Full text: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

Redaktion 1489/1517 
Die Übersicht zeigt den Wert, den A und B für die Rekonstruktion des Archetyps 
besitzen. Daneben steht *P, nicht einfach zu rekonstruieren, doch immerhin 
durch einige Lesarten bemerkenswert. Auf keinen Fall lassen sich mit Pauly die 
Differenzen der einzelnen Abtslisten des Klosters Tholey gegen die Authentizität 
der frühen Abtslisten einwenden. Wenn Pauly argumentiert: „Hätte man in Tho¬ 
ley im 16. Jahrhundert eine sichere Überlieferung über die Reihenfolge der Abte 
besessen, dann hätte diese Überlieferung auch konstant weitergegeben werden 
müssen, keinesfalls aber wäre es an Hand einer sicheren Überlieferung zu so auf¬ 
fallenden Differenzen gekommen, wie sie in den Angaben der verschiedenen Li¬ 
sten sichtbar werden“84, so verkennt er den Einfluß und die Bedingtheit der ge¬ 
schichtlichen Arbeit an den Tholeyer Abtslisten. Die Differenzen haben nichts mit 
Unsicherheit zu tun, sie sind das Resultat einer fortschreitenden Quellenbearbei¬ 
tung, die freilich keine Chance besaß, angesichts der Tholeyer diplomatischen 
Überlieferung, mit Widersprüchen fertig zu werden. 
Alle Listen haben den bereits angesprochenen chronologischen Fehler bei Abt 
Betzelin von Soetern; so dürften AB': P auf dieselbe Redaktion aus der Regierungs¬ 
zeit des Abtes Gerhard von Hasselt zurückgehen, die wir *Y genannt haben. Bei 
der Rekonstruktion von *Y ist von AB auszugehen und *P nur in den bezeichneten 
textkritisch wichtigen Passagen miteinzubringen. Die Rekonstruktionsarbeit muß 
sich in drei Schritten vollziehen: 
a) Sicherung der ursprünglichen Namensformen durch philologisch-namen- 
kundliche Untersuchung; 
b) Bewertung der Attributierungen und Kommentierungen einzelner Abtsnamen 
in der Liste; 
c) Überprüfung des inneren Aufbaus der Liste nach historisch-chronologischen 
Kriterien, in Form eines kommentierten Abtskataloges. 
84 Pauly, Landkap. Wadrill 122. 
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