Full text: Geschichte der saarländischen Steinkohlengrube Sulzbach-Altenwald

Wie die Tabelle ebenfalls zeigt, lagen die Preise der Konsumvereine im allgemeinen deut¬ 
lich unter den Marktpreisen, manchmal aber auch darüber, und in den späten 90-er 
Jahren überschritten sie die Marktpreise beim Fleisch beträchtlich, dafür lagen sie beim 
Speck teilweise um 50 % darunter. Die Gründe dafür, daß die Konsumvereine zuweilen, 
im Widerspruch zu ihrer Zielsetzung, ihre Waren deutlich über den Marktpreisen an- 
boten, sind den Akten leider nicht zu entnehmen. 
Obwohl demnach die Kaufkraft der Löhne deutlich zunahm, kam es am 23. Mai 1889 
zum Streik,39 weil die Bergleute ein Recht darauf zu haben glaubten, an den hohen Koh¬ 
lenpreisen der späten 80er Jahre durch höhere Löhne zu partizipieren. In ihrem „Bildstock 
Protokoll“ verlangten die Bergleute einen Gedingelohn von mindestens 4,00 M sowie eine 
Verkürzung der Schicht auf 8 Stunden einschließlich der Ein- und Ausfahrt. Nachdem 
Verhandlungen mit der Bergwerksdirektion zu nichts geführt hatten, und eine Delegation 
der Streikenden in Berlin weder vom Kaiser noch vom Handelsminister empfangen 
worden war, brach der Streik in Sulzbach-Altenwald am 1. Juni zusammen, am 3. Juni 
fuhren auf allen Gruben des Reviers die Belegschaften vollständig wieder an. 
Aber schon im Dezember kam es erneut zum Streik, an dem sich allerdings nur maximal 
23 % der Belegschaft beteiligten,40 während es im Mai 44 % gewesen waren. Wie schon 
im Mai spielten auch diesmal Einflüsse vom Ruhrgebiet her eine sicher nicht zu unter¬ 
schätzende, aber wohl nicht entscheidende Rolle. Den Anlaß bildete die Entlassung von 
Bergleuten,41 die sich im Mai-Streik hervorgetan hatten, und deren Wiederanlegung ge¬ 
fordert wurde; daneben standen die alten Forderungen nach Begrenzung der Schicht¬ 
dauer und höheren Löhnen im Vordergrund, Der Ausstand, der auf Sulzbach-Aitenwald 
am 16. Dezember begonnen hatte, endete auch diesmal für die Streikenden ohne Ergebnis: 
nachdem die Bergwerksdirektion am 20. Dezember bekannt gegeben hatte, daß jeder, der 
am 23. nicht anführe, als „freiwillig ohne Kündigung ausgeschieden“ betrachtet werden 
würde,42 fuhr die Belegschaft am 23. Dezember vollständig an. 
Ein erneuter Streik, von welchem aber nur die Inspektionen II und V betroffen waren, fand 
vom 21. -25. Mai 1891 statt, an welchem sich auf Sulzbach-Altenwald 1079 Mann, das 
waren 44 % der Belegschaft, vornehmlich Schlafhausbewohner, beteiligten.43 Dahinter 
standen die alten Forderungen nach höheren Löhnen, kürzerer Arbeitszeit, Abschaffung 
der Gedingeversteigerungen, mildere Strafen bei Disziplinarvergehen und Abschaffung 
des Abkehrscheins. Da indessen der Ausstand nur zwei Inspektionen erfaßte, war das Un¬ 
ternehmen von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Nach einem Ultimatum der Berg¬ 
werksdirektion fuhren die Bergleute am 25. Mai vollständig wieder an. Die Teilnahme am 
Streik büßten 27 Bergleute mit ständiger, 109 mit zeitweiliger Ablegung. 
Der Arbeitsfriede dauerte nicht lange, denn am 29. Dezember 1892 begann der „umfang¬ 
reichste und längste Streik an der Saar im 19. Jahrhundert“,44 an dem sich auf seinem Hö¬ 
39 Klaus-Michael Mallmann: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung an der Saar (1848 - 1904). 
(Veröff. d. Komm. f. saarl. Landesgesch. u. Volksforschung, Bd. XII) Saarbrücken 1981,S. 98 ff. 
40 ebenda, p. 172. 
41 Von einer „Entlassungswelle“, wie Mallmann S. 166 schreibt, konnte jedoch keine Rede sein. 
42 K. M. Mallmann, a.a.O., S. 172. 
43 LAS, Best. 564, Nr. 141, p. 197; K. M. Mallmann, a.a.O., S. 231 ff. 
44 K. M. Mallmann, a.a.O., S. 289. 
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