Full text : Bildungspolitik im Saarland

sitären  Selbstverwaltung  gemeint  ist,  die  bis  1955  dort  auch  schon  eine  Rolle  gespielt
hatten.
Der  Studienbetrieb  konnte  ebenfalls  relativ  reibungslos  den  neuen  Aufgaben  und  Zielen
angepaßt  werden.  Gewiß,  die  Zeit  der  Kaderschmiede  für  einen  autonomen  Saarstaat  war
abgelaufen.  Da  aber  die  Staatsprüfungen  und  Diplome  vor  1955  ganz  im  Zeichen  überlieferter
  deutscher  Qualifikationsgewohnheiten  standen,  waren  grundlegende  Veränderungen
  auch  hier  nicht  notwendig.  Viel  bedeutsamer  für  die  Existenz  der  Universität  war
der  Wegfall  der  Trennlinie  zur  großräumigen  Bildungswelt  der  Bundesrepublik,  die  seit
einigen  Jahren  deswegen  starken  Veränderungen  ausgesetzt  war,  weil  die  Bildungspolitiker
  aus  bildungsökonomischen  Gründen  und  im  Interesse  gerechterer  Bildungschancen
damit  angefangen  hatten,  ein  dichtes  Netz  von  qualifizierten  Bildungsangeboten  zu
knüpfen.  Im  Saarland  erkannte  man  nach  einer  Weile  des  Abwartens  dann  doch  sehr
schnell  den  Zug  der  Zeit  und  vor  allem  den  Vorsprung,  den  die  aus  politischen  Separationszielen
  geborenen  Anstrengungen  auf  dem  Bildungssektor  im  allgemeinen  und  in
Bezug  auf  die  Förderung  der  Wissenschaften  im  besonderen  geschaffen  hatte.  Nachdem
sich  diese  Einsicht  durchgesetzt  hatte  zögerte  die  saarländische  Regierung  nicht  mehr,
die  bisher  erfolgreich  wirkenden  akademischen  Bildungseinrichtungen  anzunehmen,  die
ihr  die  Hoffmannzeit  als  Erbe  überlassen  hatte.  So  liest  man  denn  auch  folgerichtig  im  Leistungsbericht
  der  saarländischen  Regierung  über  die  Jahre  1957  bis  1962:
Unmittelbar  nach  Übernahme  des  Ministeriums  (gemeint  ist  das  Kultusministerium)  hat
der  Minister  die  Abteilung  V  ’Hochschulen’  ins  Leben  gerufen.  Nach  seiner  Auffassung
mußten  in  einer  Zeit,  die  der  Forschung  und  wissenschaftlichen  Lehre  besondere  Bedeutung
  beimißt,  die  Belange  der  Hochschulen  sorgfältig  beachtet  und  tatkräftig  unterstützt
werden89.
Diese  Willensbekundung  ist  dann  auch  in  Taten  umgesetzt  worden.  Bis  zum  Jahre  1962
wurde  nicht  nur  die  Zahl  der  Institute  und  Lehrstühle  erhöht,  die  saarländische  Regierung
zeigte  sich  auch  großzügig  in  der  Bereitstellung  von  Mitteln  für  ein  umfangreiches  Bauprogramm90.
  Dabei  erhielten  die  Rechts-  und  Wirtschaftswissenschaftliche  Fakultät  und
insgesamt  elf  Institute  neue  Gebäudeeinrichtungen,  die  Unterkunft  der  Philosophischen
Fakultät  wurde  erheblich  erweitert.  Die  Saaruniversität  gewann  dadurch  natürlich  weiter
an  Attraktivität,  eine  Feststellung,  für  die  vor  allem  die  Studentenstatistik  spricht.  Vom
Sommersemester  1957  bis  zum  Wintersemester  1962/63  stieg  die  Zahl  der  Studierenden
von  2  229  auf  5  88491.  In  diesen  Zahlen  spiegelt  sich  ein  Aspekt  schulischen  Wandels
wider,  der  vor  allem  seine  Kraft  durch  das  allgemein  geförderte  und  gewachsene  Interesse
an  qualifizierten  Bildungsabschlüssen  gewann.  Intensiviert  wurde  er  aber  auch  durch  die
traditionell  geringen  Studienkosten  der  Saaruniversität  und  durch  die  allmähliche  Annahme
  der  Saarbrücker  Hochschule  durch  Studenten  aus  der  benachbarten  Pfalz  und  aus
jenen  bürgerlichen  Kreisen  an  der  Saar,  die  bis  dato  den  Traditionsuniversitäten  in  Heidelberg,
  Paris  und  Bonn  den  Vorzug  gegeben  hatten.  Auch  bei  ihnen  setzte  sich  die  Erkenntnis
  durch,  daß  die  Universität  des  Saarlandes,  wie  es  die  saarländische  Regierung  in
ihrem  Leistungsbericht  1957—1962  stolz  verkündete,  inzwischen  eine  Bedeutung  erlangt

89  Regierung,  Fünf  Jahre,  S.  22  (Im  Quellen-  und  Literaturverzeichnis  unter  B  I,  5.  zu  finden)
90  Vgl.  dazu  oben  Anm.  45  auf  S.  270.
91  Nach  Regierung,  Fünf  Jahre,  S.  23.

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