Full text: Geschichte der saarländischen Steinkohlengrube Sulzbach-Altenwald

Linie die geringen Schichtleistungen der ersten Nachkriegsjahre zu erklären sein, wenn¬ 
gleich wohl nicht ganz auszuschließen ist, daß auch eine absichtliche Zurückhaltung mit 
der Leistung aus nationalem Ressentiment Vorgelegen haben könnte. Die sinkenden 
Löhne waren überdies kaum dazu angetan, als Motivation zur Leistungssteigerung zu 
wirken. 
Von 1923 - 31 nahmen dann die Leistungen pro Mann und Schicht sowohl auf Mellin 
als auch auf Altenwald, bezogen auf die Gesamtbelegschaft, um 46 % zu, bezogen auf die 
Untertage-Arbeiter um 42 %. Diese bedeutende Leistungssteigerung wird man indessen 
nicht allein auf die zunehmende Mechanisierung der Gewinnungsarbeiten zurückführen 
dürfen, sondern sie war vor allem in den Krisenjahren sicherlich auch eine Folge der Sorge 
um den Verlust des Arbeitsplatzes; immerhin waren im Saarrevier im Dezember 1931 be¬ 
reits 2172 Bergleute als arbeitslos gemeldet, im Mai 1932 waren es 6055.21 
Die nunmehr in französischer Währung gezahlten Löhne lassen sich mit den zuvor in 
Mark verdienten schwer vergleichen, weil schon im Jahre 1919 die in Deutschland einset¬ 
zende Inflation den Frankenkurs in die Höhe trieb: der 1919 verdiente Spitzenlohn im Ge¬ 
dinge in Höhe von 11,00 M entsprach nach dem amtlichen Kurs der Regierungskommis¬ 
sion22 im Januar 8,50 fr, im Dezember 1919 aber nur noch 2,44 fr. Rechnet man umge¬ 
kehrt die 1920 - 23 gezahlten Frankenlöhne über die offiziellen Kurse zur Mark und den 
deutschen Inflationsindex in Goldmark um, dann entsprechen die Löhne im Dezember 
1920: 8,07 M, im Dezember 1921: 11,75 M, im Dezember 1922: 8,41 M, und im Mai 
1923: 7,28 M. Aber eine solche Umrechnung ist schon deshalb problematisch, weil die 
offiziellen Kurse der Geldentwertung hinterher hinkten, die Währungsparität der Kauf¬ 
kraftparität nicht entsprach. 
Unmittelbar fühlbar für den saarländischen Bergmann waren indessen die Lohnkür¬ 
zungen in den Jahren 1920 - 22 um nicht weniger als rund 30 %, die umso schmerzlicher 
sein mußten, als ja auch in Frankreich die Inflation zwar nicht galoppierte, wie in Deutsch¬ 
land, so doch trabte. Auch in Frankreich hatte man während des Krieges die Währung 
künstlich auf dem Vorkriegsniveau gehalten, doch gleich nach dem Kriege wurde die zu¬ 
rückgestaute Inflation offenbar, der Frankenkurs gab nach und erreichte 1926 seinen 
Tiefstand mit 200 fr für das Pfund Sterling oder Vs des Vorkriegskurses. Da die deutsche 
Währung inzwischen auf dem Vorkriegsniveau stabilisiert worden war, entsprach der 
1926 an der Saar verdiente Lohn von 34,07 fr nur 3,41 RM. 
Der Saarbergmann erlitt also 1920 - 22 einen Einkommensverlust, der real noch größer 
war als die oben genannten 30 %, daher der 3-monatige Streik im Jahre 1923, der zu einer 
Anhebung der Löhne um immerhin rund 20 % führte. In den Jahren 1926 - 28 war es 
dann das Verdienst Poincares, den Sturz des Franken aufgehalten und bei einer Parität von 
124 fr für ein Pfund Sterling oder Vs des Vorkriegskurses stabilisiert zu haben. Der in der 
Tabelle oben aufgeführte Lohn von 37,50 fr im Jahre 1928 entsprach demnach etwa 6,00 
RM, die 43,84 fr von 1930 etwa 7,00 RM, woraus erhellt, daß die Löhne an der Saar deut¬ 
21 LAS, Best. 564, Nr. 2318. 
22 Gerhard Wiegand: Französische Währungs- und Zollpolitik im Saargebiet, Berlin/Leipzig 
1929, S. 103. 
120
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.