Full text: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

dert unter die Klosterpatrone aufstieg680 681 und noch im fünfzehnten Jahrhundert zu 
ihnen gezählt wurde685. Schon vor 1246 gab es eine ecclesia sancti Theoberti in Tho- 
leia; es ist die spätere Blasiuskapelle in Bergweiler682 683. Der Name des Heiligen 
kommt in zwei Formen vor. Die altere und (später kanonische) Form des Heili¬ 
gennamens ist Theo(t)bert, die mit ihrer lautlichen Entwicklung von germanisch 
/eu/ > /eo/ ins 8. Jahrhundert gehört, jedoch in romanisch-westfränkischem Kon¬ 
text oder in urkundlicher Archaisierung noch länger möglich bleibt685; es bezeugt 
den lebendigen Kult des Mönchsheiligen im Kloster, wenn der kanonischen Form 
des Namens eine Form Thietbertus (11. Jh.) an die Seite tritt, welche eine im mit¬ 
telfränkischen Dialektgebiet, zu dessen Südrand Tholey gehörte, erst seit dem En¬ 
de des 9. Jahrhunderts mögliche Entwicklung des althochdeutschen /eo/ > /ie/ 
aufweist684. Man wird die Namensvariation am besten als Nebeneinander von ar¬ 
chaisierender Repräsentationsform und volkssprachlicher Form interpretieren. 
Da die volkssprachliche Form einen Lautwandel des ausgehenden 9. Jahrhunderts 
aufweist, muß der Namenträger vor 900 gelebt haben. Wenn nun in der Mönchs¬ 
qualität des Theotbert der wahre Kern seiner Legende liegt685, so besitzen wir hier¬ 
mit ein zusätzliches Indiz dafür, daß Tholey vor Ende des 9. Jahrhunderts Bene¬ 
diktinerkloster geworden ist. Es ließe sich z. B. analog zur Weißenburger Ent¬ 
wicklung daran denken, daß dieser Theotbert einer der führenden Köpfe der Mo- 
nastisierung der Klerikergemeinschaft gewesen ist, der im Kloster zunächst mit ei¬ 
ner memoria geehrt wurde, um später in den Rang eines lokalen, klösterlichen 
Heiligen aufzusteigen686. 
Nachdem am 10. April 879 der westfränkische König Ludwig der Stammler ge¬ 
storben war, rief eine starke Adelsfaktion unter der Führung des Abtes Gauzlin 
von St. Denis, St. Germain-des-Pres und St. Amand und des Grafen Konrad von 
680 So im Besitzvermerk (11. Th.) einer Tholeyer Handschrift: Herrmann, Klosterbibliotheken 
27. 28 Nr. 15. 
681 Ein Tholeyer Sakramentar des 15. Jhs. (Leroquais, Sacramentaires III175) zählt den Heiligen 
zu den Klosterpatronen. Eberhard von Camp (t 1526), Mönch aus Tholey, Abt in St. Mat¬ 
thias zu Trier, schrieb ein ,Eulogium in honore S. Teoberti“, das sich im Cod. Trier Stadtbibi. 
608, F. 83-102, erhalten hat. 
682 Kreuz, Besitztümer 8; Levison, Geschichte 72 f.; Stock, Abtei 16; Klewitz, Instandsetzung 
6 ff. Kirche und Reliquien sind 1332 Gegenstand eines Wunders (vgl, u. S. 193). Die Zweifel 
von Reichert, Baugeschichte 203, und Pauly, Landkap. Wadrill 139 f. an der Identifizierung 
sind nicht berechtigt. Die Ortsangabe in Tholeia kann sich durchaus auch auf einen Standort 
Bergweiler beziehen, ist doch dieser Ort dem Ausweis seines Namens nach ursprünglich 
nichts anderes als ein Ausbauhof des Klosters am Berg gewesen, dem Schaumberg nämlich. 
Ferner zeigt das Eulogium des Eberhard von Camp (Anm. 681), daß die Bergweiler Kirche 
bereits im 15. Jh. fest mit der Theobert-Legende verknüpft war, was nur durch die Anwesen¬ 
heit der Reliquien ebenda erklärt werden kann. Nach dem Eulogium soll nämlich Theobert 
in capella sancti blasü in monte scouwenberch sita monasterioque huic proxima während einer 
Meßfeier ein Wunder gewirkt haben. Blasius ist also ein zwischen 1246 und 1526 an die erste 
Stelle gerückter Sekundärpatron der Theobertskirche. 
683 Vgl. Frank, Altfrk. Grammatik § 37 ff. 
684 Braune/Eggers, Ahd. Grammatik § 47 ff. 
685 Das Eulogium des Eberhard von Camp (Anm. 681) betont die Priestereigenschaft und die 
Mönchsqualitäten Theoberts. 
686 Vgl. zum analogen Fall einer memoria für den benediktinischen Erstprofeß in Weißenburg: 
Haubrichs, Mönchslisten 21 Anm. 3. 
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