Full text: Bildungspolitik im Saarland

1 ère Section), die aufgrund eines Berichts aus Baden-Baden zustande kam, wird die Tätig¬ 
keit der Verdier-Kommission zwar verteidigt, da es sich gezeigt habe, combien il est urgent 
de voir le Gouvernement prendre des décisions générales à ce sujet,12 aber gerade diese Be¬ 
gründung belegt, daß Frankreich im Juli 1945 auf keinen Fall schon eine entscheidungs¬ 
reife Absicht in Bezug auf die Saar hatte. Für Frankreich war die Saar eine außenpolitische 
Detailfrage, die angesichts des raschen Wechsels vom besiegten Land zum Mitsieger oh¬ 
nehin kaum von langer Hand planend in Angriff genommen werden konnte. Erste Vor¬ 
kehrungen für eine Abtrennung dieses Gebiets traf die französische Regierung im August 
1945. Dies geht aus einem Schreiben General Laffons, dem Administrateur Adjoint der 
französischen Militärregierung in Baden-Baden an General Koenig, den Oberbefehls¬ 
haber der französischen Truppen in Deutschland, vom 24. Mai 1946 hervor, das sich ein¬ 
gehend mit den Questions sarroises auseinandersetzte. Dort heißt es: Le Gouvernement 
français, en Août 1945, nous avait adressé des instructions particulières12a sur la Sarre; il 
nous demandait de préparer le terrain et de faciliter, en certains domaines la coupure qui, 
un jour, surviendrait entre la Sarre et l’Allemagne. Vous savez que ces instructions ont été 
scrupuleusement suivies et que nous nous sommes attachés, par des mesures appropriées, 
à esquisser une certaine autonomie de cette Province, aussi bien sur le plan économique 
qu’administratif et culturel. 
Wenn es auch, so Laffon weiter, in der Tat so scheinen mag, que la population de cette 
Province n’est pas, dans l’ensemble sentimentalement attirée vers nous, so sei doch die in¬ 
quiétude de l’avenir de même que son souci d’une amélioration immédiate de son sort 
principalement à l’origine de la ’compréhension’ que nous avons trouvée chez elle... Zum 
Schluß seiner Ausführungen betont Laffon, daß Baden-Baden ein climat relativement fa¬ 
vorable au rattachement der Saar geschaffen habe und auch die mesures qui s’imposaient 
pour faciliter sur le plan administratif, ce même rattachement au cas où il viendrait à être 
décidé.12 13 Als führendes Mitglied der Militärregierung spricht Laffon im Mai 1946 deut¬ 
lich von „rattachement“ des Saarlandes und meint damit offensichtlich einen politischen 
Anschluß dieses Gebiets an Frankreich. Diese Annahme ist vor allem aus dem letzten Satz 
abzuleiten, wo er einen solchen Schritt von einer entsprechenden Entscheidung der Regie¬ 
rung abhängig macht, womit die von ihm anfangs erwähnte „gewisse Autonomie“ der 
Saar auf wirtschaftlicher, verwaltungsmäßiger und kultureller Ebene eindeutig nur im 
Sinne einer vorbereitenden Maßnahme und damit als vorübergehende Situation gemeint 
sein kann. Man darf davon ausgehen, daß Laffon als Stellvertreter Koenigs über die Ab¬ 
sichten seiner Regierung wohlinformiert war. Wenn er also im Mai 1945 eine Entschei¬ 
dung im Sinne eines politischen Anschlusses noch für möglich hielt, dann muß es inner¬ 
halb der französischen Regierungsorgane zu diesem Zeitpunkt immer noch Aussichten 
auf einen entsprechenden Mehrheitsbeschluß gegeben haben. Andererseits bestätigt die 
Stellungnahme Laffons, daß die Regierung auch im Mai 1946 ein klares Saarkonzept 
12 Die Stellungnahme datiert vom 27. 7. 1945 und ist gerichtet an den Général d’Armée, Juin, Chef 
d’Etat Major Général de la Défense Nationale. Ministère des Affaires Étrangères, Archives et Do¬ 
cumentation, Bestand Z Europe 1944 - 1949 juin. Sous-Direction de la Sarre au Quai d’Orsay, 
Nr. 1. 
12a Die hier erwähnten Instruktionen konnten leider noch nicht ermittelt werden. 
13 Laffon an Koenig vom 24. 5. 1946. Ministère des Affaires Étrangères, Archives et Documenta¬ 
tion, Bestand Z Europe 1944 - 1949 juin. Sous-Direction de la Sarre au Quai d’Orsay, Nr. 17. 
64
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.