Volltext: Bildungspolitik im Saarland

Saarbrücken, sondern, wie bereits oben dargelegt, in Baden-Baden36. Der hier innerhalb 
der Abteilung Affaires Administratives unter der Leitung Schmittleins residierenden Sec¬ 
tion de l’Éducation Publique waren auf der mittleren (Délégué Supérieure) und auf der un¬ 
tersten Ebene (Délégué de District) entsprechend zuständige Stellen nachgeordnet. 
Angesichts ihrer besonderen Absichten im Saarland hatten die Franzosen neben Rhein¬ 
land-Pfalz, Baden und Württemberg auch in Saarbrücken eine regionale Militärregierung 
eingerichtet37, so daß auch hier die Amtsstelle eines Délégué supérieur tätig wurde. Zum 
Leiter der Saarbrücker Erziehungsabteilung, die, wie in Baden-Baden, dem Ressort Af¬ 
faires Administratives38 unterstellt wurde, ernannte Frankreich mit Jean Babin einen er¬ 
fahrenen Schulfachmann. Babin, Jahrgang 1905, war gebürtiger Lothringer und hatte in 
der Schulverwaltung von Metz Erfahrungen auf dem Gebiet des öffentlichen Erziehungs¬ 
wesens sammeln können, zuletzt als Inspecteur d’Académie. Wenngleich Babin in der Zeit 
seiner Tätigkeit im Saarland vom März 1946 bis zum Oktober 194 8 39 auch zu den we¬ 
nigen gehörte, die im sogenannten Kabinett Grandval40 von der fachlichen Seite her für 
ihre Aufgabe kompetent waren, so ist die Zeit seines Wirkens schulpolitisch dennoch re¬ 
lativ spurlos vorübergegangen. Das lag zuerst einmal in der Persönlichkeit Babins be¬ 
gründet. Als französischer Philologe erspürte er eher die Möglichkeiten und Grenzen eines 
kulturpolitischen Engagements Frankreichs im Saarland als die Mehrzahl seiner Mitar¬ 
beiter in der Militärregierung. Das hatte zur Folge, daß er seine Aufgabe behutsam anging. 
Zudem fand sein fachkundiges Urteil wenig Echo. Der Grund ist vor allem in einer ge¬ 
wissen Partisanenmentalität41 zu sehen, die bis zum Jahre 1947 in der Saarbrücker Mili¬ 
tärregierung spürbar war, da Grandval als ehemaliger Oberst der Résistance in Nancy be¬ 
vorzugt ehemalige Kampfgefährten in seine Umgebung aufnahm. Erst zur Jahreswende 
1946/47 stand Babin ein Stab geschulter und einfühlsamer Verwaltungsbeamter zur Ver¬ 
fügung, mit denen er eine erfolgversprechende Arbeit beginnen konnte. Als Leiter der Sec¬ 
tion de l’Éducation Publique des Délégué Supérieure für das Saarland unterstanden Babin 
innerhalb der sogenannten Délégués des Districts in Neunkirchen, Saarlouis und Saar¬ 
brücken jeweils Kreisschuloffiziere (Officier de Contrôle de l’Enseignement). Erziehungs¬ 
abteilung und Kreisschuloffizieren oblag es nun, entsprechend den Weisungen aus Baden- 
Baden den Neuaufbau des Schulwesens an der Saar zu bewerkstelligen und zu kontrol¬ 
lieren. 
36 Siehe oben, S. 48. 
17 Journal Officiel, Nr. 1 vom 3. 9. 1945, S. 5. Vgl. dazu oben S. 64 ff. 
38 Leiter dieser Abteilung war Robert Parisot. 
39 In einer schriftlichen Mitteilung an den Verfasser hat Babin die Zeit seiner Tätigkeit vom März 
1947 bis Oktober 1948 angegeben. Babin an den Verfasser vom 6. 8. 1977. Nach den Ermitt¬ 
lungen Gilmores und meiner eigenen übernahm Babin aber schon im Jahre 1946 die Direktion 
der Erziehungsabteilung innerhalb der Saarbrücker Militärregierung. Vgl. R. Gi 1 mor e, S. 302 
(Table 2). 
40 Grandval war zum 30. 8. 1945 zum Militärgouverneur in Saarbrücken ernannt worden und un¬ 
terstand zunächst als Délégué supérieur der Zentrale in Baden-Baden. 
41 Interview P. Woelfflin vom 27. 11. 1976 
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