Full text: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

Es läßt sich denken, daß er einen Vertrauten des zum Ostreich hin orientierten Bi¬ 
schofs Wigfrid nicht in der Stadt duldete. Bücher erlangte unterdessen am 20. Ok¬ 
tober 984 zu Worms von der im Namen des unmündigen Ottos III. handelnden 
Reichsregierung unter Kaiserin Theophanu eine Bestätigung des Besitzes und der 
Privilegien der Abtei789. Die feindselige Haltung des westfränkischen Königs ge¬ 
genüber dem Konvent zeigt sich auch darin, daß er 985 die Schleifung des burgartig 
ausgebauten Vorstadtklosters befahl790 791. Als dann 987 Verdun erneut an das Ost¬ 
reich fiel, lag die Abtei St. Paul wohl weitgehend wüst. Auch die ,Gesta episcopo- 
rum Virdunensium4 schreiben über den Feldzug des westfränkischen Königs: 
...omnia quae circa urbem erant vastavit7n. Erst Bischof Heimo (988/90 - 1024) 
dürfte Gelegenheit zum Wiederaufbau gefunden haben. In der Tat berichten die 
,Miracula S. Pauli4, daß noch in den Jahren nach 1000 unter Bischof Heimo an der 
Kirche von St. Paul gebaut wurde792. Im Zusammenhang des vorübergehenden 
Ruins der Abtei St. Paul wird der inzwischen schon betagte Bücher793 sich zurück¬ 
gezogen haben. Auch die Autoren der, Gallia Christiana4 schreiben ihm eine Abts¬ 
zeit von 15 Jahren zu, eine Nachricht, die deshalb Vertrauen verdient, weil sie dem 
chronologischen System der von der, Gallia Christiana4 erstellten Abtsüste wider¬ 
spricht794. Man käme hiermit für das Jahr der Resignation Büchers auf 987 oder 
988, je nachdem, ob man 972 oder 973 als Beginn seines Abbatiats ansetzen möch¬ 
te. 
Hat Bücher als Kompensation die Abtei Tholey erhalten? Bei der Seltenheit des 
Namens ist kaum an einen Zufall zu denken, wenn gegen Ende des 10. Jahrhun¬ 
derts in der Tholeyer AbtsÜste ein Blicher erscheint. 
33. Ebruinus //.795 (vor 1000/01?) : 
Die ,Annales S. Pauü4 nennen als Nachfolger des Gardinus im Verduner Kloster 
St. Paul einen Eberuinus und datieren auf 1000/01796. Ihn kennen auch die im 
789 MG DD Otto III Nr. 3. 
790 Jussy, Histoire Verdun II 156; Uhlirz, Jahrbücher Ottos III. 49 f. 
791 MG SS IV 46. 
792 V. d. Straeten, Manuscrits 148 f. Bischof Heimo kann — nach den Wirren der lothringischen 
Kriege — als der Restaurator der Verduner Kirche gelten. Er hat nach dem Fortsetzer der 
,Gesta episcoporum1 (MG SS IV 47) die Stadtmauern erneuert, seine Grabkirche St. Maur 
mit Kloster erbaut; unter ihm erbaute der praepositus Amicus die ecclesia sanctae Crucis; das 
Magdalenenstift wurde begonnen; der praepositus Dudo errichtete beim castellum von 
Dieulouard (Scarpona) eine Laurentiuskirche mit Kanonikerstift; ein Neubau der Kirche St. 
Vanne wurde durchgeführt, die Gebeine der dort bestatteten Bischöfe Madelveus, Hildinus, 
Hatto, Dado und Bernger erhoben (MG SS VIII 373 f.). Er besetzte St. Vanne mit irischen 
peregrini unter Abt Fingenius (t 1004), später mit dem Reformkonvent Richards (vgl. u. S. 
167). Vor allem aber ersetzte Heimo um 998 die Kathedrale durch einen bedeutenden und 
geräumigeren Neubau. Vgl. Marschall, Kathedrale 41 f. 45 f. 54. 155. 189. 
793 Blicher war 947 bereits aiaconus (vgl. o. S. 159 f.), mithin um 25 Jahre alt: 984/85 war 
er also sicher über 60 Jahre alt. 
794 Gallia Christiana XIII 1329, lassen Blicher im 15. Jahr seines regimen im J. 982 sterben; da¬ 
nach müßte St. Paul bereits 967/68 gegründet worden sein. 
795 Vgl. o. S. 54 Nr. 33. 
796 Vgl. o. S. 160. 
161
	        

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