Full text: Bildungspolitik im Saarland

tischen Zielen des saarländischen Autonomismus geradezu unmöglich gemacht wurde27. 
Daran änderten auch die Höhergruppierungen einzelner Lehrergruppen im Zuge der Be¬ 
soldungsreform vom Juli 195 5 28 nichts mehr, da diese Verbesserungen allzusehr im Ge¬ 
ruch eines Wahlgeschenks standen. Dafür spricht nicht zuletzt der Eifer, mit dem vor 
allem Innenminister Hector sich seit 1954 um die Lehrer kümmerte. Unter eindeutig 
wahltaktischen Überlegungen versprach er auf mehreren CVP-Sonderveranstaltungen 
für Pädagogen eine wohlwollende Behandlung der Lehrerbildungs- und Besoldungs¬ 
frage29. Die Tatsache, daß sich ein ressortfremder Minister um die Belange der Lehrer 
sorgen mußte, beweist überdies erneut, daß an der Saar nach 1951 ein wirkungsstarker 
bildungspolitischer Gestaltungswille nicht mehr existierte. 
2.3 Permanenter Zankapfel: Der französische Sprachunterricht 
Ein weiterer Prüfstein für ein tragbares Verhältnis zwischen den Verantwortlichen in der 
Bildungspolitik und der Lehrerschaft war und blieb der französische Sprachunterricht im 
Volksschulbereich. Hoffmann gesteht in seinen Memoiren ein, daß es wegen dieser Frage 
„auch in den eigenen Reihen“ bis zum Jahre 1955 heftige Diskussionen und scharfe Kritik 
gegeben habe, um dann expressis verbis den hartnäckigen Widerstand der Lehrerschaft 
zu erwähnen. In seinen Erinnerungen nennt Hoffmann über das damals hochgesteckte, 
für ihn aber schon selbstverständlich gewordene Ziel, die allgemeine Volksbildung wegen 
des Wandels zur internationalen Mobilität um fremdsprachliche Studien zu erweitern30, 
noch zwei weitere Motive für seinen beharrlichen Kurs in der Sprachenfrage: erstens, die 
Überwindung sprachlicher Trennlinien im Interesse der Verständigung mit dem französi¬ 
schen Nachbarn, und zweitens, die bildungspolitischen Konsequenzen, die sich aus dem 
„ständigen vielfältigen Austausch mit Frankreich“ aufgrund der bestehenden Wirt¬ 
schaftsunion ergaben31. Mit ähnlichen Argumenten hatte im Jahre 1951 auch schon die 
27 Beispiele herber Kritik an der Lehrerbesoldung, die von der Verbandspresse der Lehrer mit Blick 
auf die besseren Verhältnisse in der Bundesrepublik geübt wurde, finden sich in: Der katholische 
Erzieher, Nr. 4, 1953, S. 55; Nr. 1, 1954, S. 37; Nr. 4-6, 1954, S. 163 ff.; Nr. 8, 1954, S. 255 
ff. sowie im Mitteilungsblatt des Verbandes Saarländischer Lehrer Nr. 1,1953 (Januar) und Nr. 
8,1954 (September). Vgl. auch die Denkschrift des Verbandes katholischer Erzieher zur Lehrer¬ 
besoldung vom 25. 8.1952 (Sammlung des Verbandes katholischer Erzieher des Saarlandes, Ab¬ 
lage 1946 — 1958), in der vor allem die Einrichtung von Beförderungsstellen und eine Anglei¬ 
chung an die Besoldung der Studienräte gefordert wurde, und die Denkschrift zur Lehrerbesol¬ 
dung der Arbeitsgemeinschaft der Volksschullehrerverbände des Saarlandes vom 28. 3.1953, in 
der es u. a. heißt: Die Lehrerschaft des Saarlandes ist aufs tiefste enttäuscht, ja verbittert über das 
völlig negative Ergebnis der Verhandlungen über die Wiederherstellung einer gerechten Lehrer¬ 
besoldung. Die Denkschrift ist abgedruckt im Mitteilungsblatt des Verbandes Saarländischer 
Lehrer Nr. 4,1953 (April). Hingewiesen sei auch auf den vertraulichen Bericht Meyers an Hoff¬ 
mann im Vorfeld der Landtagswahlen 1952 über die Unruhe in der Lehrerschaft wegen der Be¬ 
soldungsfrage (Meyer an Hoffmann am 22. Juli 1952. LA Saarbrücken, Bestand der Staats¬ 
kanzlei, Akten des Ministerpräsidenten Nr. 299), sowie auf das Protokoll über die Generalver¬ 
sammlung der katholischen Erzieher am 18. 11. 1953, in dem von einer erschreckenden Unter¬ 
bewertung ihrer Bildungsarbeit die Rede ist und auf die in der Bundesrepublik vorgenommene 
mustergültige Neuregelung der Lehrerbesoldung Bezug genommen wird. Sammlung des Ver¬ 
bandes katholischer Erzieher des Saarlandes, Protokollbuch, S. 3. 
28 Gesetz Nr. 469 vom 19. Juli 1955. 
29 Vgl. dazu als Beispiel den Bericht der Saarländischen Volkszeitung vom 28. 5. 1954 über eine 
Lehrertagung der CVP-Kreispartei Saarbrücken-Stadt. Siehe auch Mitteilungsblatt des Ver¬ 
bandes Saarländischer Lehrer Nr. 8, 1954 (September). 
30 Vgl. oben, S. 200. 
31 J. Hoffmann, Ziel, S. 149 f. 
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