Volltext: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

1 Forschungslage: 
Wie viele Klöster des westlichen Mitteldeutschlands hat auch das einstmals bedeu¬ 
tende saarländische Kloster Tholey zahlreiche Verluste in Archiv und Bibliothek 
zu beklagen, und das nicht erst, seitdem 1792/93 die Ereignisse der französischen 
Revolution auch das pfalz-zweibrückische Oberamt Schaumberg überfluteten 
und teils zur Vernichtung, teils zur Zerstreuung der Bestände des Klosterarchivs 
und der Klosterbibliothek führten1. Zwar ist die allerfrüheste Geschichte des Klo¬ 
sters durch die älteste Urkunde Deutschlands, das Testament des Diakons Adalgi- 
sil Grimo vom Jahre 634, hervorragend dokumentiert2, danach jedoch fließen 
Quellen zur Geschichte der Abtei nur noch spärlich3. Die mehrfach überlieferten 
Abtslisten der Abtei St. Mauritius mußten daher als schmaler, aber nicht zu ver¬ 
achtender Ersatz für das Verlorene willkommen sein. 
Auf sie stützte sich bereits 1899 Johann Christian Lager bei seinem Versuch, die 
Geschichte des saarländischen Klosters zu rekonstruieren. Resignierend freilich 
mußte er feststellen: „Die verschiedenen noch erhaltenen Abtslisten, gedruckte 
wie handschriftliche, weichen vielfach von einander ab, so daß es, was die frühen 
Jahrhunderte anbelangt, unmöglich ist, eine nur in etwa zuverlässige Reihenfolge 
der Äbte herzustellen4.“ Lager unternahm keinen Versuch, das Verhältnis der dif¬ 
ferenzierenden Listen (in Aufzeichnungen des 16. bis 18. Jahrhunderts erhalten) 
1 Vgl. jetzt vor allem zu den membra disiecta der Tholeyer Überlieferung Herrmann, Klo¬ 
sterbibliotheken, passim; frühere Hinweise zum Schicksal des Archivs und der Biblio¬ 
thek bei: Lager, Tholey 348 f.; Jungk, Tholey 1; Scheer, Abtei St. Mauritius 182. 274; 
Stock, Abtei St. Mauritius 20 f. Der ältere Urkundenbestand scheint bereits durch Brände 
des 13. Jhs. (vor 1261: vgl. Goerz, Mittelrhein. Reg. III Nr. 1682) und des 15. Jhs. (1422 
und vor 1484: vgl. u. S. 201), durch die Verwüstung des Klosterarchivs seitens franzö¬ 
sischer Truppen im J. 1655 stark dezimiert worden zu sein, wie die erhaltenen Urkunden¬ 
register zeigen. Die Plünderung der Abtei durch Revolutionstruppen am 8. VIII. 1793 be¬ 
traf anscheinend vor allem Bestände des Hoch- und Spätmittelalters sowie der Neuzeit, 
dazu die Bibliothek. Von den überlebenden Handschriften wurde wiederum ein größerer 
Teil beim Brand der Metzer Stadtbibliothek im August 1944 vernichtet. 
2 Vgl. vor allem mit weiterer Lit.: Levison, Testament; Herrmann, Testament. 
3 Bezeichnend ist die resignierte Äußerung von Lager, Tholey 348, daß nicht „die Ge¬ 
schichte dieser Abtei“ sondern „vielmehr die Zusammenstellung der noch vorhandenen 
Bruchstücke ihrer Geschichte“ den Gegenstand seiner noch heute grundlegenden, wenn 
auch in vielem revisionsbedürftigen Abhandlung bilde: „Wir sagen Bruchstücke, weil das 
noch auffindbare Material so dürftig und lückenhaft ist, daß eine Sammlung desselben 
keinen Anspruch erheben darf, eine eigentliche Geschichte zu sein. Es mag wohl im 
Trier’schen Lande keine bedeutendere Abtei gegeben haben, über die wir so wenig Nach¬ 
richten mehr besitzen, als gerade Tholey“. Zur Geschichte Tholeys vgl. heute vor allem 
noch: Levison, Geschichte; Hübinger, Beziehungen, passim; Hübinger, Urkunde 263 
ff.; Pauly, Landkap. Wadrill 113 ff.; Pauly, Güter; H errmann, Entwicklung 375 ff.; Zim¬ 
mermann, Kunstdenkm. OTW/SLS 108 ff. (mit Lit.). 
4 Lager, Tholey 348 f. 
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