicht der einzige Streikgrund gewesen ist. Der Werksdirektor erwi¬ 
derte, daß die Klagen über einen zu niedrigen Verdienst unbegründet seien, denn der 
Durchschnittslohn eines Hauers im Gedinge stehe immer noch über 4,50 M, und im üb¬ 
rigen sei der Hinweis auf einen drohenden Ausstand nicht geeignet, „eine Verbesserung 
der Lohnverhältnisse zu erreichen oder eine Herabsetzung der Gedingen zu verhindern, 
wenn eine solche nach Maßgabe der Arbeitsverhältnisse sich als unabweislich ergeben 
sollte“.52 
Eine weitere Beschwerde der Vertrauensleute, die auch in der Folgezeit immer wieder vor¬ 
gebracht wurde, war die über eine zu harte Bestrafung wegen „unreiner Förderung“, 
worunter man verstand, daß die Kohle zu sehr mit Bergen vermischt war. Der Werksdi¬ 
rektor wies aber darauf hin, daß im Interesse der Absatzfähigkeit der Kohle unbedingt auf 
reine Förderung gehalten werden müsse, und dies sei erfahrungsgemäß nur bei strenger 
Bestrafung entsprechenden Fehlverhaltens erreichbar. 
50 ebenda, p. 59 f. 
51 ebenda, p. 62. 
52 ebenda, p. 76. 
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