Full text: Bildungspolitik im Saarland

und Zugeständnisse an die saarländische Politik in Bddungsfragen bemerkbar. Beob¬ 
achten konnte man sie zuerst in jenem Bereich, der für die unmittelbare Kontrolle des 
Schullebens zuständig ist, nämlich in der zivilen Schulaufsicht und Schulverwaltung. 
Dazu gehörte freilich auch die dort von Frankreich inspirierte Personalpolitik, die es als 
wichtigste Voraussetzung für den Erfolg seiner Strategie von Anfang an erkannte; denn 
schließlich durfte es kaum erwarten, daß seine erzwungene Gegenwart auf Dauer mit 
großer und allgemeiner Zustimmung aufgenommen werden würde. Die Analyse des Wir¬ 
kens dieser Institutionen gebietet sich zudem, weil sie, wie übrigens alle zivilen Verwal¬ 
tungsbehörden im französischen Einflußbereich, außerhalb der regierenden Militäradmi¬ 
nistration die ersten und einzigen Stellen waren, die unmittelbar nach dem Krieg für die 
Regelung anstehender Probleme kompetent blieben. Hierin unterschied sich die Situation 
entscheidend von der amerikanischen Besatzungszone, wo von deutscher Seite schon vom 
Jahre 1945 an ein sogenannter Länderrat existierte, der als vorläufige politische Instanz 
bei legislativen Entscheidungen der Militärregierung deutsche Interessen vertreten 
durfte.54 Im Saarland mußte man bis zum Oktober 1946 warten, bis eine sogenannte Ver¬ 
waltungskommission gebildet wurde, die als politisches Instrument im Namen der saar¬ 
ländischen Bevölkerung aktiv werden durfte. 
Gleichwohl ist der Neuaufbau des öffentlichen Bildungswesens an der Saar im Grunde 
kaum anders verlaufen als sonstwo im Bereich der späteren Bundesrepublik Deutschland. 
Frankreich sah in der zustimmenden Haltung der einheimischen Bevölkerung zudem eine 
erste Voraussetzung für eine in seinem Sinne erfolgreiche Saarpolitik. Auseinanderset¬ 
zungen um die Schule, wie sie Baden-Baden aus einer antikirchlichen Haltung heraus in 
den Jahren von 1945 bis 1947 provozierte, hätten aber mit Sicherheit bald zu einer blok- 
kierten Verfremdung geführt. Andererseits zeigt die Zurückhaltung der französischen 
Militärregierung in Saarbrücken in gesellschaftspolitischen Fragen an, daß Paris in der 
unmittelbaren Nachkriegszeit zwar Annexionspläne im politischen Sinne erwogen hat, 
daß es aber nicht in der Lage und Willens war, energisch und planvoll eine solche Intention 
in die Tat umzusetzen. Tatsächlich konzentrierte sich seine Politik von Anfang an primär 
auf die Kontrolle der Saarwirtschaftim Rahmen einer halbautonomen Eigenstaatlichkeit. 
4. Der Aufbau einer neuen saarländischen Schulverwaltung und -aufsicht 
Der von den Amerikanern geschaffene Tatbestand eines wiedererrichteten Regierungs¬ 
präsidiums Saarbrücken kam natürlich stark der französischen Absicht entgegen, durch 
den Aufbau einer lokalen Selbstverwaltung55 die Loslösung des Saarlandes von Deutsch¬ 
land bzw. dem eigenen Besatzungsterritorium vorzubereiten. Am 13. August 1945, also 
etwa einen Monat nach Ablösung der amerikanischen Besatzungstruppen im Saarland 
durch französische und wenige Tage vor der offiziellen Errichtung einer vorläufig noch 
54 In der britischen Zone wurde im Februar eine ähnliche Institution, nämlich der Zonenbeirat, mit 
Sitz in Hamburg etabliert. In der französischen Zone existierte vom 8. Oktober 1946 an eine so¬ 
genannte Beratende Landesversammlung, der aber kaum Kompetenzen in der Gesetzgebung zu¬ 
gestanden wurden. Vgl. E. Konstanzer, S. 206 ff. 
55 Vgl. hierzu Denkschrift, gegenwärtige Lage, S. 13 (Im Quellen- und Literaturverzeichnis unter 
B. II. 5 zu finden). Über ähnliche Bestrebungen im Badischen berichtet T. Eschenburg, S. 63 
f- Vgl. dazu auch oben S. 70 f. 
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