Full text: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

geworden. Die von der Magnerichvita abhängige erste Fassung der ,Gesta Treve- 
rorum4 (um 1101) hat die Trierer Phase der Paulslegende noch ausgeschmückt241. 
Ein Paulsberg in der Nähe der Bischofsstadt führt zur Lokalisierung der cella des 
Einsiedlers242: 
... in parrochia Trebirorum magnae sanctitatis viri claruerunt; videlicet Paulus 
super montem Cebennam, qm ex eius nomine hactenus Pauli mons vocatur ... 
Vielleicht ist hier auch die Erinnerung an einen von Paulus von Verdun verschiede¬ 
nen Trierer Einsiedler festgehalten. Die zweite Fassung der ,Gesta Treverorum4 
(um 1132) ergänzte in einem Einschub zur Amtszeit des Bischofs Modoald von 
Trier (626-643/47)243: 
Huius temporibus Paulus inclusus supradictus migravit ad Theolegiam, quod 
praefatus Dagobertus rex in suo proprio construxerat, et ibi aliquantulum 
mansit, postea vero ecclesiae Virdunensis curam suscepit regendam, ibique 
quievit. 
Hier ist die , Vita S. Pauli4, wie wir gleich sehen werden, erneut benutzt und mit ei¬ 
ner noch zu diskutierenden, an Berthars Bemerkung über Grimo, wo er diesen ne- 
pos Dagoberti nennt, anknüpfenden Tholeyer Gründungslegende verbunden wor¬ 
den. 
Die , Vita S. Pauli4 schildert in ihrem zweiten Hauptabschnitt, wie sich der Eremit, 
von Gott, der ihn zum späteren Bischofsamt schon auserwählt hat, geleitet, in ein 
Kloster begibt. Die Bestimmung zum Bischofsamt mache den Aufenthalt in der 
scbola virtutum notwendig, quod mox animarum salutipraedicatione conferret sa- 
lutari. Hier wird ein spezifisch monastisches Verständnis des Bischofsamtes deut¬ 
lich. Paulus begibt sich in das Kloster Tholey und wird dort von Abt und Brüdern 
als Gast in wörtlicher Anwendung der Benediktinerregel (c. 53) begrüßt und auf¬ 
genommen244. Der Tholeyer Abt möchte den Gast wegen der dispendia sanctitatis 
eius fest ans Kloster binden. In Gesprächen, die Gregors ,Dialogi4 zitieren245, un¬ 
terhält man sich über die Überlegenheit oder Unterlegenheit der eremitischen Exi¬ 
stenzform gegenüber der coenobitischen Lebensweise. Der Abt weiß den Gast 
von der Pflicht zur Unterwerfung unter den Willen Gottes in benediktinischem 
Gehorsam zu überzeugen: praeesse non audeat, qui subesse non didicerat. Die rei¬ 
ne Kontemplation des eremitischen Seins sei in die Aktivität des gemeinsamen Le¬ 
bens zu überführen. Nicht die auditores legis, sondern die factores würden ge¬ 
241 Vgl. zu den Fassungen der „Gesta Treverorum44 Thomas, Studien 23 ff. 
242 Gesta Trev. c.24, MG SS VIII 159. Vgl. zur Entfaltung dieser Legende Levison, Ge¬ 
schichte 67 f.; Ewig, Trier 110. 
243 MG SS VIII 160 f. 
244 Steidle, Benediktus-Regel 151 ff. (für c.3 der Vita). Vgl. zu diesen und folgenden Nach¬ 
weisen z.T. bereits Levison, Geschichte 67 Anm. 2. 
245 Gregor, Dialogi I, 1 (für c.4 der Paulus-Vita), PL 77, 156 f. 
68
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.