Full text: Die Tholeyer Abtslisten des Mittelalters

Schenkungen die umliegenden ßischofskirchen an sich band. Über ihn waren am 
Ende des 6. Jahrhunderts noch weitere Geschichten im Umlauf, die uns Gregor 
verschweigt. 
Chrodinus muß eine bedeutende Figur der politischen Welt des Merowingerreichs 
im späteren 6. Jahrhundert gewesen sein. Venantius Fortunatus hat ihn während 
seines Aufenthalts am Metzer Hof des austrasischen Königs Sigibert um 565 ken¬ 
nengelernt und hat ihm ein carmen gewidmet, in dem er ihn als dux anredet480. Er 
bestätigt Gregors Lob seiner pietas und iustitia, seiner Freigebigkeit. In einer For¬ 
mulierung, die an Gregors ditatur eclesiarum, clericorum nutritur anklingt, nennt 
er ihn tutor und nutntor. Er preist seine vornehme Abkunft - 
...clarus ab antiquis, digno generosior orto, regibus et patriae qui placiturus 
eras... 
- spielt auf seine Funktion am Königshofe an; wenn er formuliert: Itala terra tibi, 
pariter Germania plaudunt, so setzt das Funktionen in der Italienpolitik des Mero¬ 
wingerreichs und im austrasischen Reichsteil voraus. Den gentes der Franken 
durch Verwandtschaft verbunden, sei er doch den Romanen teuer: gentibus ad- 
strictus, Romanis carus haberis. 
Von Chrodinus wußte man um 658/60 im Kreis des Hausmeiers Grimoald noch 
anderes zu berichten, das im sogenannten Fredegar seinen Niederschlag fand481: 
Ante haec in infanda Sigyberti omnes Austrasii cum elegerint Chrodinum 
maiorem domus, eo quod esset in cunctis strenuus et timens Deum, padencia 
inbutus, nec quisquam aliud, nisi que Deo et hominibus placerit, in eum inve- 
neretur; illi hoc honorem respuens, dicebat: „Pacem ego in Auster facere non 
valeo, maxime omnes primati cum liberis in totum Auster mihi consanguinei 
sunt; non posso ex eis facere disciplinam nec quemquam interfecere. Ipse vero 
per me insurgunt, ut agant supersticiose. Eorum acta non permittat Deus, ut 
me inferni claustra tradant. Elegite alium quem vultis ex vobis.“ At illi cum 
non invenerint, tunc Chrodini consilio nutritum suum, memorato superius 
Gogonem maiorem domus elegunt. In crastino primus ad eius mansionem per¬ 
rexit Chrodinus ad menisterium, bracile Gogone in collum tenens. Quod reli¬ 
qui cernentes, eiusdem secuntur exemplum. 
Es folgt eine Erzählung über Gogos Untergang durch Brunichild, die er dem Kö¬ 
nig selbst aus Spanien zuführte. Gogo wird durch Venantius Fortunatus als füh¬ 
rende Persönlichkeit am Metzer Hofe des Sigibert482, durch Gregor von Tours als 
480 Venantius Fortunatus, Carmina IX, 16, MG AA IV 1, 218 f. 
481 MG SS rer. Mer. II109. Die Sagen über Chrodinus und Gogo sind am ehesten dem im Kreise 
des Hausmeiers Grimoald zu Metz um 658/60, kurz vor dessen Staatsstreich (vgl. Anm. 490) 
also, arbeitenden austrasischen Fredegar-Redaktor zuzuordnen. Vgl. Krusch, Chronicae 455 
f.; Wattenbach/Levison, Geschichtsquellen I 109 ff.; Schnürer, Verfasser 137 ff. 
482 Venantius Fortunatus, Carmina VII 1-4, MG AA IV 1, 153 ff. 
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