Full text: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

Paris und Auxerre den ostfränkischen König Ludwig den Jüngeren ins Land, um 
ihm anstatt Ludwigs des Stammlers gleichnamigem Sohn die Krone des Reiches an¬ 
zubieten687. Ludwig der Jüngere war im Mai 879 in Metz, rückte dann auf Verdun, 
um sich dort mit seinen westfränkischen Anhängern zu vereinigen. Verdun wurde 
geplündert. Dann überschlugen sich die Ereignisse: Die legitimistische Partei 
Westfrankens bot Ludwig dem Jüngeren den Rest Lothringens gegen die Aufgabe 
seiner westfränkischen Ansprüche an. Dieser nahm an und zog sich auf Frankfurt 
zurück. In Lothringen traten unterdessen weitere Prätendenten auf, teils auf das 
westfränkische Gesamtreich, teils auf Lothringen allein, und verheerten vor allem 
das Verduner Land. Unterdes scheint am ostfränkischen Hofe erneut ein Um¬ 
schwung eingetreten zu sein; nach Weihnachten 879 marschierte Ludwig erneut 
nach Westen, um sich im Januar 880 in Douzy an der Chiers mit seinen Anhängern 
zu vereinigen. Erst der Vertrag von Ribemont (Februar 880) schuf Sicherheit. 
Ganz Lothringen fiel an Ludwig den Jüngeren. 
In diesen Wirren hatte sich Berhard offenbar nach Tholey geflüchtet. Er verließ es 
nicht wieder. Obiit ...In Teolegio monasterio, ubi et corpus eins conditum est, pri~ 
die Kalendas Ianuarii (31. Dezember)688. Noch im 16. Jahrhundert wurde sein 
Grab in Tholey verehrt689 690. 
26. *Dado episcopus Virdunensis690 ( 8 8 0 -923): 
Die Abtsliste bietet an dieser Stelle einen Frido, der sprachlich möglich ist. Jedoch 
wird er in der Liste episcopus Virdunensis genannt, was eine paläographisch gut er¬ 
klärliche Verlesung nahelegt. Es wäre auch zu merkwürdig, wenn während der 
55jährigen Amtszeit Dados ebenfalls nur ein Tholeyer Abt regiert hätte. Wir re¬ 
konstruieren also: Dado. 
Dado war Neffe Berhards691; wenn er von Ludwig dem Jüngeren unterstützt und 
durchgesetzt wurde, so heißt das wohl, daß die Familie Berhards bereits nach dem 
Tode Karls des Kahlen einen Schwenk zur ostfränkischen Partei vollführt hatte. 
Vielleicht darf man den Rückzug Berhards ins ostfränkische Tholey, die nachfol¬ 
gende Plünderung Verduns als Indiz dieses Schwenks, der zu einem Konflikt zwi¬ 
schen Bischof und civitas führte, werten692. Trotz der Unterstützung Ludwigs des 
Jüngeren weigerte sich der legitimistisch orientierte Trierer Erzbischof Bertulf zu¬ 
nächst, Dado zu weihen. Nach dem Vertrag von Ribemont war Dado jedoch 
687 Dümmler, Gesch. ostfränk. Reich III 113 ff. 
688 MG SS IV 45; vgl. zum Todesjahr Parisot, Royaume 451; Aimond, Nécrologe Cathédrale 
163. 
689 Wassebourg, Antiquitez, F. CLXVIF: Et fut inhumé son corps audict monastère, ou encores 
depresent est tenu en grande reuerence. Vgf. Reichert, Baugeschichte 63 f. 
690 Vgl. o. S. 52 Nr. 26. 
691 Vgl. zu Dados Familie: Hlawitschka, Anfänge 71 ff. Ferner zur Person des Bischofs selbst: 
Roussel, Histoire Verdun I 192 ff.; Clouet, Histoire Verdun I 283; Jussy, Histoire Verdun 
II50; Tribout de Morembert, Dadon 10; Evrard, Actes 18 ff. Nr. 10-13 (zu den dort versam¬ 
melten urkundlichen Zeugen ist noch hinzuzufügen das Testat einer Urkunde aus St. Mihiel, 
im castellum beim Kloster am 24. XI. 919 ausgestellt: Lesort, Chronique St. Mihiel Nr. 24). 
692 Jussy, Histoire Verdun II 50; Tribout de Morembert, Dadon 10. 
145
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.